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08:28 24.02.2014
Dritte im Bunde: Ulrike Larson (Nicolette Krebitz, l.) fordert eine Entscheidung von Ehemann Tom Larson (Jürgen Vogel) – sie weiß, dass er sie betrügt. Quelle: ZDF
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Den schmalen Text, eine bereits 1953 verfasste Kurzgeschichte des Schriftstellers Siegfried Lenz über eine Geliebte und ihren Geliebten sowie den im Watt verschwundenen Ehemann, hat der Drehbuchautor André Georgi für den 90-Minuten-Film mit zusätzlichen Personen und Handlungssträngen unterfüttert. Nur so kann das Starensemble um Jürgen Vogel und Ina Weisse sich schauspielerisch voll entfalten. Der Tote, der zu Beginn des Films am Nordseestrand gefunden wird, ist der kranke Mediziner Alexander (August Zirner).

Seine Frau Bettina (Ina Weisse) lebt im gemeinsamen Sommerhaus auf der Insel und hat ein Verhältnis mit Tom (Jürgen Vogel), der mit ihr seine Frau Ulrike (Nicolette Krebitz) betrügt. Während bei Lenz praktisch nur im Dialog zwischen Bettina und Tom das Beziehungsdrama zunehmend deutlich wird, setzt der Film als dramaturgischen Kunstgriff auf eine junge Dorfpolizistin. Maike (sehr überzeugend: Bernadette Heerwagen) will klären, ob der Tod im Watt ein Unfall, ein Selbstmord oder ein Verbrechen war.

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Das kauzig-eigenwillige Personen-Tableau ergänzen neben anderen der verwitwete Vater der Polizistin (wunderbar norddeutsch: Jan Peter Heyne) und die Tochter des Toten, die Medizinstudentin Mia, einfühlsam gespielt von Leonie Benesch. Die tragende Rolle in dem ruhigen, aber psychologisch sehr intensiven Film spielt die norddeutsche Küstenlandschaft mit weitem Horizont und rauer See. Viele Szenen wirken, als stünden die von seelischen Konflikten belasteten Protagonisten in Landschaftsbildern.

So schön und so langsam hat Regisseur Thomas Berger den Film gearbeitet – auch wenn er jedes Postkartenidyll vermeiden wollte. Lediglich vier Kamerafahrten hat Berger für den Film gebraucht, in den anderen Szenen ist die Kameraführung starr. Entstanden ist auf diese Weise eine besondere Atmosphäre. Strandgras biegt sich im Wind, die Nordsee glitzert in der Sonne, im Hintergrund beeindruckende Wolkenformationen, mal heiter, mal bedrohlich.

Immer wieder kreischen Möwen, symphonische Klänge oder Klavierspiel untermalen die Szenen und korrespondieren mit den psychologischen Zuspitzungen. Der Film lebt davon, dass vieles nicht ausgesprochen wird. Die durchweg großartigen Schauspieler müssen mimisch ausdrücken, was die Protagonisten wirklich bewegt: Verlustängste, Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung, Lebenshunger. „Die Flut ist pünktlich“ ist ein Kammerspiel an der Küste ohne Action, aber mit hoher Intensität und innerer Spannung.

Georgi hat der Lenz’schen Vorlage blutvolle Menschen hinzugefügt – charakterschwach die Männer, sehr stark die Frauen. Gedreht wurde auf den Nordseeinseln Sylt und Rømø sowie an der dänischen Küste und in Hamburg. Die Hamburger Produktion Network Movie hat im Auftrag des ZDF inzwischen außerdem den Lenz-Roman „Der Verlust“ verfilmt. Die bereits 1971 von der ARD adaptierte „Deutschstunde“ ist ebenfalls als Neuverfilmung geplant. Damit folgt das ZDF dem Ersten, das immer wieder Lenz-Stoffe – zuletzt besonders erfolgreich mit Jan Fedder – übernimmt.

 dpa

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