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Medien & TV "Mehr Risiko in der Serien-Entwicklung"
Nachrichten Medien & TV "Mehr Risiko in der Serien-Entwicklung"
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00:16 16.11.2015
ARD und ZDF trauen sich dank des Erfolgs von "Weissensee" immer öfter an Fortsetzungsgeschichten mit durchgehender Handlung. Jetzt jedoch schlägt der Verband Deutscher Drehbuchautoren Alarm. Quelle: Britta Pedersen
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Es ist beinahe paradox: Allüberall wird geklagt, für Filme und Serien stünde zunehmend weniger Geld zur Verfügung; und trotzdem sind kaum Qualitätseinbußen festzustellen. ARD und ZDF trauen sich dank des Erfolgs von "Weissensee" sogar immer öfter an Fortsetzungsgeschichten mit durchgehender Handlung.

Verband fordert mehr Mut

Ausgerechnet jetzt schlägt der Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) jedoch Alarm. Neue Marktteilnehmer wie Netflix und Amazon brächten ARD und ZDF mit ihren hochwertigen internationalen TV-Serien in Bedrängnis, heißt es in einem Papier des VDD: "Weil sie neue Erzählformen anbieten und neue Geschichten". Der Verband fordert daher "mehr Mut und Risiko insbesondere in der Serienentwicklung".

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Sebastian Andrae, Drehbuchautor und geschäftsführender Vorstand des VDD, verweist im Gespräch auf das thematische Spektrum neuer amerikanischer Drama- und Comedyserien, die mutig Außenseiterthemen aufgriffen: "Man hält bewundernd die Luft an über diese Bandbreite und Qualität, über das Selbstverständnis von Fernsehmachern, die die gesellschaftliche Diskussion mitbestimmen."

Der Autor stellt in Richtung ARD und ZDF die Frage, warum sich Deutschland "als einer der größten und reichsten Fernsehmärkte der Welt nicht mehr erzählerische Innovation leistet". Die Antwort gibt er gleich selbst: "Horizontal erzählte, ambitionierte Serien bedeuten einen größeren Entwicklungsaufwand, mehr Vertrauen in die Autoren und ihre kreative Kraft." Der Stellenwert der eigentlichen Erzähler, der Autoren, müsse daher dringend stärker gefördert werden.

Verständnis hält sich in Grenzen

Um dieses Ziel zu erreichen, ist der VDD offenbar auch bereit, übers Ziel hinauszuschießen. In einer Pressemitteilung wird der Status quo so beschrieben: "Serienproduktionen orientieren sich zumeist am gängigen Zuschauergeschmack. Pfarrer, Ordensschwestern, Ärzte und Ermittler bevölkern die Programme, Gewalt- und Schmunzelkrimis, Schmonzetten, Standardgeschichten in See- oder Bergkolorit bilden den Durchschnitt der Formate."

Kein Wunder, dass sich bei ARD und ZDF das Verständnis für das VDD-Papier in Grenzen hält, selbst wenn Reinhold Elschot und Gebhard Henke, zwei der wichtigsten deutschen Fernsehfilmchefs, zunächst beinahe gleichlautend ihre Wertschätzung der Autoren erklären. "Ohne gute Autoren läuft gar nichts", versichert Henke. Aber: "Der WDR ist mit vielen Autorinnen und Autoren regelmäßig und intensiv im Gespräch. Wie würden sonst unsere Filme entstehen können?"

Kein unmittelbarer Handlungsbedarf

ZDF-Fernsehfilmchef Elschot wird deutlich: "Wenn ich den ewig gleichen und abgenutzten Vorwurf der mangelnden Risikobereitschaft und des fehlenden Muts höre, bin ich mir nicht ganz sicher, ob der VDD wirklich fernsieht"; sonst hätte der Verband zum Beispiel die Serie "Blochin" wahrgenommen, mit dem das ZDF "inhaltlich, erzählerisch und formal" neue Wege gegangen sei.

Aus Sicht der Sender besteht kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Die vom VDD angesprochenen potenziellen Konkurrenten Netflix und Amazon sprächen ganz andere Nutzergruppen an: Für die dort angebotenen horizontal erzählten US-Serien interessieren sich erfahrungsgemäß überwiegend jüngere Zuschauer, die das linear ausgestrahlte öffentlich-rechtliche Programm kaum wahrnehmen.

Andrae hält diese Haltung jedoch für trügerisch, weil niemand wisse, wie lange diese Aufteilung noch gültig sei: "Das Zuschauerverhalten ist veränderlich, und die Veränderung ist rasant. Mehr denn je will sich der Zuschauer überraschen lassen, ist aber auch bereit, für Qualität zu zahlen."

Von Tilmann P. Gangloff

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