Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV Wiener Tatort als Politthriller
Nachrichten Medien & TV Wiener Tatort als Politthriller
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 05.01.2015
Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) haben zu tun.
Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) haben zu tun. Quelle: ard
Anzeige

Nach der als Selbstmord getarnten Ermordung eines iranischen Diplomaten stoßen Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) alsbald auf Spuren, die auf eine Beteiligung des Mossad deuten. Der israelische Geheimdienst – so erzählt es jedenfalls das Drehbuch von Max Gruber – sabotiert die Bemühungen des Irans, eine Atombombe zu bauen, durch als Unfall getarnte Attentate auf iranische Einkäufer. Diese Operation trägt die Bezeichnung „Kidon“. Offenbar ist ihr auch der tote Diplomat zum Opfer gefallen.

Ganz in der Tradition von Spionageklassikern wird der Wiener Tatort „Deckname Kidon“ zum Schauplatz geheimdienstlicher Aktivitäten. Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ermitteln wieder.

Gruber liefert ein reizvolles Katz-und-Maus-Spiel; und da der Gegenspieler des wackeren Ermittlerduos mächtige Verbündete hat, lässt der Film keinerlei Zweifel daran, wer die Mäuse sind. Die Katze wiederum wird von einem Schauspieler verkörpert, dem diese Rolle wie auf den Leib geschrieben ist: Udo Samel, seit gut zehn Jahren Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters, ist allein durch seine physische Präsenz der perfekte Darsteller eines jovialen Grafen, hinter dessen wohltätiger Fassade sich ein skrupelloser Waffenhändler verbirgt. Eine Actionkomponente hat „Deckname Kidon“ auch zu bieten: Um die Ausfuhr einer Lieferung zu stoppen, liefert sich Eisner eine Verfolgungsjagd mit einem Güterzug; ein Hauch von Hollywood im „Tatort“ (Regie: Thomas Roth).

Auf der anderen Seite erfreut der Film immer wieder mit Preziosen wie jener skurrilen Szene, als der Graf seine Beziehungen spielen lässt und Eisner einen übereifrigen Verkehrspolizisten auf den Hals hetzt. Hübsch ist auch der Moment, in dem ein einsamer Igel den Weg der Ermittler kreuzt. Dass „Deckname Kidon“ dennoch einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt, hat mit dem fragwürdigen Schluss zu tun, als die beiden Ermittler tatenlos einer Hinrichtung auf offener Straße zuschauen.

Von Tillmann P. Gangloff

02.01.2015
Medien & TV Zweiter „Tatort" aus Weimar - Blut, Schweiß und Dänen
04.01.2015