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Medien & TV „Tatort“ aus Münster – ein Pro und Kontra
Nachrichten Medien & TV „Tatort“ aus Münster – ein Pro und Kontra
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14:30 25.11.2012
Zwei wie Feuer und Wasser: Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, l.) und Frank Thiel (Axel Prahl) sind Sonntag um 20.15 Uhr im Jubiläums-"Tatort" "Das Wunder von Wolbeck" zu sehen. Quelle: dpa
Hannover

"Krimi und Krimiparodie in einem": HAZ-Redakteur Simon Benne mag den Münsteraner "Tatort"

Ich will mich nicht anheischig machen, hier das Wesen des Münsterlandes von Grund auf zu erklären. Es ist nur so: In einer Bischofsstadt, einer westfälischen zumal, mittelgroß und umlagert von ländlicher Gegend, stürzen die Fassaden bürgerlicher Wohlanständigkeit besonders grandios ein, wenn sie einstürzen. Deshalb taten die WDR-Macher ihren ersten Glücksgriff schon, als sie sich für Münster als „Tatort“-Stadt entschieden.Wer erinnert sich nicht an den 22. Oktober 2002? An die Erstausstrahlung von „Der dunkle Fleck“? Den Fall mit dem Moorleichenfund? Den ersten Fall von Thiel und Boerne? Diese Sternstunde des deutschen Fernsehens? Vollkommen zu Recht fährt das Ermittlerduo seither Traumquoten für die ARD ein. „Münster“ – das ist ein Qualitätssiegel.

Andere Ermittler kamen und gingen. Doch die originellsten Typen, die der Tatort je hervorbrachte, blieben. Als Gerichtsmediziner gibt Jan Josef Liefers den eitlen Feingeist mit Unfehlbarkeitsanspruch. Den „Karl Lagerfeld der Pathologie“ hat man ihn genannt. Im Grunde ist dieser Boerne total bescheiden, er kann’s nur oft nicht so zeigen. Das perfekte Gegenstück dazu ist Axel Prahl: Der immer etwas bedröppelte Dösbaddel, der zum blasierten Boerne so steht wie Donald Duck zu Gustav Gans. Köln, Berlin, München: Überall gibt es „Tatorte“, in denen die Beziehung des Ermittlerduos breiten Raum einnimmt. Doch niemand ist so nah am zänkischen alten Ehepaar (und zugleich an Holmes und Watson) wie sie.

Was der Münster-„Tatort“ geleistet hat, wird erst so richtig klar, wenn man sich daran erinnert, wie der „Tatort“ vorher war. „Tatort“ war 90 Minuten praktiziertes Problembewusstsein. Verfilmte Sozialpädagogik. Das Fernsehen als moralische Anstalt. Geradezu zwanghaft mussten „Tatort“-Macher jedes Problem, von dem Reporterkollegen in der Kantine berichteten, gleich „herunterbrechen“ in die Niederungen der Unterhaltung: Mädchenhandel. Drogen. Sterbehilfe. Huh, wie liegt die Welt im Würgegriff von Geldgier und Ausbeutung, aber wir kümmern uns!

Dem Münster-„Tatort“ fehlt das Aufklärerische nicht. Er trägt es nur nicht als Pose zur Schau. Was war denn mit der falschen Kameraderie der Burschenschaftler in „Satisfaktion“? Das war sozialkritischer als all die linken Betroffenheitsmilieustudien mit Inga Lürsen oder Peter Sodann, in denen arme Menschen durch die Verhältnisse zu Verbrechern werden.

Der Münster-„Tatort“ ist Krimi und Krimiparodie in einem. Grotesk sind die Storys. Komisch. Geboren aus dem Geiste von Edgar Wallace und Wilhelm Busch zugleich. Doch es ist besser, freiwillig zur Parodie zu werden als unfreiwillig, wie manch anderer „Tatort“. Bei Thiel und Boerne gilt: Tätersuche ist Nebensache. Die wichtigste Frage ist, ob es Liefers gelingt, sein Ego vor Lösung des Falls wieder so weit an die Kette der Demut zu legen, dass beider Beziehung wieder im Lot ist. Es geht um das Wie, nicht um das Was. Wie im richtigen Leben. Das ist der blanke, ungeschönte  Realismus. Präsentiert mit jener Leichtigkeit, die dem deutschen Wesen noch nie geschadet hat.

