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Medien & TV „Ein Fehler, Absturz, alle tot!“
Nachrichten Medien & TV „Ein Fehler, Absturz, alle tot!“
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12:33 22.03.2014
Rätselraten am Tatort: Die Hauptkommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, M.) sowie Brandermittler Uwe Schatz (Roland Silbernagl). Quelle: ARD
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Drei tote Kinder, das Haus eine rußgeschwärzte Ruine – und am Rheinufer steht eine verwirrte Frau. „Mein Mann!“, brüllt sie verzweifelt in die Nacht. Sinnlos, denn von dem fehlt jede Spur. Der „Fall Reinhardt“ des Kölner „Tatort“-Duos Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) beginnt ähnlich düster, wie der letzte aufgehört hatte. Im Januar war die langjährige und lieb gewonnene Assistentin Franziska (Tessa Mittelstaedt) erst als Geisel genommen und anschließend brutal mit einem Kabelbinder stranguliert worden. Hart geht es weiter in Köln: Jetzt zieht ein Brandstifter durch die Rheinmetropole. Schenk und Ballauf müssen sich mit ihren Ermittlungen beeilen, bevor die nächste Villa in Flammen steht.

Doch der Fall gestaltet sich so schwierig, wie die Stimmung in der Karnevalshochburg Köln trostlos ist. Am Tatort fehlt nicht nur Licht, sondern auch ein Verdächtiger. Im Schein der Taschenlampe werden schweigend Spuren gesichert. Verkohlte Kinderleichen gehen auch Schenk und Ballauf noch an die Nieren. Hinzu kommt, dass die einzige Zeugin der Brandkatastrophe, Karen Reinhardt (Susanne Wolff), unter Amnesie leidet. Sie weiß offenbar weder, was geschehen ist, noch, dass ihre Kinder den Brand nicht überlebt haben. Ehemann Gerald Reinhardt (Ben Becker) steht auch nicht für eine Aussage zur Verfügung.

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Nachforschungen ergeben, dass der Gatte den Kontakt zu seiner Bilderbuchfamilie schon lange abgebrochen hat. Doch auch das scheint Karen Reinhardt aus ihrem Gedächtnis gestrichen zu haben. Vielleicht zum Glück. Denn die junge Mutter leidet schon genug, mag man meinen. Kinder tot, Mann weg, Erinnerung futsch. Der letzte Ausweg heißt für Karen Reinhardt Psychiatrie.

Nach und nach kristallisiert sich jedoch heraus, dass ihr Mann, Gerald Reinhardt, in Wahrheit bereits seit zwei Jahren arbeitslos ist. Der Flugzeugingenieur ist ein Rationalisierungsopfer – und offenbar auch ein guter Schauspieler. Denn weder die eigenen Kinder noch Nachbarn oder Freunde ahnen, dass Reinhardt, wenn er morgens das Haus verließ, nicht ins Büro, sondern in die nächste Kneipe fiel. Die gutbürgerliche Fassade wird um jeden Preis aufrechterhalten. 

Spätestens, als Rechtsmediziner Roth (Joe Bausch) bei der Obduktion der Kinderleichen feststellt, dass die drei Reinhardt-Sprösslinge schon vor dem Brand getötet oder betäubt worden waren, ist klar: Schenk und Ballauf sind hier offensichtlich nicht auf der Suche nach einem zwanghaften Pyromanen, sondern ermitteln in einer Familientragödie.

War der Brand möglicherweise nur Zufall? Aber warum hortet dann ein Schulhausmeister in seinem Keller Benzinkanister und die passenden Gummistiefel zu den am Tatort sichergestellten Fußabdrücken? Regisseur Thorsten C. Fischer, der bereits zum fünften Mal mit dem Kölner-„Tatort“-Team drehte, macht es dem Zuschauer – zum Glück – nicht allzu einfach. Auch wenn für Schenk früh fest- steht, dass der Ehemann der Hauptverdächtige ist. Schließlich sei der wie die Flugzeuge, die er früher baute: „Ein Fehler, Absturz, alle tot!“

Der „Fall Reinhardt“ schlägt auf den Magen. Was auch daran liegt, dass Susanne Wolff die Rolle der schwer angeschlagenen Karen so authentisch spielt, als wäre sie selbst in der Psychiatrie nicht schlecht aufgehoben. Auch für den heruntergekommenen Gerald Reinhardt gibt es kaum eine bessere Besetzung als den – zumindest äußerlich – ähnlich heruntergekommenen Ben Becker. Ballauf und Schenk wird die neue Ernsthaftigkeit auf Dauer auf jeden Fall besser stehen als die legendäre Currywurst nach Feierabend.

Von Nora Lysk

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