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Medien & TV Wer soll Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass ...?“ ersetzen?
Nachrichten Medien & TV Wer soll Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass ...?“ ersetzen?
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18:41 14.02.2011
Von Imre Grimm
Wer folgt auf Thomas Gottschalk? Das Kandidatenkarussell dreht sich. Quelle: dpa

Drei Tage ist der Bär erst erlegt – er hat sich freiwillig ergeben –, da zerren sie bereits an seinem Fell: Wer folgt auf Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass ...?“? Kann es überhaupt einen würdigen Thronfolger geben für eine Show, die so eng mit seinem Namen verknüpft ist? Das lustige Kandidatenraten hat begonnen. In der Branche kursieren mehr Namen als Karl-Theodor zu Guttenberg Vornamen hat. Im Gespräch ist außer Florian Silbereisen so ungefähr jeder, der schon einmal auf einer Showtreppe stand. Eine Übersicht:

Jörg Pilawa (45): Der ehemalige „Herzblatt“-Kuppler (2001–2004) hat derzeit die besten Karten. Als hochbezahlter ZDF-Neuzugang ist er mit der Quizshow „Rette die Million“ nicht ausgelastet. Pilawa ist bekannt, aber es fehlen ihm Esprit und Ironie. ZDF-intern ist er offenbar „erster Ansprechpartner“, großen Rückhalt im Publikum aber hat er nicht.

Markus Lanz (41): Der ehemalige RTL-Mann ist seit 2008 beim ZDF. Als Spätabendtalker gibt er sich gefühlig. Aber neben echten Weltstars wie Sting oder Madonna dürfte er wirken wie Fiete in der großen Stadt.

Günther Jauch (54): Oft genannt – aber als Nachfolger seines Kumpels „Thommy“ kaum denkbar. Zumal sich der gelernte Journalist im Herbst in der ARD im seriösen Fach etablieren will.

Stefan Raab (44): Der PRO7-Star hat einen hohen Bekanntheitsgrad bei Jüngeren – bei den Älteren jedoch hält sich hartnäckig das Bild vom frechen TV-Anarchisten, der über Leichen geht. Ein öffentlich-rechtliches Experiment (mit der ARD beim Grand Prix) dürfte ihm genügen. Zumal er mit „Schlag den Raab“ sein eigenes „Wetten, dass ...?“ hat.

Johannes B. Kerner (46): Doch, den gibt’s noch. Er sendet derzeit bei SAT.1 ins Nirgendwo und würde wahrscheinlich Geld mitbringen, um „Wetten, dass ...?“ moderieren zu dürfen. Der Einzige, der ihm das zutraut, ist er selbst.

Oliver Pocher (32): siehe Kerner.

Barbara Schöneberger (36): Die Schöneberger ist showtreppenkompatibel, startauglich, talkerfahren und schlagfertig. Für Michelle Hunziker aber wäre es dann wohl vorbei. Zwei Blondinen sind eine zu viel.

Anke Engelke (45): Die SAT.1-Comedienne dürfte für die ganz große Welt­umarmung doch zu sehr auf Comedy festgelegt sein. „Wetten, dass ...?“ ist keine Parodie. Ihr Test für die Weltbühne wird der Eurovision Song Contest.

Frank Plasberg (53): Plasberg ist als Showmaster ein großes Missverständnis. Er kann ein Polit-Podium dirigieren, hat als Entertainer aber die Ausstrahlung ­eines Schnellhefters. Die ARD ließe ihn wohl ohnehin nicht ziehen.

Michelle Hunziker (34): Allein? Unwahrscheinlich. Als Chefbetreuerin höchst geeignet, als Solistin eher nicht.

Hape Kerkeling (46): Absoluter Publikumsliebling, klar führend in diversen Umfragen. Er ist seit Jahren immer mal wieder im Gespräch. Allerdings ist „Wetten, dass ...?“ keine Ein-Personen-Show. Dass Kerkeling aber nicht nur Horst Schlämmer oder Uschi Blum draufhat, sondern auch als er selbst durch einen großen Showabend führen kann, hat er nicht erst bei der „Goldenen Kamera“ bewiesen. Topfavorit der Herzen. Problem: Um Demokratie geht’s dem ZDF bei der Wahl nun wirklich nicht.

Matthias Opdenhövel (40): Der langjährige SAT.1-Frühstücksfernsehmacher (mit Barbara Schöneberger) ist bei „Schlag den Raab“ ein souveräner Spielleiter mit Sinn fürs Knochentrockene. Schwiegersohnausstrahlung gepaart mit Demut und Witz – würde passen. Allerdings kennt ihn das ZDF-Publikum nicht.

Eckart von Hirschhausen (43): Der ARD-Doktor gehört zur zweiten Reihe der Aspiranten – wie auch Andrea Kiewel und sogar Heidi Klum. Der TV-Produzent Holm Dressler brachte am Montag auch Moderatorin und Sängerin Ina Müller sowie Harald Schmidt ins Gespräch. Schmidt kam einst mit „Verstehen Sie Spaß?“ beim älteren Publikum nicht an. Inzwischen aber ist er selber älter.

Niemand: „Die Show ist ohne Gottschalk am Ende“ – das denken nicht nur viele Zuschauer, das denkt auch der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma. „Das Konzept ist nicht mehr das jüngste. Die Frage ist, ob man überhaupt weitermachen muss“, sagte der 71-Jährige am Montag. „Gottschalk wäre nur Verwalter des Abstiegs geworden.“ Für Thoma kommt nur ein Mann als Nachfolger infrage: „Stefan Raab. Der könnte das. Ob das ZDF das hinkriegt, ist eine andere Frage.“

Das ZDF will sich bei der Kandidatensuche Zeit lassen: Erst im Herbst soll der Nachfolger präsentiert werden. Gottschalk selbst machte am Montag mit einer seltsamen Analogie in der „Bild“-Zeitung auf sich aufmerksam. In einem Abschiedsbrief an Peter Alexander schrieb er: „Dein Rücktritt ist radikaler als meiner.“ Das richtige ­Timing sei „alles in unserem Geschäft. Jetzt haben wir das auch wieder ganz gut hingekriegt. Ich habe am Samstag dem Mubarak die Show gestohlen und Du mir am Sonntag die Schlagzeile.“ Er habe wenigstens den Vorteil, seine Nachrufe noch lesen zu können.

Dem Schweizer Fernsehen ist es derweil ziemlich gleichgültig, wer die Show nach Gottschalk übernimmt: Das SRF erwägt, nach 20 Jahren aus der Euro­visionsübertragung auszusteigen. „Wetten, dass ...?“ hatte am Wochenende in der Schweiz nur noch 180.000 Zuschauer. Der Österreichische Rundfunk ORF dagegen will am Ball bleiben – „solange es ,Wetten, dass ...?‘ noch gibt“.

Die ARD-Fernsehlotterie stellt „Das unglaubliche Quiz der Tiere“ mit Moderator Frank Elstner 2012 ein. In diesem Jahr laufen noch vier Folgen der ARD-Unterhaltungsshow, danach sei Schluss, sagte ein Lotteriesprecher am Montag.

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„Ich kann nicht weitermachen, als wäre nichts passiert“: Nur noch zwei reguläre Ausgaben im März und April wird Thomas Gottschalk moderieren, dazu die Sommershow auf Mallorca am 18. Juni und drei Spe­zialausgaben zu 30 Jahren „Wetten, dass ...?“ im Herbst.

Imre Grimm 13.02.2011