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Medien & TV Münster, Morde und Marotten
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00:15 09.11.2015
Bald kommen die Tretbootasse aus Münster in Aasee-Not: Boerne (Jan Josef Liefers) und Thiel (Axel Prahl) geben dem Schwan im neuen Tatort Saures. Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa
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Münster

Nein, irgendetwas Überraschendes sollte man von Deutschlands beliebtestem Tatort-Duo Boerne und Thiel (Jan Josef Liefers, Axel Prahl) wirklich nicht erwarten. Erfolg verpflichtet eben, zuviel macht allerdings auch denkfaul. Doch solange die Einschaltquoten stimmen, wird sich daran wohl auch nichts ändern.

Karl-Friedrich Boerne probt seinen Urlaub

Wiewohl: Nach der schweren Krimikost, die uns die ARD zuletzt präsentiert hat, tut ein Gute-Laune-Krimi wie "Schwanensee" ja auch mal recht gut. Zudem schadet zuviel Grübeln bekanntlich dem Charakter. Und dafür ist ja sowieso dann Günther Jauch zuständig, der mit seiner gewohnt tiefsinnigen Talkshow und gern mit Wolfgang Bosbach als Dauergast einen echten Tatort-Abend mit vielen Fragezeichen grübelnd abrundet.

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So geht’s mit einer lustigen Szene (und ohne Bosbach) gleich los: Karl-Friedrich Boerne probt seinen Urlaub. Und da er zum Tauchen auf die Malediven fahren möchte, steht er nun mit Neoprenanzug, Schwimmflossen und Taucherbrille, in seiner schicken Altbauwohnung vor dem Spiegel und probt zu Wagners "Walkürenritt" den ersten Tauchgang. Doch aus dem geplanten Urlaub wird natürlich nichts. Boerne wird gebraucht.

Dankbarer Ort für einen Schmunzelkrimi

Eine Frau mit dem schönen Namen Mona Lux wurde tot aufgefunden am Boden eines Schwimmbeckens in der edlen psychiatrischen Einrichtung Schwanensee. Schnell stellt sich heraus, dass die Schöne betäubt und dann ertränkt worden ist. Ein Fall für Hauptkommissar Frank Thiel, der anfangs hofft, wegen Boernes Urlaubsplänen endlich einmal im Alleingang zu ermitteln. Doch das kann er – zum Glück für den Zuschauer – vergessen.

Eine Therapieeinrichtung wie dieses Schwanensee ist natürlich ein überaus dankbarer Tatort für einen Schmunzelkrimi. So sorgen allein die psychischen Macken der Kranken für ein paar nette Gags, und das Personal ist mindestens so verrückt wie die von ihnen Betreuten.

Frotzelduelle zwischen Thiel und Boerne

Allen voran der leitende Psychiater, der gleich unter mehreren Zwangsneurosen zu leiden scheint. Auch ein autistisches Mathegenie darf in diesem Psycho-Panoptikum nicht fehlen. Mit diesen wohlfeilen Klischees spielt der von André Erkau inszenierte Film (Drehbuch: Christoph Silber, Thorsten Wettcke). Was einigermaßen unterhaltsam, aber leider auch nicht besonders originell ist.

Aber Schwamm drüber, schließlich will man sich bei einem Münsteraner Tatort einfach entspannt amüsieren. Dafür sorgen dann die bewährten Frotzelduelle der beiden Hauptdarsteller und ihre Mitstreiter: Thiels Hippie-Vater, Boernes vorlaute Assistentin oder die nun konsequent Elektrozigaretten paffende Staatsanwältin.

Die Verfolgungsjagd entschädigt für vieles

Und zum Schluss gibt es dann auch noch eine richtig witzige Szene: Eine atemberaubende Tretboot-Verfolgungsjagd über den Aasee, die für viel Mittelmäßiges in diesem alles in allem recht durchschnittlichen Krimi entschädigt.

Der eigentliche Mordfall wird bei all  dem jedoch schnell zur Nebensache, auch das ist man ja aus Münster längst gewöhnt. Dennoch geht es um durchaus brisante Dinge. Die Tote war nämlich eine verdeckte Ermittlerin des BKA, die einer kommunalen Verschwörung allen größten Ausmaßes auf der Spur war. An diesen Machenschaften war tatsächlich sogar das Münsteraner Finanzamt beteiligt.

Doch den Mord an Mona Lux haben natürlich weder das Finanzamt noch das BKA begangen, das war ... ach, egal. Hauptsache lustig!

Von Ernst Corinth

Tatort: Schwanensee | ARD
Krimi, Sonntag, 20.15 Uhr
Bewertung: Drei von fünf Sterne

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