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Nachrichten Medien & TV Wie gut ist der Hannover-"Tatort"?
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15:09 23.11.2015
Eine fremde Welt aus Gehorsam: Kommissarin Lindholm (Maria Furtwängler) mit Oberst Friedrichs (Richard van Weyden). Quelle: ARD
Hannover

Schon in ihrer ersten Szene hat die Kommissarin den Überblick verloren: Auf dem Weg zu einem Tatort hat sich Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) in der niedersächsischen Provinz verfahren. Und dann rauscht auf dem einsamen Feldweg auch noch ein Auto an ihr vorbei und landet im Graben. Als der rüpelige Fahrer der Ermittlerin dumm kommt, zieht die ihre Dienstmarke und alle Polizeiregister, checkt das Auto des Flegels und lässt ihn mit den Worten stehen: „Ihr Verbandszeug ist abgelaufen.“ Kommissarin Cool.


Nicht umsonst ist Charlotte Lindholm in Wunstorf bei Hannover unterwegs: Hier liegt ein Luftwaffenstützpunkt der Bundeswehr, hier lebte Lore (Nora Huetz), die Ex-Frau eines Soldaten, die tot in ihrem Harzer Wochenendhaus gefunden wurde. Eine Frau mit ausschweifendem Liebesleben, die sich im Harz mit ihrem verheirateten Lover Paul (Thure Lindhardt) getroffen hatte. Der soll laut seiner Frau Kristin (Jasmin Gerat) bei einer Hochzeit in Dänemark sein, tatsächlich irrt er aber mit blutigem Gesicht durch den Wald.

Ungewöhnliches Umfeld...

Noch verdächtiger ist der Ex-Mann der Toten. Jan Körner (Gerdy Zint) ist ein cholerischer Bundeswehr-Pilot mit Schäferhund und Aggressionspotenzial, gegen den seine Frau ein Kontaktverbot erwirkt hatte. Lindholm müht sich, dieses Beziehungschaos zu sortieren und – noch schwieriger – in der Welt des Militärs zu bestehen. Eine fremde Welt, in der es um Gehorsam, Kameradschaft und Machtkämpfe geht. Ihre Mission wird nicht einfacher, als sie ihre Unfall-Bekanntschaft wiedertrifft: Andreas Friedrichs (Richard van Weyden) ist der Oberst auf dem Luftwaffenstützpunkt.

Der „Tatort“ „Spielverderber“ spielt in einem ungewöhnlichen Umfeld, das die Chance auf interessante Nebenstories bietet. Doch Themen wie das Image von Soldaten oder die seelischen Verletzungen der Männer und Frauen in Uniform werden in diesem Krimi allenfalls angerissen – die Geschichte um Untreue und Eifersucht könnte an jedem Schauplatz spielen. Zudem nimmt der Film selten Fahrt auf, und nach rund einer Stunde geht ihm die Luft aus.

Kamera ab: Maria Furtwängler ermittelte als Kommissarin Lindholm für einen neuen "Tatort" auf dem Fliegerhorst Wunstorf.

Immer häufiger wird in den Dialogen das Krimi-Phrasenschwein bemüht („Ich habe zugeschlagen. Einfach zugeschlagen.“), immer seltener geht es um die Tätersuche, immer trister werden die Biografien der Figuren, die von Schulden, häuslicher Gewalt, Eifersucht und Einsamkeit geprägt sind. Nur selten gönnt der Film dem Zuschauer ein wenig Humor: In der Gerichtsmedizin liegt eine Leiche mit aufgeschnittenem Körper – gespielt von Kai Diekmann, dem Herausgeber der „Bild“-Zeitung. Lakonischer Kommentar der Kommissarin: „Bei dem ist richtig was schiefgelaufen.“

...und interessante Nebenstories

Maria Furtwängler versucht, diese zunehmend zerfasernde Story zusammenzuhalten. Die Kamera ist dicht bei ihr, die vielen Nahaufnahmen der Schauspielerin machen es deutlich: Sie ist die Marke der Hannover-Tatorte. Der Versuch, Furtwängler differenziert in Szene zu setzen, ist ehrenwert; etwa wenn sie den verdächtigen Ex-Mann der Toten im Verhör hart rannimmt oder an den Verhinderungsstrategien des neuen Staatsanwalt verzweifelt. Doch ebenso wie die Knall-auf-Fall-Affäre zwischen Kommissarin Lindholm und Oberst Friedrichs wirkt das holprig inszeniert. Dieser Krimi läuft nicht rund.

So gesehen ist das Finale des neuen Furtwängler-Falls nur konsequent. Wenn sich in einer Transall über den Wolken zu „Somewhere over the Rainbow“ dramatische Szenen abspielen, versucht sich dieser „Tatort“ in „Top Gun“-Ästhetik. Ist aber nicht Hollywood. Sondern Wunstorf.

Von Julia Braun

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