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Medien & TV Ulmen und Tschirner ermitteln für „Tatort“ in Weimar
Nachrichten Medien & TV Ulmen und Tschirner ermitteln für „Tatort“ in Weimar
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18:16 24.10.2012
Als neues „Tatort“-Duo unterwegs: Christian Ulmen und Nora Tschirner. Quelle: dpa
Berlin

Mit dem „Tatort“ war es zuletzt wie mit der Euro-Krise. Kaum war eine Neuigkeit verklungen, sorgte schon die nächste Meldung für Diskussionsstoff. Gerade erst haben die Dreharbeiten für den ersten Fall von Til Schweiger als neuem Hamburger Kommissar begonnen, da legte der NDR mit Wotan-Wilke Möhring als Ermittler im Norden nach. Jetzt schlägt der MDR das nächste Kapitel in Deutschlands beliebtester Krimi-Serie auf: Weihnachten 2013 gehen der Schauspieler und Fernsehsatiriker Christian Ulmen und seine Kollegin Nora Tschirner gemeinsam auf Verbrecherjagd. Eine schöne Bescherung?

Ermittelt wird in Weimar, geplant ist zunächst nur ein einziger Auftritt. „Event-Ausgabe“ nennen das die Verantwortlichen der Sendeanstalt in Leipzig. Der Plan hinter der vermutlich äußerst kostspieligen Verpflichtung der bekannten Schauspieler ist klar: Die prominenten Namen sollen endlich ein jüngeres Publikum zum Einschalten der langsam in die Jahre kommenden Serie bewegen. Ein bisschen Glamour als Frischzellenkur für das Format. Damit sagt die ARD der zur Weihnachtszeit von Blockbustern gesättigten Konkurrenz den Kampf an. Was klingt wie von langer Hand geplant, verdankt der MDR allerdings eher einer glücklichen Fügung.

Denn die einmalige Weimar-Ausgabe ist eine Spätfolge der Ausschreibung für den „Tatort“ in Thüringens Hauptstadt Erfurt. Den Zuschlag erhielt ein neues Ermittlerteam aus drei Nachwuchsschauspielern, das im kommenden Jahr zum Einsatz kommt. Mehr als 80 Produzenten hatten sich mit einem Konzept beworben – darunter Max Wiedemann und Quirin Berg, die gemeinsam bereits den Oscar-gekrönten Film „Das Leben der Anderen“ produziert hatten. Die Anforderungen der „Tatort“-Ausschreibung erfüllte das Produzententeam zwar nicht, dafür aber lieferten die beiden gleich das Duo Ulmen/Tschirner mit. Für MDR-Filmchefin Jana Brandt „eine Traumbesetzung“ für ein „wirklich originelles Konzept“. Und so holte der MDR die ARD-eigene Produktionsgesellschaft Degeto als Mitfinancier ins Boot und schlug gleich zweimal zu. Das Ergebnis: Im lange „Tatort“-freien Bundesland Thüringen wird nun sogar in zwei Städten ermittelt. „Das ist für uns eine Riesengeschichte“, schwärmt MDR-Fernsehchef Wolf-Dieter Jacobi. „Wir sind sehr stolz, dass wir zwei deutsche Superstars für das Projekt gewinnen konnten.“
Ob die „Tatort“-Fangemeinde diesen Coup gleichermaßen feiert, ist hingegen weniger klar. Denn das Schaulaufen deutscher Fernsehprominenz im „Tatort“ stößt vielen Zuschauern mittlerweile bitter auf – das hatte schon Til Schweigers umstrittener Einstieg gezeigt. Als „Schmusetatort“ und „Keinohrkrimi“ wurde die neue Hamburger Ausgabe in Anspielung auf seine bisherigen Filmrollen im Internet verspottet, noch bevor die Dreharbeiten zur ersten Folge überhaupt begonnen hatten.

So wie Schweiger ist auch Tschirner nicht gerade für die Bandbreite ihrer Rollen bekannt. Grimme-Preisträger Ulmen hat sich, nicht zuletzt wegen seiner Auftritte in Formaten wie „Mein neuer Freund“, bisher vor allem als Ulknudel einen Namen gemacht. Zuletzt gemeinsam blödelte das Duo in der MTV-Serie „Ulmens Auftrag“ herum, billige Zoten und Klamauk waren Programm. Auch die „Tatort“-Sonderausgabe in Weimar soll eine „deutliche Prise Humor mitbekommen“, kündigte der MDR an. Offenbar will man sich eine Scheibe von der humorvollen Münster-Ausgabe abschneiden, wo das Kult-Duo Axel Prahl und Jan-Josef Liefers regelmäßig gute Quoten einspielt.
Von „jungen, frischen Gesichtern“, wie MDR-Fernsehchef Jacobi seine Neuverpflichtungen nennt, kann indes keine Rede sein. Vor allem Christian Ulmen bringt sicherlich eine Fangemeinde mit, die für seinen fiesen und oft pechschwarze Humor eine Ader hat. Ob sich das auch in ein schlüssiges „Tatort“-Konzept gießen lässt? Sollte das Projekt schief gehen, könnte es bei einem einmaligen Versuch bleiben. Eine Fortsetzung ist laut MDR noch kein Thema.

Michael Soboll

Dieser Artikel wurde aktualisiert

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