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Medien & TV „Tom Cruise hat sich schuldig gemacht“
Nachrichten Medien & TV „Tom Cruise hat sich schuldig gemacht“
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18:17 15.11.2018
„Scientology wirkt ernsthaft zerstörerisch“: Schauspielerin Leah Remini. Quelle: ap
In der Rolle der Carrie Heffernan an der Seite von Kevin James in der Sitcom „King of Queens“ wurde Leah Remini (48) bekannt – lange schwieg die Schauspielerin über ihre Mitgliedschaft bei Scientology. Mit ihrem Buch „Troubemaker“ und ihrer TV-Dokureihe „Ein Leben nach Scientology“ wurde sie zur prominenten Anklägerin der Sekte. Seither wird sie vielfach angefeindet. Im Interview spricht sie über ihre Loslösung von Scientology, ihren Kampf für die Wahrheit – und die Mitverantwortung des prominenten Sektenmitglieds Tom Cruise

Mrs. Remini, Sie waren 30 Jahre lang Mitglied von Scientology. Dann sagten Sie sich los – und wurden von einer der profiliertesten Comedy-Darstellerinnen der Welt zur prominenten Anklägerin der Sekte. Das muss ein harter Bruch für Sie gewesen sein. Wann spürten Sie: „Jetzt ist es soweit, ich muss da raus“? Was ist passiert?

Das war kein einzelner Vorfall, das war eine ganze Reihe von Ereignissen. Die Zweifel begannen, als ich mich erkundigte, wo eigentlich die Ehefrau von David Miscavige abgeblieben ist, dem Scientology-Führer, die seit längerem verschwunden war. Scientology schwieg dazu, denn schließlich war sie ja David Miscaviges Ehefrau. Aber es war schon eine Weile her, dass sie öffentlich in Erscheinung getreten war, und ich fragte weiter: Was geht hier vor in dieser angeblichen Kirche, der ich praktisch mein gesamtes Leben lang angehört hatte? Und dann hörte ich die Nachrichten über die Bestrafungen und körperlichen Misshandlungen in Riverside, dem Scientology-Zentrum in Kalifornien. Ich habe dann Scientology zur Rede gestellt: Was hat es auf sich mit den früheren Scientology-Mitgliedern, die klagten, sie seien wie Gefangene behandelt worden? Aber ich bekam keine Antwort. Also habe ich beschlossen, selbst genau hinzusehen statt darauf zu vertrauen, was man mir sagt. Es stellte sich heraus: Scientology lügt. Bei einer solchen Organisation konnte ich nicht mehr Mitglied sein.

„Zu Beginn wirkt alles harmlos und unschuldig“

Nach Ihrem Ausstieg erschien Ihr anklagendes Buch „Troublemaker“, kurz danach ihre Doku-Reihe „Leah Remini: Ein Leben nach Scientology“. Was ist Ihre Absicht: Die Stimme der Opfer zu sein? Deren Leid ans Licht zu bringen?

Genau das, beides. Exakt. Und es geht mir darum, andere Familien davor zu bewahren, sich Scientology anzuschließen. Denn die ersten Angebote von Scientology wirken ja noch harmlos und unschuldig, aber wenn die Indoktrinierung später voll einsetzt, bemerkt man, wie ernsthaft zerstörerisch das alles auf dich und dein Leben einwirkt. Es sollte auch keine Steuerbefreiung für Scientology in den USA mehr geben. Denn nicht das Gemeinwohl profitiert davon, sondern ausschließlich Scientology selbst.

Zur Person: Leah Remini

Leah Remini
, geboren 1970 in New York, wurde als Carrie Heffernan an der Seite von Kevin James in der Sitcom „King of Queens“ berühmt. Mehr als 30 Jahre lang war die Schauspielerin Mitglied von Scientology, bis sie 2013 ausstieg. In ihrem Buch „Troublemaker“ und der TV-Dokureihe „Ein Leben nach Scientology“ beim Sender A&E wurde sie zur prominenten und vielfach angefeindeten Anklägerin der Sekte. Eine Spezialausgabe ihrer Sendung über die Zeugen Jehovas ist am Sonntag um 23.20 Uhr zu sehen (über Sky. Telekom oder Vodafone).