"Muss es gleich Louis de Funés sein?": HAZ-Redakteur Imre Grimm gefällt der Münsteraner "Tatort" nicht

Ich will mich nicht anheischig machen, den Stab zu brechen über alle, die den Münsteraner „Tatort“ gucken und lieben. Allein – ich gehöre nicht dazu. Das hat Gründe. Man hört oft, wie wohltuend das sei, dass es bei Frank Thiel und Prof. Karl-Friedrich Boerne mal nicht um Sozialkritik und Milieustudie gehe wie in den ungefähr siebenhundertvierzehn sonstigen ARD-„Tatorten“, dass mal kein alkoholkranker, depressiver Ermittler minderjährige Huren aus ölig-schwarzen Fischteichen zieht. Dass man auch mal gniggern dürfe beim Krimi am Sonntagabend. Alles richtig. Aber muss es deshalb gleich Louis de Funès sein?

Gibt es keinen originelleren Mittelweg zwischen einem trübsinnigen Hessenkrimi und diesem überdrehten Cartoon aus dem Münsterland mit seinen Ziegen auf OP-Tischen und diesem drolligen Tänzchen, das Jan Josef Liefers da aufführt? Fehlt nur, dass er „Nein! Doch! Ooh!“ ruft und dann ein Ferrero Rocher mümmelt.

Auf mich wirkt der vielgerühmte Charme der beiden Herren bemüht, der Kontrast zwischen dem schlurfigen St.-Pauli-Fan Thiel und dem schnöseligen Gockel Boerne künstlich. So ähnlich wie weiland bei Gerhard Delling und Günter Netzer. Die Krimis seien „geboren aus dem Geist von Edgar Wallace und Wilhelm Busch“, behauptet mein geschätzter „Pro“-Kollege links. Entschuldigung: Wenn Edgar Wallace und Wilhelm Busch die Speerspitze des deutschen Humors im Jahr 2012 sein sollen, dann hinken wir in Spaßfragen zirka 150 Jahre hinterher.

„Schwarzen Humor“ nennt man das bei der ARD. Aber dieser Humor ist so schwarz wie die grüne Wiese der Teletubbies. Das manirierte Gefrotzel der beiden Ermittler („Spargel übrigens kann sehr helfen, wenn Ihr kleiner Herr Hauptkommissar sich noch mal der Sonne entgegenstrecken will!“) ist allerhöchstens „amüsant“. Es will mir nicht in den Schädel, warum sich zehn Millionen Zuschauer schon mit „amüsant“ begnügen, wenn sie auch „brillant“ haben könnten. Das zeigt, wie ausgehungert das ARD-Publikum nach ein bisschen Leichtigkeit ist, wie dankbar für diesen kreuzbraven Schabernack, den meine Tante früher mit dem tödlichen Adjektiv „köstlich“ bedacht hätte. Der Münster-„Tatort“ ist Ludwig-Thoma-Humor für Leute, die Witze „Eulenspiegeleien“ nennen. Und Prof. Boerne wirkt wie der „Feuerzangenbowle“ entsprungen. Er müsste eigentlich in Schwarz-Weiß spielen, mit einer verknarzten „Wochenschau“-Sprechstimme, während Axel Prahl als Thiel immerhin Züge einer Figur der Gegenwart trägt. Manche nennen das „angenehm altmodisch“. Dabei ist es doch eher gestrig.

Klar, man kann nicht immer nach Guy Ritchie („Snatch“) schreien oder den Coen-Brüdern („Fargo“). Aber was ist mit einem Schuss „Bang Boom Bang“? Wie wär’s mit etwas mehr „Tatortreiniger“ im „Tatort“? Das wäre wirklich böse, scharfsinnig und gut. Das jedenfalls, was Liefers da liefert, ist so frisch wie Matrosenanzüge. Vor 40 Jahren hieß das „Väter der Klamotte“. Würde mich nicht wundern, wenn’s am Sonntag im Jubiläums-„Tatort“ hieße: „Mamsell, vertrauen Sie einfach auf Wachtmeister Knickebein und Wachtmeister Semmelbirne!“

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