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Medien & TV Thomas Gottschalks erste Moderation nach „Wetten, dass ...?“-Unfall
Nachrichten Medien & TV Thomas Gottschalks erste Moderation nach „Wetten, dass ...?“-Unfall
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18:13 12.12.2010
Moderator Thomas Gottschalk am Freitag in München während der Aufzeichnung des Jahresrückblicks „Menschen 2010“. Quelle: dpa
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Einmal − als die Kameras nicht auf ihn gerichtet sind, als er nicht im Scheinwerferlicht steht – atmet Thomas Gottschalk ganz tief durch. Nur wenige Sekunden sind es, dann hat er sich wieder im Griff. Dieser Moment ist einer von sehr wenigen, in denen der Moderator sich anmerken lässt, dass er einen der schwersten Auftritte seiner langen Karriere absolviert.

Am Freitagabend stand Gottschalk zum ersten Mal wieder vor der Kamera, nachdem der schreckliche Unfall von Samuel Koch bei „Wetten, dass ...?“ vor einer Woche die Fernsehnation schockierte. Er moderierte die Aufzeichnung des ZDF-Jahresrückblicks „Menschen 2010“ in Grünwald bei München – und bewies, dass er zu Recht zu den bedeutendsten Moderatoren im deutschen Fernsehen zählt.

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Das Jahr 2010 sei eine Achterbahnfahrt gewesen, sagt er gleich zur Begrüßung: „Wie schnell es von oben nach unten gehen kann, haben Sie vielleicht am letzten Samstag gesehen – als aus Spaß innerhalb von wenigen Minuten Ernst wurde, als mein Kandidat Samuel, der darauf gebrannt hatte, sich mit einer spektakulären Wette einem Publikum zu präsentieren, plötzlich bewusstlos vor uns lag.“ Gottschalk wirkt betroffen – aber souverän und professionell, verhaspelt sich nicht.

Die gute Nachricht: Samuel geht es besser

In der ZDF-Sendung, die am Sonntag um 20.15 Uhr im Programm stand, sollte an dieser Stelle ein mit Spannung erwartetes zwölfminütiges Interview mit Samuels Vater gezeigt werden, das auf dessen Wunsch ohne Publikum aufgezeichnet wurde. Gottschalk bittet die Zuschauer um Verständnis dafür, dass er das Gespräch nicht als recherchierender Journalist geführt habe, sondern als Betroffener. Die gute Nachricht aus diesem Gespräch: Samuel gehe es besser, sagt Gottschalk.

Der 23-Jährige wurde seit seinem Sturz in der Düsseldorfer Uni-Klinik behandelt und am Sonnabend in eine Reha­-Klinik in die Schweiz geflogen. Ihm drohen wegen schwerer Wirbelsäulenverletzungen dauerhafte Lähmungen. Immerhin atmet er wieder selbstständig und zeigt Anzeichen für Bewegungen an einem Bein, teilte die Uni-Klinik mit. Nach seiner Ankunft in der Schweiz sollte sich der junge Mann erst einmal ausruhen. Am Sonntag wollte sich das medizinische Team einen Überblick über den Zustand des Patienten verschaffen. Am Montag werde man dann etwas über die nächsten Schritte sagen können, erklärte eine Kliniksprecherin.

Dass es Samuel etwas besser gehe, sei auch ein Grund dafür, dass er den Jahresrückblick überhaupt moderiere, betont Gottschalk in der Aufzeichnung. Zum Tagesgeschäft könne er aber dennoch nicht übergehen. Wäre der Jahresrückblick „eine Spiel-und-Spaß-Veranstaltung gewesen, dann würde ich hier nicht stehen“. Der Unfall von Samuel habe ihm zum ersten Mal in seinem Leben gezeigt, was es heißt, sich für etwas verantwortlich zu fühlen, das man nicht persönlich verschuldet hat. Und Verantwortung übernimmt Gottschalk in dieser Sendung. Zwar kommt er im Laufe der Aufzeichnung nur einmal – im Gespräch mit der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die bei Samuels Unfall in Düsseldorf in der ersten Reihe saß – wieder auf die tragische Sendung zu sprechen, dennoch trägt er ihr ständig Rechnung. Gottschalk witzelt zwar immer noch mit seinen Gästen, doch der Ton, den er anschlägt, ist merklich leiser.

Innegehalten – und den Spagat geschafft

Er selbst nimmt sich deutlich mehr zurück, als seine Zuschauer es beispielsweise aus früheren „Wetten, dass ...“-Folgen kennen, und hört seinen Gästen besser zu. Dazu passt, dass er statt seiner berühmt-berüchtigten und meist sehr ausgefallenen und bunten Outfits an diesem Abend einen schlichten, grauen Anzug trägt. Man merkt Gottschalk an, dass er innegehalten hat. Nur dadurch gelingt es ihm, den Spagat zu schaffen und aus dem Jahresrückblick, der mit einem so schrecklichen Thema begann, insgesamt eine unterhaltsame Sendung zu machen, die zu keinem Zeitpunkt pietätlos wirkt. Seinem oberfränkischen Landsmann, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), entlockt Gottschalk, dass das politische Berlin die WikiLeaks-Enthüllungen nicht gebraucht hätte – die meisten Lästereien seien auch so bekannt.

Als der Jesus-Darsteller der Oberammergauer Passionsspiele, Andreas Richter, neben ihm Platz nimmt, bemerkt der Moderator: „Von den Toten auferstanden, sitzend zur Rechten Gottschalks“, und als die Autorin Elfriede Vavrik erzählt, sie habe erst im Alter von 79 Jahren ihren ersten Orgasmus gehabt, fragt er frech: „Lohnt sich das noch?“ Ganz nebenbei steckt Gottschalk mit seiner hochkarätig besetzten Sendung – unter anderem sind Iris Berben und Mario Adorf, Alice Schwarzer, Günter Netzer und Olli Kahn dabei – damit auch noch seinen Freund Günther Jauch in die Tasche, der vergangene Woche den wenig glanzvollen RTL-Jahresrückblick präsentierte.
„Es geht nicht, dass man eine Sendung von Dur nach Moll verschiebt. Man kann keine Fernsehunterhaltung machen, ohne dass gelacht wird“, sagte Gottschalk vor dem Beginn der Aufzeichnung zum Publikum. „So bin ich, und so werde ich bleiben.“

Britta Schultejans

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