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Medien & TV Videospiele künftig als Internetübertragung
Nachrichten Medien & TV Videospiele künftig als Internetübertragung
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20:40 26.03.2009
Mit solch einem zigarettenschachtelgroßen Kistchen wird der PC oder Fernseher zum Empfänger grafisch hochwertiger Computerspiele. Quelle: Handout
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Die grafisch aufwendigen Spiele laufen dabei nicht mehr auf dem Computer, sondern kommen aus der Internetleitung. Vereinfacht dargestellt, laufen auf den PCs der Anwender lediglich noch Filmübertragungen. Das Geschehen wird zwar weiterhin klassisch per Maus und Tastatur beeinflusst, doch die Berechnung der Spielsequenzen erfolgt entfernt auf einem leistungsstarken Server.

Vorteil für die Anwender: Sie brauchen nicht mehr alle paar Jahre neue Rechner, um die neuesten Spiele flüssig spielen zu können. Es wäre außerdem egal, ob man einen PC, einen Mac, einen Linux-Rechner oder ein besonderes Entschlüsselungskästchen am Fernseher benutzt. Da lediglich das Spielebild übertragen wird, ist die wichtigste Voraussetzung ein schneller Internetanschluss von mindestens zwei Megabit und ein besonderer Adapter von der Größe einer Zigarettenschachtel.

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Darin verbirgt sich besondere Software zum Komprimieren, also Verkleinern der zu übertragenden Datenmengen, und zum Dekomprimieren, also Entschlüsseln des empfangenen Datenbildes. Nutzer einer Fünf-Megabit-Leitung sollen zudem in die Lage versetzt werden, höher aufgelöst dargestellte Spiele spielen zu können. Geplant ist eine monatliche Benutzungsgebühr, zusätzlich zu den Kosten für den schnellen Internetanschluss.

Hinter dem Konzept steckt die Firma OnLive, die die Grundlagen am Dienstagabend in San Francisco vorstellte. Mit dabei sind aber nach Angaben des US-Magazins „Venturebeat“ auch Größen der Spieleindustrie wie Electronic Arts, THQ, Take-Two Interactive, Codemasters, Eidos, Atari, Warner Bros., Epic Games und Ubisoft. Damit haben so gut wie alle großen Unternehmen der Spielebranche zugestimmt, einzelne Titel über das künftige OnLive-Netzwerk bereitzustellen. Der Dienst soll bis Ende des Jahres starten.

Nicht mit von der Partie sind Microsoft, Sony und Nintendo. Microsoft zum Beispiel bietet für seine Xbox-360-Spielekonsole bereits ein vergleichbares Netzwerk, bei dem es jedoch nötig ist, sich die Spielesoftware zunächst aus dem Netz herunterzuladen. Ansätze für plattformübergreifendes Spielen gab es von Microsoft bereits ebenfalls schon, sodass Windows-Vista-Nutzer gegen Xbox-360-Nutzer antreten konnten. Konsoleübergreifende Spiele, etwa mit Nutzern von Sonys Playstation oder Nintendos Wii, waren jedoch bislang nicht geplant. Sony und Nintendo pflegen mit ihrem PlayStation Network beziehungsweise Wii Virtual Console eigene abgeschlossene Netze. Mit dem neuen Konzept von OnLive nimmt nun die PC-Spiele-Industrie das Heft wieder in die Hand – und befördert PC-Spiele ins Wohnzimmer.

Das Nachsehen hätten zudem, sollten sich die hochfliegenden Pläne bewahrheiten, die Hersteller immer leistungsstärkerer Prozessoren und Grafikkarten, also Intel, AMD und Nvidia. Ihre Chips würden künftig lediglich noch in den Servern gebraucht, weniger im großen Markt der Privat-PCs.

Einer der Köpfe hinter OnLive ist Steve Perlman, der die Firma seit sieben Jahren aufgebaut hat. Erfahrung hat er bereits in den neunziger Jahren mit WebTV gemacht, einem Internet-Übertragungsdienst für TV-Sendungen, den er seinerzeit für 425 Millionen US-Dollar an Microsoft verkaufte. Nebenbei hat er eine Animationssoftware namens Mova programmiert, die beispielsweise in den Film „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ die gealterten Gesichtszüge von Brad Pitt in den Film einspielte.

Die wichtigste Errungenschaft steckt nach Angaben Perlmans in den Adaptern zum Komprimieren der Datenströme. Mehr als 100 Patente dafür hätten die zeitweise mehr als 100 Entwickler ausgearbeitet. In einzelnen Medienberichten wird Perlman bereits als das neue „Wunderkind“ bezeichnet, der das sogenannte Cloud Computing, die Datenverarbeitung im Netz, nun auch für die Videospieleindustrie hoffähig macht.