Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV Wo ist Bruce Willis, wenn man ihn braucht?
Nachrichten Medien & TV Wo ist Bruce Willis, wenn man ihn braucht?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:35 09.12.2013
Von Imre Grimm
Wo ist Bruce Willis, wenn man ihn braucht? Ein herabstürzender Satellit kracht in den Berliner Reichstag. Quelle: RTL
Anzeige
Berlin

Mariechen sitzt lachend im Garten und spielt mit Playmobil, aber da kommt ein böser Wettersatellit aus dem Weltall geflogen, und es knallt und kracht ganz fürchterlich. Dann sind plötzlich der Reichstag in Berlin und eine Gurkenfarm in Brandenburg kaputt, weil ein paar trottelige Wissenschaftler im Teilchenbeschleuniger in Genf ein Schwarzes Loch produziert haben. Gewaltige Krater brechen auf, Flugzeuge stürzen vom Himmel, eins landet knapp neben der Siegessäule. Moslems und Christen beten gemeinsam in einer Turnhalle, und der akkurat gescheitelte Bundeskanzler Heiner Lauterbach sagt mit Grabesstimme: „Deutschland, wie wir es kennen, hat aufgehört zu existieren.“ Huh. Aber zum Glück gibt es ja noch Christiane Paul, Christine Neubauer, Yvonne Catterfeld, Hannes Jaenicke und Armin Rohde, die allerdings den halben Film lang aussehen wie verölte Nordseeschwalben.

Was klingt wie das überdrehte Drehbuch zu einem RTL-Eventmovie ist das überdrehte Drehbuch zu einem RTL-Eventmovie namens „Helden - Wenn dein Land dich braucht“. Das 140-Minuten-Epos der Münchener Produktionsfirma Dreamtool Entertainment, das acht Millionen Euro gekostet hat, ist der Beitrag von RTL zum Tag der Deutschen Einheit. Man schwurbelt von einem „modernen Heimatfilm“. Das ist zumindest tapfer.

Anzeige

Die Story folgt dem alten Prinzip „ganz schlimme Sache schweißt Volk in der Not zusammen“. „Independence Day“ von Roland Emmerich war ja schon schlimm, aber was RTL da als deutsche Version eines Patriotismusknallers anbietet, wirkt streckenweise wie eine Art „Scary Movie“ der Pathosindustrie, eine Parodie auf Katastrophenfilme, die auch der dräuend-düstere Soundtrack nicht zusammenhält.

Das fängt schon damit an, dass ein putziger Kernphysiker einer Kindergartengruppe im bläulich schimmernden Teilchenbeschleuniger die Kollision von Atomen erklärt. Keine Ahnung, wann RTL-Redakteure zuletzt mit Vierjährigen gesprochen haben - um Teilchenphysik und „Gottesmaschinen“ geht’s da aber selten. „Wir laufen ein wenig instabil bei 14 Teraelektronenvolt“, heißt es da. Und jetzt Milchschnitte für alle.

Dann steht Hannes Jaenicke - selbstverständlich der im Unfrieden geschiedene ehemalige Sexualpartner von Christiane Paul - schwer atmend im Ascheregen, denn seine Tochter war zum Praktikum im Betriebskindergarten des Teilchenbeschleunigers. Brennende Physiker fliegen durch die Gegend, und während die Presspappe von der Decke fällt und Yvonne Catterfeld sich die Seele aus dem Leib kreischt, laufen immer noch diese Kinder herum, diesmal mit Capri-Sonne-Tüten. Und immer, wenn sich das Drehbuch im Nirgendwo verläuft, kommt heißa hopssassa ein Funkspruch herein und kleistert die logische Lücke notdürftig zu. 48 Drehtage brauchte Regisseur Hansjörg Thurn („Die Wanderhure“) für seine Klischeeparade, die er ernsthaft als Beitrag zur patriotischen Entkrampfung nach dem Vorbild US-amerikanischer Weltrettungsepen verstanden haben will.

Und so knattern die Hubschrauber, zittern die Kinder, ticken die Countdowns und knurrt der Kanzler. Man trifft sich dann irgendwann im Spaßbad „Tropical Island“ in Brandenburg, weil das hübsche Bikinibilder ermöglicht und weil dort ein Typ namens - ach, keine Ahnung. Es geht um einen Jungen, der als Einziger den Schlüssel hat, um den Teilchenbeschleuniger abzuschalten, aber ganz blöd: Er hat den Code auf seinem Computer so heftig verschlüsselt, dass ihn „nicht mal die NSA knacken könnte“. Praktisch, dass dann mitten auf dem Strand im Brandenburger Spaßbad ein Großbildschirm steht, auf dem die Bilder vom kaputten Reichstag laufen. Unterdessen lassen im Vereinsheim „Schalke-Kumpel“ in Gelsenkirchen Armin Rohde, Ingo Naujoks und Hilmi Sözer ordentlich Bierflaschen ploppen, denn das hier soll ja ein Film für Junge, Alte, Frauen und Männer sein, und Männer lassen gern Bierflaschen ploppen, auch wenn die Welt untergeht. Wo ist Bruce Willis, wenn man ihn braucht? Am Ende drohen dann große Erdaufwürfe, Deutschland in Nord-Süd-Richtung zu teilen (pfiffig!). Von da an wird’s dann etwas unglaubwürdig.

Immerhin fehlen Roland Emmerichs afrikanische Krieger, die ihre Speere in den Himmel recken. „Wir Menschen gelten als die intelligenteste Spezies“, heißt es im Prolog von „Helden“. Nach diesem Film fragt man sich allerdings einmal mehr, warum.

Medien & TV BVB-Dokumentation - Gelbsucht
Tatjana Riegler 01.10.2013
Nicola Zellmer 03.10.2013
Medien & TV Präsentation des ersten iPhone - Apple-Patent für nichtig erklärt
30.09.2013