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Medien & TV Der Mord am Mörder
Nachrichten Medien & TV Der Mord am Mörder
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14:46 24.10.2015
Ein Toter in der Tonne: Die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller, l.) und Sebastian Bootz (Felix Klare) ermitteln. Quelle: ARD
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Wenn die Stuttgarter Hauptkommissare Thorsten Lannert und Sebastian Bootz ermitteln, geht es meist recht bieder zu. Umso überraschender ist ihr neuster „Tatort“-Fall „Preis des Lebens“, der zwar mit einer ganz krimiüblichen Szene beginnt, dann aber schnell Fahrt aufnimmt und bis zum Schluss äußerst spannend bleibt. Zudem ist die verzwickte Story wirklich so fesselnd, dass man beim Zuschauen bisweilen tatsächlich überlegt, wie man in einer vergleichbaren Situation gehandelt hätte.

Eine Antwort fällt dann wahrlich nicht leicht, da das bewährte Gut-und-Böse-Schema hier einfach nicht funktioniert. Zu Anfang sieht man also, wie ein Mann aus dem Gefängnis entlassen wird:  Jörg Albrecht, der 15 Jahre wegen eines brutalen Sexualmordes an der 16-jährigen Mareike gesessen hat. Vor dem Knast wartet in einem Auto eine ältere Frau auf ihn. Offenbar seine Bewährungshelferin. Sie fährt ihn dann angeblich zu seiner neuen Wohnung, parkt den Wagen in einer Tiefgarage und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Zusammen mit ihrem Mann überwältigt die Frau den entlassenen Strafgefangenen, um ihn in ihr Haus zu verschleppen. Dort foltern sie Jörg Albrecht, bis er endlich den Namen seines damaligen Mittäters verrät. Anschließend töten sie ihn, um ihn wie Abfall im Müllcontainer zu „entsorgen“.

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Tatort: Preis des Lebens“ | ARD
Mit Richy Müller
Sonntag, 20.15 Uhr

Bei dem Ehepaar handelt es sich natürlich um die Eltern des getöteten Mädchens, die beide den Mord an ihrem Kind nie verarbeitet haben. Auch für die dann mit dem Mord an Albrecht befassten Kommissare Lannert und Bootz gerät das Ehepaar schnell in das Zentrum ihrer Ermittlungen, nur reichen die Indizien für eine Festnahme nicht aus. Dennoch stehen die beiden unter großem Zeitdruck, weil vermutlich ja nun der Mittäter Albrechts ins Visier der Eltern des toten Mädchens geraten ist. Kurzerhand nehmen sie ihn in Schutzhaft. Der Fall nimmt eine dramatische Wendung, als nach einer Party Bootz’ 14-jährige Tochter spurlos verschwindet. Was danach folgt, hat zwar anfangs etwas von „Ein Bulle sieht rot“. Doch so einfach macht es Regisseur Roland Suso Richter dem Zuschauer zum Glück nicht. Stattdessen konzentriert er sich ganz auf die Opfer. Auf die Eltern, die ein Kind verloren haben. Ein Verlust, der ihr Leben völlig zerstört hat. Und auf Bootz, dessen Kind verschwunden ist und der nun um das Leben des Mädchens fürchtet.

Drama um Rache und Moral

Was im Fall von Bootz sogar dazu führt, dass er wider besseren Wissens die Ermittlungen seiner Kollegen behindert und gefährdet. Erstaunlich ist auch anfangs die vermeintliche Kälte, mit dem das Ehepaar bei alldem vorgeht. Dennoch versteht man als Zuschauer selbst das, weil die beiden 15 quälende Jahre lang Zeit hatten, sich auf ihre Racheaktion penibel und besessen vorzubereiten.

Erzählt wird hier also kein üblicher Krimifall, sondern ein spannendes Drama um Rache und Moral, bei dem es am Ende keine Gewinner gibt. Und bei dem auch die zuvor oft schon kriselnde Freundschaft des Duos Lannert und Bootz auf dem Prüfstand steht. Überzeugend ist nicht nur die vom Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt konstruierte Geschichte, sondern auch die darstellerische Leistung. Etwa die des Schweizer Theaterschauspielers Robert Hunger-Bühler, der den von Rachsucht gequälten Vater facettenreich verkörpert. Auch die beiden Kommissare Richy Müller und Felix Klare haben mimisch endlich mal mehr zu bieten als die von ihnen gewohnte biedere „Tatort“-Routine.

Von Ernst Corinth

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