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18:15 14.11.2018
Das Leben und Sterben in der Prärie: Der Mann in Schwarz (Ralph Ineson) macht kurzen Prozess mit Bankräubern. Quelle: Netflix
Los Gatos

Bösewichte mit Bartschatten, glühende Tafelberge in der Abendwüstensonne, klappernde Blechbecher – kein Zweifel: Das muss der Wilde Westen sein. Und dann betritt ein Revolverheld im gleißend weißen Anzug mit allerbreitestem Lukas-Podolski-Grinsen einen Saloon voller trüber Gesetzloser. Der Pianist hält die Finger still. Und jeder, der jemals einen Western gesehen hat, weiß: Gleicht knallt es. Aber so ist das eben in den Filmen der Coen-Brüder: Es knallt tatsächlich, aber anders. Ganz anders.

Der Wilde Westen – das ist für die Regie- und Autoren-Outlaws Ethan und Joel Coen keine staubige Folie für kerlige Blütenträume, sondern ein Kosmos der Absurditäten, ein Spielplatz voller grotesker Charaktere. „The Ballad of Buster Scruggs“ heißt ihr Neo-Western, den die Brüder bereits auf dem Filmfestival in Venedig zeigten und der ab Freitag bei Netflix zu sehen ist. „Buster Scruggs“ sollte ursprünglich ein Film werden, dann entwickelten die Brüder die Idee einer sechsteiligen Serie, basierend auf sechs Kurzgeschichten, die sie selbst in drei Jahrzehnten verfassten. Das Ergebnis ist nun ein Amalgam aus beidem: ein sechsteiliger Episodenfilm. Sechs Szenen aus dem US-Grenzland des 19. Jahrhunderts in 132 Minuten, die zwar nicht das Personal, wohl aber das Grundthema eint: Sie spielen in einer verrätselten Welt, in der nichts auch nur mal für zehn Minuten gut ist. Der Tod lauert hinter jeder Ecke, und jederzeit kann ein Schuss die trügerische Idylle zerstören.

Tom Waits als brummelnder Goldsucher

Eine Westernanthologie über Leben und Sterben in der Prärie also – erzählt mal als Musicalnummer, mal als düstere Parabel, mal als zarte Liebesgeschichte. Untertitel: Tales of the American Frontier. Da ist der singende Cowboy mit kolossalem Ego, Buster Scruggs (Tim Blake Nelson), der gern mit cartoonhafter Lucky-Luke-Perfektion per Kunstschuss tötet und mit seinem sonorem Bariton direkt zum Zuschauer spricht („Schütteln wir also gemeinsam unsere Köpfe über all die Gemeinheiten früherer Zeiten ...“). Da ist der glücklose Bankräuber (James Franco), der in New Mexico an den falschen Kassierer gerät. Da ist der abgewrackte Schausteller (Liam Neeson), der in ein moralisches Dilemma gerät, als er auf einer Tournee durch diverse Dreckskäffer feststellt, dass ein „rechnendes“ Huhn mehr Geld einbringt als sein bisheriger arm- und beinloser Star, der ein Sonett über die Vergänglichkeit des Irdischen rezitierte. Da ist – in der stärksten Episode – Tom Waits als brummelnder und singender Goldsucher, der in einem spektakulär schönen Tal den Fund seines Lebens macht, als auch schon das Schicksal zuschlägt. Da ist eine höfliche Pionierin (wundervoll: Zoe Kazan), die auf einem Pioniertreck nach Westen um ein bisschen Glück kämpft. Und da ist, in der sechsten Szene, ein Quintett in einer Postkutsche auf einer surrealen Gruselreise ins Jenseits im Stil von Edgar Allan Poe.

Es sind sechs Kammerspiele in großer Kulisse, in denen die Coens in typischer Manier zwar immer leicht überzeichnen, aber selten überdrehen. Nach zwei eher durchschnittlichen Kinofilmen über die Songwriterblüte im Greenwich Village und das Hollywood der Fünfzigerjahre („Inside Llewyn Davis“ und „Hail, Caesar!“) ist dem Duo wieder eine Perle gelungen: ironisch, angeraut, düster und schweflig. Eine Tragikomödie im besten Sinne: tragisch die Geschichten, episch die Bilder, komisch die Typen. Eher ein schrullig-versponnener Film über Westerngenres als ein Western.

Tod und Teufel sind auch nur Menschen

Es ist nach „No Country For Old Men“ (2007) und „True Grit“ (2010) der dritte Ausflug der Coens ins amerikanischste aller Filmgenres. Niemand ist nur Held bei ihnen, niemand nur Ganove. Tod und Teufel sind auch nur Menschen. Und „Unsicherheit ist die angemessene Reaktion auf diese Welt“, wie einer der Postkutschenreisenden sagt. Als Serie wäre dem Stoff möglicherweise die Puste ausgegangen. Als episodenhafte Märchensammlung aber knüpft er an alte Coen-Klassiker an. Es nähme nicht Wunder, wenn in diesem Werk irgendwann der Dude aus „The Big Lebowski“ durch die Wüste schlurfte. Noch immer auf der Suche nach seinem Teppich.

Von Imre Grimm

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