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Medien & TV Trittin ist häufigster Gast in deutschen Talkshows
Nachrichten Medien & TV Trittin ist häufigster Gast in deutschen Talkshows
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21:48 26.12.2011
Noch Fragen? Jürgen Trittin führt die Talkshow-Rangliste an.
Noch Fragen? Jürgen Trittin führt die Talkshow-Rangliste an. Quelle: NDR
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Hannover

Die fieseste Frage, die je in einem dieser Selbstauskunftsbögen aufgetaucht ist, ist jene nach dem Menschen, dem man nie in der Sauna begegnen möchte. Jürgen Trittin? Gregor Gysi? Hans-Ulrich Jörges? Rainer Brüderle? Ursula von der Leyen? Gut, der Normalbürger wird die Begegnung mit den Genannten am delikaten Ort vermutlich vermeiden können, dafür konnte er ihnen 2011 an anderer Stelle kaum entgehen. Die Namen sind der Liste jener bedeutenden Weltendeuter entnommen, die im abgelaufenen Jahr am häufigsten in den großen Talkshows zu sehen waren. Es handelt sich um die Unvermeidlichen.

Der Branchendienst „Meedia“ hat  sämtliche Gäste der „Big Six“, der sechs großen wöchentlichen Talkshows von ARD und ZDF („Anne Will“, „Beckmann“, „Günther Jauch“, „Hart aber fair“, „Menschen bei Maischberger“ und „Maybritt Illner“) durchgezählt und eine Rankingliste erstellt. Überraschungssieger ist der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin mit neun Auftritten (Vorjahr sechs), er ist also quasi die Christine Neubauer der politischen Abendunterhaltung. Die gefühlten 7145 Minuten, die das abgespeckte ehemalige Vollweib im Fernsehen zu sehen war, hat der raubauzige Niedersachse nicht ganz geschafft, aber immerhin führt er mit deutlichem Abstand von zwei Auftritten vor dem Berliner Dampfplauderer Gregor Gysi. Dass der „stern“-Publizist Hans-Ulrich Jörges in der Spitzengruppe zwischen die Spitzenpolitiker der Oppositionsliga eingedrungen ist, verwundert nicht. Jörges ist immer gut für die Rolle „Dagegen, egal gegen was“.

Die meistbeschäftigte Frau in der Männerdomäne Talkshow – es ist schon auffällig, dass die Gastgeberinnen Will, Maischberger, Illner sich lieber gestandene Kerle einladen – war Ursula von der Leyen. Bei wie vielen ihrer sieben Auftritte sie vorher Kristina Schröder vom Stuhl geschubst hat, wissen wir nicht. Alice Schwarzer, die in Meinungsumfragen bei „Lieber nicht in der Talkshow“ ungefähr gleich viele Nennungen wie bei „Lieber nicht in der Sauna“ bekommen dürfte, ist gleichwohl der Arbeitsministerin mit sechs Einladungen dicht auf den Fersen. Sahra Wagenknecht hat einen Auftritt (5) weniger. Vorjahressieger Heiner Geißler liegt mit vier Auftritten, nach zwölf im Jahr 2010, nur noch auf Platz 25. Sein Mitverlierer ist Hans-Olaf Henkel, dessen Masche „Wir brauchen eine neue Partei rechts von der Union, und ich bin dabei“ sich offenbar abgenutzt hat.

Ausgewertet wurden nur die sechs politischen Talkshows, insgesamt laufen im Fernsehen aber pro Woche 33 Sendungen dieses Formats. Bei durchschnittlich vier Gästen pro Sendung werden in der Woche 112 benötigt. Im Jahr macht das 5824. Irgendwann müsste jeder mal dran gewesen sein.

Reinhard Urschel

Heike Manssen 22.12.2011