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18:37 03.12.2010
Im Gespräch mit Online-Nutzern gab sich Wikileaks-Gründer Julian Assange auf der Internetseite der britischen Tageszeitung "The Guardian" gelassen. Quelle: dpa
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Wikileaks.org ist gelöscht, die von Wikileaks gestreuten Dokumente sind aber weiter verfügbar - jetzt über eine Adresse in der neutralen Schweiz. Die umstrittene Enthüllungsplattform liefert sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit ihren Gegnern in den USA. Während diese ihren Druck auf Wikileaks verstärken, meldet sich deren Gründer Julian Assange aus dem Untergrund und beantwortet Leserfragen bei der britischen Tageszeitung „The Guardian“.

Dabei gibt sich der 39-jährige Australier betont gelassen. Die Flut von mehr als 250.000 Depeschen aus US-Botschaften in aller Welt lässt sich nicht mehr stoppen. Zwar sind auf der Website des Projekts erst einige hundert Dokumente veröffentlicht. Aber das Material sei an mehr als 100 000 Personen geschickt worden, erklärte Assange. „Wenn uns irgendetwas passiert, werden die wichtigsten Teile automatisch freigegeben.“

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Zuvor hatte eine US-Firma die zentrale Adresse entfernt, unter der Wikileaks bisher im Browser aufgerufen wurde. Damit haben die Maßnahmen gegen das umstrittene Projekt eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Die Domain wikileaks.org sei von der US-Firma everyDNS.net „gekillt“ worden, teilten die Betreiber im Kurzmitteilungsdienst Twitter mit. Der Internet-Aktivist John Perry Barlow, einst Songtexter der Rockband Grateful Dead, twitterte daraufhin: „Der erste ernsthafte Info-War ist jetzt im Gange. Das Schlachtfeld ist WikiLeaks. Ihr seid die Truppen.“

Tatsächlich nehmen die Hinweise zu, dass die Wikileaks-Gegner in den USA alle Möglichkeiten nutzen, um dem Projekt das Leben im Netz schwer zu machen. Am Mittwoch verbannte der amerikanische Internet- Konzern Amazon die Wikileaks-Daten von seinen Servern. In der Nacht zum Freitag löschte dann der Internet-Dienstleister EveryDNS.net die Adresse (Domain) wikileaks.org aus seinem Nameserver - diese Rechner sorgen dafür, dass die IP-Adresse des Rechners mit den lesbaren Internet-Adressen verbunden wird, wie sie im Browser eingetippt werden.

EveryDNS.net begründete die Entscheidung mit massiven Hacker- Angriffen auf wikileaks.org - bei solchen Attacken mit der Bezeichnung „Distributed Denial of Service“ (DDOS) wird ein Web- Server mit Unmengen von Daten geflutet und lahmgelegt. „Diese Attacken haben die Stabilität der Infrastruktur von EveryDNS.net bedroht“, erklärte das Unternehmen.

Professor Michael Rotert in Karlsruhe hält das allerdings für wenig glaubhaft. „Wegen Denial-of-Service-Attacken nehmen ich normalerweise keine Domain runter“, sagte der Karlsruher Internet-Pionier im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Das ist eine Maßnahme, die sollte nicht passieren und schon gar nicht auf Druck von Behörden, es sei denn, es liegt eine schwere Straftat vor.“

Rotert, der auch Gründungsmitglied des Denic ist und Vorstandsvorsitzender des Verbands der deutschen Internetwirtschaft (Eco), erwartet, dass nach dem Vorgehen gegen Wikileaks die Kritik an der US-Dominanz bei der Verwaltung der zentralen Internet-Grundlagen zunehmen wird. Im Blickpunkt steht dabei insbesondere die Organisation ICANN, die das Sagen bei den Grundlagen der Top-Level-Domains wie .org oder .de hat - und amerikanischem Recht untersteht.

Wenn der Domain-Anbieter eine Adresse löscht, wird dies auch von den anderen Name-Servern übernommen, die für den Fall eines Ausfalls vom Betreiber einer Top-Level-Domain wie .org oder .de bereitgestellt werden. Die Datenhoheit liege bei dem Betreiber des Nameservers auf der untersten Ebene, sagte ein Experte bei der de- Registrierungsstelle Denic in Frankfurt am Main. „Wenn ein Eintrag auf diesem einen Nameserver nicht mehr verfügbar ist, dann ist die Domain auch über die anderen Nameserver nicht mehr erreichbar.“

Was aus den USA nicht gekappt werden kann, ist die mit wikileaks.org verbundene IP-Adresse 213.251.145.96. Diese jeden Rechner im Netz eindeutig identifizierende Adresse wird von dem Unternehmen vergeben, das den Internet-Zugang zu diesem Rechner bereitstellt - und der liegt bei den Wikileaks-Daten jetzt in Schweden. Wikileaks leitete diese IP-Adresse an eine Schweizer Domain weiter: wikileaks.ch. Diese Adresse wurde von der Piratenpartei Schweiz registriert - und pikanterweise liegt auch wikileaks.ch auf den Nameservern der US-Firma EveryDNS.net. Das Katz-und-Maus-Spiel dürfte damit noch nicht zu Ende sein.

dpa

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