Scientology hasst, was Sie tun. Gerade kürzlich sagte ein Sprecher: „Wir würden es vorziehen, die überdrehten Angriffe von Leah Remini zu ignorieren, die nur darauf abzielen, Aufmerksamkeit zu erlangen.“

Und dennoch ignorieren sie mich nicht.

Sie bezeichnen Ihre Kritik als „lächerlich“…

Das sagen sie über jeden, der sich öffentlich gegen sie äußert.

Ist das Lächerlichmachen von Gegnern die übliche Methode im Umgang mit Kritik?

Es gibt da klare Regeln bei Scientology. Die besagen ausdrücklich: Wer uns angreift, muss zerstört werden. Das kann man nachlesen, diese Dokumente sind öffentlich, es sind keine Gerüchte. Das ist Fakt: Scientology will jeden, der dagegen Stellung bezieht, verfolgen und vernichten.

Tom Cruise ist Täter und Opfer zugleich“

Ist es wahr, dass Sie nicht sicher wussten, ob Ihr Ehemann und Ihre Tochter Ihnen folgen würden, als Sie Scientology verließen?

Mein Ehemann war immer bereit, Scientology zu verlassen, denn er war nicht in die Sekte hineingeboren, dort erzogen und gehirngewaschen worden so wie ich. Und meine Tochter war zu klein, um selbst zu entscheiden. Ich habe mir eher Sorgen um meine Mutter gemacht, die ihr ganzes Leben lang Mitglied gewesen war. Aber auch sie folgte mir, das ist sehr ungewöhnlich – ich gehöre damit zu denen, die Glück hatten.

Tom Cruise ist das prominenteste Mitglied von Scientology. Ist er Opfer oder Täter?

Beides.

Was meinen Sie damit?

Naja, er wurde genauso indoktriniert wie ich. Ihm wurde genauso vorgelogen, er würde die Menschheit retten. David Miscavige behauptet andauernd, dass „wir“ die Einzigen auf Erden seien, die wahrlich Gutes tun. Aber Tom Cruise ist auch verantwortlich, weil er über den körperlichen Missbrauch durch David Miscavage Bescheid weiß. Er war Zeuge davon und hat sich auch selbst schuldig gemacht.

Ist Tom Cruise ein guter Mensch?

Ich weiß es nicht. Das kommt darauf an, was man unter einem guten Menschen versteht. Nach meinem Wissen hat er seine eigene Tochter seit langem nicht gesehen, weil die Regeln von Scientology es untersagen, Kontakt zu Menschen zu haben, die die Organisation verlassen haben. Ich als Mutter kann also nicht behaupten, dass er ein guter Mensch ist. Ich denke aber, dass er tief im Inneren noch eine Verbindung aufbauen kann zu dem Menschen, der er einmal war. Aber als Scientologe ist das praktisch unmöglich.

„Es sind gute Menschen, die belogen werden“

Sie waren mehr als 30 Jahre lang Scientology-Mitglied. Haben Sie eine Vorstellung davon, was für ein Mensch Sie wären, wenn es anders gewesen wäre?

Nein. Ich weiß nicht, was gewesen wäre, wenn ich einen anderen Pfad eingeschlagen hätte. Alles, was ich jetzt tun kann, ist, zu versuchen, der Mensch zu sein, der ich sein möchte.

Was für Menschen fühlen sich denn hingezogen zu Scientology?

Zunächst sind das Menschen, die anderen Menschen helfen wollen. Es sind gute Menschen, die belogen werden. Es sind Menschen, die nach Antworten suchen, nach dem Sinn des Lebens. Und Scientology behauptet eben, all diese Antworten zu haben.

Was sollten Eltern tun, die bemerken, dass ihr Kind Interesse an einer Sekte entwickelt?

Sie sollten kämpfen. Sie sollten versuchen, ihre Kinder davor zu bewahren. Sie sollten ihnen die Dokumentation „Going Clear“ von Alex Gibney zeigen, sollten die Bücher von Aussteigern lesen, sollten sich die Geschichten von Eltern anhören, die ihre Söhne und Töchter an Scientology verloren haben. Denn diese so genannte Kirche besteht darauf, dass jeder, der sie verlässt, sich von seinem eigenen Fleisch und Blut lossagt.

„Keine Steuerbefreiung mehr für Scientology

In einer Spezialausgabe Ihrer Sendung, die am Sonntag um 23.20 Uhr auf dem Sender A&E zu sehen ist, geht es um die Zeugen Jehovas. Gibt es Parallelen zu Scientology?

