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00:15 23.10.2013
Nach dem Filmriss: Thiel (Axel Prahl) ermittelt im Milieu der chinesischen Mafia – und versucht herauszufinden, was zwischen ihm und Assistentin Nadeshda (Friederike Kempter, l.) passierte. Quelle: ARD
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Münster

Nach ihren Klamauk-„Tatorten“ „Das Wunder von Wolbeck“ und „Summ, summ, summ“ kommt der jüngste Fall des Erfolgsduos Boerne (Jan Josef Liefers) und Thiel (Axel Prahl) aus Münster überraschend ernst daher. Slapstickeinlagen fehlen in „Die chinesische Prinzessin“ völlig, witzige Dialoge sind äußerst rar. Und am Ende sagt Professor Boerne tatsächlich zu seiner kleinwüchsigen Mitarbeiterin (Christine Urspruch) statt des despektierlichen „Alberich“ plötzlich respektvoll „Frau Haller“.

Ein neuer Fall für das Ermittler-Duo Boerne und Thiel aus Münster: Diesmal gibt sich der "Tatort" weniger klamaukig, sondern ernst.

Das ist alles ziemlich gewöhnungsbedürftig. Schließlich ist schräger Humor, der zuweilen auch mal ziemlich albern ausgefallen ist, bisher das Markenzeichen des Münster-„Tatorts“ gewesen. Für Fans ist dieser Film daher vermutlich eine Enttäuschung, über die selbst die amüsante Schlussszene nicht hinwegtrösten kann.

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Drehbuchautor Orkun Ertener hat für seinen achten „Tatort“ einen komplizierten Fall konstruiert und für Münster-Verhältnisse einen ungewöhnlich politischen. Los geht diese verworrene Geschichte gleich mit einem doppelten Filmriss: Kommissar Thiel betrinkt sich an seinem Geburtstag, schleppt seine junge Assistentin Nadeshda (Friederike Kempter) am Ende des Abends noch zu einem Absacker in seine Wohnung ab – und schläft dann offenbar volltrunken ein. Am Morgen danach bekommt er einen gehörigen Schreck, als Nadeshda ihn mit einem bezaubernd vielsagenden Lächeln weckt. Und wie Kempter, die bisher in ihrer Rolle eher unscheinbar blieb, das spielt, ist wirklich entzückend.

Auch Boerne stürzt am selben Abend ab. Auf einer Vernissage lernt er die hübsche chinesische Künstlerin und Menschenrechtskämpferin Songma (Huichi Chiu) kennen. Beide flirten heftig und verschwinden bald in die Rechtsmedizin, wo Boerne der Schönen Leichen und Präparate präsentiert. Dann schnupft Songma Kokain – an den Rest kann sich Boerne nicht mehr erinnern. Assistentin findet ihn morgens ohnmächtig auf den Boden liegend mit einem Skalpell in der Hand, daneben auf dem Seziertisch liegt tot die hübsche Chinesin. Boerne wird wegen Mordverdachts festgenommen.

Thiel glaubt jedoch nicht an seine Schuld – und wird bei den nun folgenden  Ermittlungen mit dem chinesischen Geheimdienst, der chinesischen Mafia, dem gewohnt trotteligen BKA und einem eigentlich netten, gleichwohl verdächtigen chinesischen Mitbürger konfrontiert. „Ich kenne mich mit dem China-Kram nicht aus!“, schimpft der Kommissar. Und auch Staatsanwältin Klemm sagt: „Diese chinesische Geschichte wächst uns über den Kopf.“

Einem großen Teil des Publikums vermutlich auch. Der Fall strengt an: viele gleich klingende Namen, ein schwer zu überblickendes Beziehungsgeflecht, die Uiguren in China und dann noch ein Toter im Wald. Das ist sehr viel Erzählstoff für eineinhalb Stunden und vielleicht schafft es Regisseur Lars Jessen auch deshalb nicht, die Spannung aufrechtzuerhalten. Einzig Assistentin Nadeshda ist in diesem Fall ein Lichtblick. Sie hat nicht nur die Namen aller chinesischen Provinznamen im Kopf – sie kann auch bezaubernd lächeln.

Von Ernst Corinth

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