Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV „Tatort: Der schöne Schein“: Krimi aus Konstanz in der ARD
Nachrichten Medien & TV „Tatort: Der schöne Schein“: Krimi aus Konstanz in der ARD
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:40 14.01.2011
Von Stefan Arndt
Klara Blum (Eva Mattes) und Reto Flückiger (Stefan Gubser). Quelle: ARD
Anzeige

Das Geschäft mit der Schönheit ist ein schmutziges Geschäft: „Wie kann man nur so viel fressen!“, empört sich der Chirurg beim Fettabsaugen einer übergewichtigen Patientin. Dabei lebt er genau davon: Gemeinsam mit seiner Frau und einem weiteren Ärztepaar, allesamt Freunde aus Studien­tagen, hat er eine florierende Schönheitsklinik aufgebaut, die ihm all das ermöglicht, was Ärzte im „Tatort“ eben so treiben: Golf spielen, Designervillen bauen und auf der eigenen Segeljacht umherschippern.

So ist noch vor dem ersten Mord im neuen Bodensee-„Tatort“ aus Konstanz klar, wer hier eigentlich die Bösen sind: die zynischen, skrupellosen, geldgierigen Mediziner. Das ändert sich auch nicht, als eine der ihren bald zu Tode kommt – Dreck am Stecken haben sie doch irgendwie alle. Der Rahmen für den Krimi „Der schöne Schein“ ist damit abgesteckt: Es geht um Stereotype und ­Klischees, Angedeutetes oder gar Geheimnisvolles wird man im Drehbuch von Susanne Schneider vergeblich suchen. Selbst Eva Mattes, die einst mit ihrem körperbetonten Spiel Theatergeschichte geschrieben hat, darf als Fernsehkommissarin Klara Blum beim Anblick von Silikonimplantaten nur noch Sätze sagen wie „Lieber was Richtiges im Kopf als was Falsches im BH“ – das kann schon etwas traurig stimmen.

Anzeige

Regisseur René Heisig, der auch bereits einen niedersäch­sischen „Tatort“ mit Maria Furtwängler in Szene gesetzt hat, bemüht sich, die Mängel der Geschichte durch eine seit einiger Zeit beliebte grausam-dekorative Darreichungsform der Leichen zu überdecken. Der ersten Toten steckt ein Goldfisch im Mund (was Klara Blum ernsthaft zu der Ermittlungshypothese „Der Fisch stinkt vom Kopf“ verleitet), das nächste Opfer baumelt in der Takelage. Schön ist das nicht: Der „Tatort“ setzt auf Schockeffekte statt auf Spannung. Und die Wertigkeit dieser Folge wird auch nicht erhöht, wenn man überdeutlich sieht, dass viele Außenszenen gar nicht in der Bodenseelandschaft aufgenommen sind, sondern im Studio – „Münchhausen“ lässt grüßen.

Trotz aller Mängel geben sich die Ermittler aber alle Mühe herauszufinden, wer denn nun die Leiterin der Schönheitsklinik ermordet hat. Ihr Mann und ihre Kollegen haben alle reichlich Motive, denn mit Freundschaft und Liebe ist es hier schon lange vorbei. Es geht um Eifersucht, Eitelkeit und einen ­riskanten Handel mit minderwertigen Brustimplantaten aus China.

Um Licht in das Dunkel zu bringen, lässt sich Blums Partner Perlmann (Sebastian Bezzel) als Burn-out-Patient in der Klinik aufnehmen, um die Ermittlungen fortan im Bademantel voranzutreiben. Weitere Verstärkung bekommt die Kommissarin aus der nahe gelegenen Schweiz: Weil die Klinikleiterin auf eidgenössischem Boden getötet wurde, ist auch Blums Amtskollege Reto Flückiger (Stefan Gubser) wieder mit von der Partie. Seit einem vor zwei Jahren gemeinsam gelösten Fall hegt die Deutsche eine zarte Zuneigung für den Schweizer, die sogar in einen flüchtigen Kuss mündet – und der Eröffnung Flückigers, dass er seinen Amtsbezirk am Bodensee verlassen wird, um in Luzern Karriere zu machen.

Mit Flückiger als Chef der „Fachgruppe Leib und Leben“ wird das Schweizer Fernsehen nämlich ab April in den Kreis den „Tatort“-Sender zurückkehren. Für manche Zuschauer könnten diese Folgen (geplant sind vorerst zwei pro Jahr) ein Ersatz für den bis zur Unverständlichkeit schwäbelnden Kommissar Bienzle werden: Auch die Flückiger-Krimis sollen in Mundart gedreht werden.

Am Bodensee gibt es dann im Übrigen doch noch ein etwas zwiespältiges Ende. Das Gute siegt. Aber schön ist das nicht.

Tatort: Der schöne Schein“ | ARD
Krimi aus Konstanz
Sonntag, 20.15 Uhr