Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV TV-Sternchen Daniela Katzenerberger bekommt ihre eigene Dokusoap
Nachrichten Medien & TV TV-Sternchen Daniela Katzenerberger bekommt ihre eigene Dokusoap
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:54 21.09.2010
Die auf die Stirn tätowierten Augenbrauen hat sie korrigieren lassen, richtig echt wirkt sie aber noch immer nicht: VOX-Heldin Daniela Katzenberger. Quelle: dpa
Anzeige

Ihr neuester Coup ist ein TV-Spot. Daniela Katzenberger wirbt für die Hotline einer bekannten Telefonvermittlung. Und wenn man bedenkt, dass bis heute keiner so genau weiß, wer diese Frau eigentlich ist, ein blondes Landei, das eher aus Versehen in der Abteilung „Popsternchen“ gelandet ist, oder eine geschäftstüchtige Blondinendarstellerin, dann grenzt dieser Spot an ein Wunder.

Er markiert den vorläufigen „Höhepunkt“ einer Karriere, wie sie vielleicht nur in einer Gesellschaft möglich ist, die sich ihre Helden aus den eigenen Reihen sucht, weil man sich mit denen besser messen kann. In dieser Gesellschaft reicht schon ein lustiger Versprecher im Videoportal YouTube, um einen Nobody ins Rampenlicht zu katapultieren. Das Internet hat einen neuen Typ von Star hervorgebracht. Talent ist auf dem Weg nach oben eher hinderlich. Die neue Ökonomie der Aufmerksamkeit befördert Figuren ins Licht, die gerade gut genug für einen Witz sind.

Anzeige

Eine davon ist Daniela Katzenberger. Als Darstellerin einer Dokusoap („Auf und davon“) hat sie es erst zum Aushängeschild des Kölner TV-Senders VOX und dann zum Liebling der Internetsurfer gebracht. Auch eine „Hitsingle“ hat sie eingesungen. Dann kam der Werbespot.

Daniela wer? Daniela Katzenberger ist 23 Jahre alt. Wenn man versucht, sie zu beschreiben, landet man schnell bei Attributen, die gemeinhin Frauen zugeschrieben werden, deren IQ sich proportional zur Zimmertemperatur verhält. Doch sie auf ihre weißblonden Haare und die mit Silikon gefüllten Brüste zu reduzieren, würde dem Phänomen nicht gerecht. Es würde nicht erklären, warum sie inzwischen die ganze mediale Verwertungskette ausgeschöpft hat, von der RTL-Gruppe bis zur „Bild“-Zeitung.

Der Boulevard ist vernarrt in die Frau, die schon als 13-Jährige davon geträumt haben will, es eines Tages als Bunny in die Villa von „Playboy“-Herausgeber Hugh Hefner zu schaffen. 2009 suchte VOX Kandidaten, die bereit sind, ihr Glück für die Dokusoap „Auf und davon“ im Ausland zu versuchen. Daniela Katzenberger reiste nach Los Angeles. Sie stöckelte in den Vorgarten von Hefner, um eigenhändig ihre Nacktfotos in den Briefkasten zu werfen.

Sie bekam keine Antwort, aber das Fernsehen hatte sie entdeckt. Die „Katze“, wie sie inzwischen von den Medien genannt wird, das ist die mit den verrutschten Augenbrauen. Sie hat sie sich auf die Stirn tätowieren lassen. Ein Missgeschick, das jeden Visagisten vor Schreck erblassen lässt. Es wird zu ihrem Markenzeichen. Dazu kommt der klebrig süße Dialekt der Pfalz, der jeden Satz wie eine Frage erscheinen lässt. Der Erfolg gibt ihr recht. Ihrem Auftritt verdankte VOX eine neue Topquote.

Von heute an widmet der Sender seinem Aushängeschild eine eigene Doku-soap: „Natürlich blond“. Die Masche, mit dem eigenen Klischee zu spielen, ist nicht neu. Schon Verona Pooth gelang der wundersame Aufstieg von der geknechteten Bohlen-Gattin zur Werbe-Ikone.

Im Gegensatz zu Pooth verfügt Katzenberger aber nicht über ein erfahrenes Management. Vermarktet wir sie von 99pro, einer kleinen TV-Produktionsfirma in Leipzig. Es ist eine GmbH, die sich auf Dokusoaps spezialisiert hat. Ihr Erfolg hat auch die Firma überrollt. Vor einigen Wochen hat sie einen eigenen Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit eingestellt. Er sagt, er kenne noch nicht jeden einzelnen Fan-Artikel. Man möge im VOX-Shop nachsehen. Er wirkt genervt.

Nicht mehr lange, und ihr Stern werde verglühen, prophezeit derweil „Gala“-Chefredakteur Peter Lewandowski. Als ehemaliger Chef der Magazine „Playboy“ und „Maxim“ hat er ungezählte Blondinen kommen und wieder gehen sehen. Doch so schnell wie Daniela Katzenberger sei noch keine nach oben gerauscht, sagt er. Es klingt, als sei er nicht ganz sicher, ob ihn dieser Erfolg beeindrucken oder ängstigen soll. Lewandowski spricht von einem Medienphänomen. Dass Katzenberger auch schon durch die „Gala“ gegeistert ist, darüber spricht er nicht. Es geht ihm wie allen, die an der Produktion einer Figur beteiligt waren, die man auch als Karikatur auf die Medienbranche verstehen kann. „D“ ist nicht seine Körbchengröße.

dpa

Reinhard Urschel 15.10.2010
20.09.2010