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Medien & TV Tedros „Teddy“ Teclebrhan bekommt seine eigene ZDFneo-Show
Nachrichten Medien & TV Tedros „Teddy“ Teclebrhan bekommt seine eigene ZDFneo-Show
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19:07 20.09.2011
Die Integration von Tedros „Teddy“ Teclebrhan (hier in „Teddy’s Show“ auf ZDFneo, ganz rechts) macht Fortschritte: „Seit zwei Monaten habe ich meine Frau nicht mehr geschlagen.“ Quelle: ZDFneo
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Es ist ein kurzes Video, gerade mal sechs Minuten lang, und wie manches auf YouTube mehr originell als professionell. Für Tedros „Teddy“ Teclebrhan bedeuteten diese sechs Minuten den Durchbruch: Seine „Umfrage zum Integrationstest (was nicht gesendet wurde)“ machte den witzigen Deutschafrikaner über Nacht bekannt. Und weil es die Zuschauer so wollten, bekommt der Amateurkomiker im nächstem Jahr auf ZDFneo sogar eine eigene Show – er ist der Gewinner des Experiments „TVLab“, bei dem Zuschauer neue Showideen bewerteten. „Teddy“ setzte sich immerhin gegen namhafte Mitbewerber wie Sarah Kuttner „Babule“ und Caro Korneli („Wie geil ist das denn?“) durch.

Die Erfolgschancen von „Teddy’s Show“, wie die Late-Night-Sendung heißen soll, stehen nicht schlecht. Mehr als 10,2 Millionen Mal wurde Tedros’ „Umfrage zum Integrationstest“ seit Mai angeklickt, eine Million mal allein in den ersten fünf Wochen. Tedros spielt darin einen Klischee-Einwanderer, dunkelhäutig, in Camouflage-Jogginghose und Feinrippunterhemd, der auf der Straße zum Integrationstest befragt wird. Erste Frage: Wie heißt der Bundeskanzler?

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„Irgendwas mit Angelo“, überlegt „Antoine“, so nennt Tedros seine Kunstfigur mit dem blondierten Oberlippenbart, und ergänzt dann voller Überzeugung: „Jetzt weiß ich’s: Angelo Merte!“ Die New-Yorker-Tüte in der einen, das Handy in der anderen Hand, wird „Antoine“ ab der nächsten Frage allerdings unsicherer: „Der Vorgänger von Angelo? Boah ey, du stellst immer so knifflige Fragen, das war doch der Hitler, kann das sein?“

Migration und Integration, das sind die beiden großen Themen, mit denen Tedros für Lacher sorgt. Und mit denen er sich bestens auskennt. 1983 in Eritrea geboren, floh er als Kleinkind mit Mutter und zwei Brüdern vor dem Bürgerkrieg nach Baden-Württemberg. Hier lernte er nicht nur, akzentfrei zu schwäbeln, sondern besuchte auch eine Schauspielschule in Stuttgart. Kleinere Rollen auf der Bühne oder vor der Kamera, etwa in der Krimiserie „Kommissar Stolberg“, folgten, sein wahres Talent wurde aber erst via YouTube entdeckt.

Anfang September dann der Überraschungssieg bei ZDFneo: „Teddy’s Show“ war eines von zehn Formaten im „TVLab – Schau doch, was du willst!“. Mehr als 16.000 „Jurymitglieder“ loggten sich auf der Internetseite des Senders zum Bewerten der Pilotfilme ein und kürten Tedros Stand-up-Comedy mit 5,3 Punkten zum Sieger. Als Gewinn des Zuschauer-Castings erhält er besagte Late-Night-Show, die 2012 auf ZDFneo laufen wird.

Seinen Themen wird Tedros in „Teddy’s Show“ treu bleiben. Er spielt mit Tabus und Aggressionen, er provoziert, er macht sich lustig, vor allem über Migranten – als Migrant darf er das wohl. Auf die Frage, wie er es mit der Integration halte, beteuert sein „Antoine“, er integriere sich sehr wohl: „Seit zwei Monaten habe ich meine Frau nicht mehr geschlagen, und abends trinke ich mit meinem Nachbarn jetzt immer Bier.“ Tedros ist aber nicht nur ein begnadetes Improvisationstalent und ein guter Komiker, er kann auch singen, tanzen und vor allem grandios sächseln, schwäbeln oder auch „hawaiianeln“.

Für einige ist Tedros bereits die deutsche Ausgabe des britischen Komikers Sasha Baron Cohen (Borat) oder des US-Satirikers David Chapelle. Und dass Tedros selbst zu Höherem strebt, wird spätestens aus der Ankündigung seiner eigenen Show klar, in der er „Antoine“ erklären lässt: „Die haben mir gesagt, ich bin so die Stimme von Deutschland.“

Sophie Hilgenstock