Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV Putzen im Akkord
Nachrichten Medien & TV Putzen im Akkord
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:23 22.05.2015
Von Andrea Tratner
Rana Akhtar (Nilam Farooq) mit ihrer Schwester Jasmin (Naima Fehrenbacher), die tot im Treppenhaus des Hotels liegt. Quelle: ARD
Anzeige

Mit dem Unterschied, dass das verängstigte, „Housekeeping“ flüsternde Zimmermädchen Yasemin Akhtar (Naima Fehrenbacher) nach dem Sex mit eingeschlagenem Schädel in der Lobby liegt - sie ist im Treppenhaus aus dem vierten Stock gestürzt.

Ein Unfall? Ein Mord? Eine Intrige? Auf jeden Fall ein „Tatort“-Klassiker aus der Pfalz: Die Folge „Roomservice“ ist langatmig und steckt voller Klischees. Hier wird im Akkord geputzt: Die Gäste schwelgen im Luxus, die Zimmermädchen rackern, um ihre Quote zu schaffen. Zur Motivation zitiert Hotelmanager de Dreusen (David C. Brunners) als „Motto des Tages“ Voltaire und schnalzt gebieterisch mit der Zunge.

Anzeige

Als Presse und Polizei nach dem Tod von Yasemin Akhtar das Hotel belagern, versucht er vor allem, seine betuchten Gäste vor der Konfrontation mit der Realität zu bewahren. Kommissarin Lena Odenthal tut ihm diesen Gefallen nicht: Frisch aus der Reha entlassen und immer noch tief in einer persönlichen Krise, hält die harsche Polizistin nicht mit Emotionen und Aggressionen hinter dem Berg. Zumal ihr am Tatort (mal wieder) die junge LKA-Fallanalytikerin Johanna Stern (Lisa Bitter) über den Weg läuft. Sie hatte an einer Gefährdungsanalyse für den ehemaligen Ministerpräsidenten und jetzigen EU-Kommissar Joseph Sattler (alt geworden: Peter Sattmann) gearbeitet. Der Schürzenjäger kämpft ausgerechnet für die Frauenquote in Vorstandsetagen - und macht sich damit nicht nur Freunde. Der Skandal könnte Sattlers Projekt zum Scheitern bringen. Seine Frau Valerie (Suzanne von Borsody) weiß von den Eskapaden ihres Mannes und seinen Vorlieben für exotische Schönheiten. Da es auch ihr um das höhere Ziel geht, arrangiert sie sich damit. Denn die Anwältin konkurriert mit René Haussmann (Peter Kremer) um einen Aufsichtsratposten in einem großen Konzern - zu dem zufälligerweise auch die Hotelkette gehört. Valerie Sattler wittert eine „Honigfalle“.

LKA-Frau Stern hat ihre Meinung allerdings schon gefasst: Sattler ist in ihren Augen „ein triebgesteuerter Macho“, den sie zur Strecke bringen will. Deshalb kracht es zwischen ihr und Odenthal auch gewaltig: Die junge Kollegin will den Fall mit Hightech und modernen Analysen lösen, düpiert Odenthal und deren langjährigen Sidekick Mario Kopper (Andreas Hoppe) - die revanchiert sich mit „altmodischen“ Ermittlungsmethoden und schleppt Stern erst mal zur Obduktion der Toten in die Gerichtsmedizin. Nur ein kleiner Triumph, Stern bekommt den Fall übertragen.

Zu Recht! Denn Odenthal quält sich unter der Regie von Tim Trageser durch ein Drehbuch (Stefan Dähnert, Patrick Brunken), das mit Klischees nicht kleckert, sondern klotzt. Da wird im Umkleideraum an den Spinden der Zimmermädchen laut das kleine Einmaleins der Ermittlung vorgetragen („Yasemin Akhtar. Rana Akhtar. Die beiden müssen Schwestern sein“), ein Pressefotograf ist natürlich schmierig, zwielichtig und nur hinter der Schlagzeile her („Ich hab die Fakten knallhart recherchiert“). Dieser Feiertags-„Tatort“ ist ein ermüdendes Krimi-Placebo. Aber vielleicht wird in Ludwigshafen ja bald alles anders. Odenthal sitzt auf Umzugskartons, weil sie die WG mit Kopper auflöst und Beruf und Privatleben lieber trennen will (Er: „Das ist das Ende einer Ära.“ Sie: „Ein Ende ist auch immer ein Anfang.“). Stern schmeißt beim LKA hin.

Und wie es der Teufel will: Bei der Kripo ist gerade eine Stelle frei. Na so was.

Medien & TV Strategien gegen Pöbler im Netz - Nur keine Panik!
21.05.2015
Medien & TV ESC-Kandidatin Ann Sophie im Interview - „Mir geht’s nicht um mein Ego“
Imre Grimm 24.05.2015