Ja, sehr viele. Wie Scientology verlangen auch die Zeugen Jehovas im Falle von abtrünnigen Mitgliedern eine Trennung von der eigenen Familie. Es wird als „Geste der Liebe“ verkauft, einen Menschen zurück in den Schoß der Gemeinschaft zu holen. Aber es ist nichts richtig daran, dein eigenes Kind zu verstoßen, bloß weil es nicht an Jehova glaubt. Das wirkt so verheerend auf ein Kind. Und das gleiche gilt auch für das alltägliche Leben bei den Zeugen Jehovas. Sie glauben an ein nahendes Armageddon und dass nur sie selbst es verdienen, am Leben zu sein. Sie biegen sich Auszüge aus der Bibel nach ihren Bedürfnissen zurecht. Sie sehen mit Argwohn auf Menschen, die etwa bei Vergewaltigung oder Missbrauch die Polizei einschalten. Und wenn eine Ehefrau von ihrem Mann geschlagen wird, lautet ihr Rezept: Sie solle mehr beten, um eine bessere Ehefrau zu sein. Sie lehnen den Militärdienst ab, sie lehnen Treuebekundungen gegenüber der Nationalflagge ab, sie verbieten sogar das Schachspielen. Es gibt strenge Regeln, die Zeugen Jehovas befolgen müssen, um nicht von ihren Familien getrennt zu werden. Dabei geht es nicht um die Dinge, die wir alle uns für unsere Kinder wünschen: dass sie keine Drogen nehmen, dass sie keinen Sex haben. Wir wollen ja alle, dass unsere Kinder gute, hilfreiche Menschen werden. Aber die Regeln und Ansichten der Zeugen Jehovas führen dazu, dass Menschen sich wertlos fühlen. Dass sie glauben, es nicht zu verdienen, am Leben zu sein. Diese Art der Rhetorik ist sehr zerstörerisch.

Was planen Sie als nächstes? Eine neue Staffel Ihrer Scientology-Dokureihe?

Nein. Ich hoffe nicht. Das war emotional sehr, sehr fordernd. Ich würde mich gern anderen Themen und Storys zuwenden in neuen Specials.

Sollte Scientology in den USA als Kirche anerkannt bleiben?

Von mir aus soll Scientology als Kirche anerkannt sein, das kümmert mich nicht. Aber die Steuerbefreiung muss beendet werden, unsere Regierung und die Behörden müssen da tätig werden. Damit sie damit aufhören, Menschen zum Schweigen zu bringen, sie zu mobben, ihnen Privatdetektive auf den Hals zu hetzen und sie tagtäglich in sozialen Medien zu verleumden. Sie nennen uns Rassisten und Eiferer. Sie behaupten, dass der hochrangige Aussteiger Mike Rinder, der die Dokureihe mit mir gemeinsam moderiert, seine Frau geschlagen habe. Mikes Tochter, die noch für Scientology arbeitet, versucht hinter den Kulissen zu erreichen, dass Mike gefeuert und die Sendung eingestellt wird. Dabei feiert sich Scientology selbst als Verteidiger der Meinungs- und Redefreiheit. Sie sollten die tausende von Webseiten sehen, die sie finanzieren, um frühere Mitglieder zu verleumden, Leute wie CNN-Moderator Anderson Cooper, den Filmemacher Alex Gibney, die Autorin Lawrence Wright oder mich. Die verfolgen Menschen mit solchen Rachegelüsten – das sollte sich die US-Bundessteuerbehörde IRS mal genauer ansehen. Das sind die Gründe, warum für Scientology keine Steuerbefreiung gelten sollte.

Zuletzt spielten Sie – wie damals in „King of Queens“ – an der Seite von Kevin James in der Sitcom „Kevin Can Wait“ eine Privatermittlerin. Wie ist ihr Verhältnis zu ihrem langjährigen Arbeitkollegen Kevin James?

Ich liebe es, mit ihm zu arbeiten. Er ist einer der wenigen Männer in Hollywood, die ich wirklich liebe und für die ich jederzeit und überall einfach alles tun würde – egal für welche Gage. Ich würde es sogar umsonst tun. So sehr liebe ich Kevin James.

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