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Medien & TV „Wir haben so viel Leid gesehen“
Nachrichten Medien & TV „Wir haben so viel Leid gesehen“
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11:33 08.12.2011
Antje Prütz (im Vordergrund) mit Kollegen des Universitätsklinikums Eppendorf. Quelle: S. Malzkorn
Hannover

Vielleicht übertreibt er ein bisschen, dachte Antje Prütz, als der Stationsarzt am 18. Mai eine junge Frau mit hämolytisch-urämischem Syndrom, kurz HUS, auf die Dialyse-Station brachte und der Krankenschwester zuflüsterte: „Die Fälle sollen sich häufen. Das könnte eine Epidemie werden.“ Es wurde eine – und Hamburg war zwischen Mai und Juli gewissermaßen das Epizentrum dieser EHEC-Epidemie. Die Zahl der Patienten, die an HUS erkrankten – jener schweren Komplikation, die zu Nierenversagen, Störungen im Gehirn und möglicherweise sogar zum Tod führen kann – stieg täglich. „Spätestens als die ersten kranken Kinder eingeliefert wurden, wussten wir alle: Das wird jetzt ganz schlimm“, sagt Prütz, die seit 14 Jahren als Fachkrankenschwester das Blutreinigungsverfahren durchführt und vor zwei Jahren von Berlin nach Hamburg ans Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) wechselte.

Ein Krankenzimmer nach dem anderen sei im Frühsommer isoliert worden, sagt die 36-Jährige. Immer mehr Patienten wurden eingeliefert – die 14 Dialyse-Plätze reichten schnell nicht mehr aus. „Auf dem Höhepunkt der Epidemie hat allein unser Team 42 Patienten behandelt“, sagt die stellvertretende Stationsleiterin. Jede der 21 Pflegekräfte hätte vor allem zwei Gedanken gehabt: „Wann hört das bitte endlich auf?“ „Und was zum Teufel ist die Ursache dieser Seuche?“

„Wir haben in diesen acht Wochen so viel Leid gesehen und so viel Stress erlebt wie nie zuvor“, sagt Prütz. Anfangs hätten sie noch versucht, den Dienstplan einzuhalten. Vergeblich. „Fast alle von uns sind morgens schon um 4 Uhr zum Dienst gekommen und bis nachts um 2 Uhr geblieben“, sagt Antje Prütz. Es sei eine absolute „Ausnahmesituation“ gewesen – auch weil Dialyse-Pfleger sonst eigentlich keine Nachtschichten schieben. Aber ein „eigentlich“ habe es in diesen Tagen nicht gegeben. „Wir wollten alle unbedingt helfen. Deshalb haben wir diesen Beruf doch überhaupt ergriffen“, sagt Prütz.

„Es ist unglaublich, was wir als Team gemeinsam in dieser Zeit geschafft haben“, sagt Antje Prütz, für die jeder einzel ne ihrer Kollegen auch den Titel „Held des Nordens“ verdient hat. „Wir sind zusammengewachsen, die Unterstützung war riesig.“ So seien ihr auch ihre Freunde eine große Stütze gewesen, sagt die­alleinerziehende Mutter der elfjährigen Tochter Stine. Stine habe in dieser Zeit oft bei Freunden übernachtet. „Ich habe es ja nicht mal geschafft, richtig einzukaufen“, sagt Prütz .

Beeindruckt sei sie von den zahlreichen Blutspendern gewesen. „In schwierigen Zeiten stehen die Menschen zusammen, aber Blut wird auch jetzt immer dringend gebraucht“, sagt sie. Und dann erzählt sie von den guten Nachrichten, die es aus der schlechten Zeit auch gibt. Die meisten ihrer Patienten hätten nach einigen Tagen die Klinik verlassen können – und keiner der von ihrem Team behandelten HUS-Patienten braucht heute noch eine Dialyse. „Wenn Menschen gesund entlassen werden, dann sind das die schönen Momente, die meine Kollegen und mich durch den Alltag bringen.“

  • Noch bis zum Freitag stellen die HAZ, NDR Info, das NDR Fernsehen, das „Hamburger Abendblatt“, die „Ostsee Zeitung“ und der „Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag“ täglich einen Kandidaten für die Wahl zum „Held des Nordens 2011“ vor. NDR Info sendet Kandidatenporträts jeweils um 7.35 und 9.35 Uhr, zu sehen gibt es sie im NDR Fernsehen jeweils ab 16.10 Uhr.

Vanessa Seifert

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