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Medien & TV Vorabend in der ARD bleibt eine Baustelle
Nachrichten Medien & TV Vorabend in der ARD bleibt eine Baustelle
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08:21 03.03.2015
Krimi mit Humor: In „Hauptstadtrevier“ ermittelt Elitepolizistin Julia Klug (Friederike Kempter) mit Johannes Sonntag (Matthias Klimsa).
Krimi mit Humor: In „Hauptstadtrevier“ ermittelt Elitepolizistin Julia Klug (Friederike Kempter) mit Johannes Sonntag (Matthias Klimsa). Quelle: Jörg Carstensen
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Genau genommen war das Interesse so niedrig, dass gern von der „Todeszone im Ersten“ die Rede ist.

Diesen Begriff mag Beckmann allerdings überhaupt nicht, zumal er Zahlen hat, die das Gegenteil dokumentieren: „Wir hatten 2014 am Vorabend einen Marktanteil von 9,8 Prozent und haben damit hinter dem ZDF und RTL einen guten dritten Platz aller werbefinanzierten Vollprogramme belegt.“ Allerdings hat die Fußball-WM einen großen Anteil an diesem Fazit. Rechnet man die WM-Spiele raus, kommt die ARD auf 8,1 Prozent, belegt damit aber immer noch Platz drei. Aus interner Sicht mag damit das derzeit Mögliche erreicht sein, doch extern wird naturgemäß ein anderer Maßstab angelegt: Der Durchschnittsmarktanteil des ersten Programms lag im vergangenen Jahr bei 12,5 Prozent; um auf diesen Wert zu kommen, müsste der Vorabend um 50 Prozent zulegen.

Ganz gleich jedoch, durch welche Brille man die Zahlen betrachtet, Tatsache bleibt: Einige der Serien, mit denen die ARD unter dem Sammeltitel „Heiter bis tödlich“ aus dem Quotentief rauskommen wollte, haben 2014 das Klassenziel völlig verfehlt.

„Akte X“: 6 Prozent. „Hauptstadtrevier“ (Staffel eins): 6 Prozent. „Koslowski & Haferkamp“: 4,9 Prozent. Von den mickrigen Erfolgen in der Zielgruppe 
20 bis 59 Jahre, an der sich das Werberahmenprogramm eigentlich orientieren soll, ganz zu schweigen. Wirklich funktioniert hat 2014 mit knapp 10 Prozent nur der Dauerbrenner „Großstadtrevier“, alles andere lag unter dem fußballfreien Durchschnitt von 
8,1 Prozent, sogar die populäre Bayern-Comedy „Hubert und Staller“ (7,7 Prozent).

Beckmann versucht zwar, den tristen Gesamteindruck mit dem Hinweis auf das „schwierige Sendeumfeld“ zu relativieren, räumt aber ein: „Selbst wenn wir den Abwärtstrend der letzten Jahre gestoppt haben, gibt es keinen Anlass zu Euphorie.“ Immerhin war der Trend zuletzt positiv: Die Quoten von „Quizduell“ liegen über dem Vorjahresschnitt, und der Ende Januar gestartete jugendliche Vorabendableger von „In aller Freundschaft“ hat den Marktanteil auf dem Sendeplatz sogar verdoppelt. Der Vorabendkoordinator ist sicher: „Wenn das so weitergeht, wird es 2015 auf jeden Fall ein Wachstum am Vorabend geben.“ Beckmanns Zuversicht schließt sogar die 2011 eingeführte Dachmarke „Heiter bis tödlich“ mit ein: „Wir sind nach wie vor überzeugt, dass humorvolle Krimis mit regionaler Färbung am Vorabend funktionieren. Aber wir wussten auch, dass man einen langen Atem braucht, wenn man Ideen ausprobiert.“

Der Vorabendkoordinator ist froh, dass die ARD solche Experimente wage, zumal die Kosten überschaubar seien. Finanziell ist die Mission also erfolgreich, aber sein eigentliches Ziel hat der Fernsehdirektor noch nicht erreicht. 2011 hatte er angekündigt, die Wegstrecke werde eher ein Marathon als ein Sprint. Nun räumt er ein, dass man wohl von einem Triathlon sprechen müsse. Außerdem hat er damals prophezeit, „dass wir schneller sind als die Hamburger Elbphilharmonie.“

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