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Medien & TV ZDF-Intendant hält an Chefredakteur Brender fest
Nachrichten Medien & TV ZDF-Intendant hält an Chefredakteur Brender fest
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14:01 14.03.2009
ZDF-Intendant Markus Schaechter (rechts) und ZDF-Fernsehratsvorsitzender Ruprecht Polenz am Freitag in Mainz. Quelle: Martin Öser/ddp
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Er stellte sich aber zugleich klar hinter Brender. „Nikolaus Brender ist und bleibt mein Kandidat für die nächste Amtszeit des Chefredakteurs“, sagte er nach einer ZDF-Fernsehratstagung in Mainz. Weil sich aber abzeichne, dass eine Einigung nicht bis 27. März zu erzielen sei, werde er seinen Vorschlag „erst zu einem späteren Zeitpunkt einbringen“.

Brender habe dem ausdrücklich zugestimmt, sagte Schächter, der sich erstmals umfassend öffentlich zu der Debatte geäußert hatte. Er werde zudem eine unabhängige juristische Expertise in Auftrag geben, die die Kompetenzen der drei entscheidenden Organe im ZDF - der Verwaltungs-, der Fernsehrat sowie der Intendant - abklären solle. Der Fernsehratsvorsitzende Ruprecht Polenz (CDU) begrüßte Schächters Vorgehen als neue Chance für eine Einigung. Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und ZDF-Verwaltungsratsvorsitzende Kurt Beck (SPD) sowie der hessische Ministerpräsident und stellvertretende Vorsitzende des Gremiums, Roland Koch (CDU), unterstützten den Vorschlag.

Koch äußerte sich überzeugt, dass dieser Schritt „der Versachlichung der Diskussion diene“. Zugleich gehe er davon aus, „dass das Gutachten die Stellung des Verwaltungsrates mit seinen Rechten und Pflichten bestätigen wird“. Beck sagte, es sei nach den erlebten Diskussionen richtig, eine Entscheidung des Verwaltungsrates erst nach Klärung aller Gesichtspunkte herbeizuführen. Zugleich bedauerte er, dass die Verschiebung notwendig geworden sei.

Über Brenders Zukunft wird seit Wochen gestritten. Sein Vertrag läuft am 31. März 2010 aus. Er hat aber Anspruch darauf, ein Jahr zuvor zu erfahren, ob dieser verlängert wird. Darüber sollte bislang am 27. März in der Sitzung des Verwaltungsrates entschieden werden, in dem die Union eine strukturelle Mehrheit hat. Koch hatte offen eine Ablösung Brenders gefordert und dabei qualitative Argumente angeführt. Beck unterstützt dagegen Brender.

Brenders Arbeit steht nicht zur Debatte“, sagte Schächter. Der Chefredakteur stehe für Unabhängigkeit und journalistische Kompetenz, unter seiner Ägide sei das Informationsprofil des Senders deutlich ausgebaut worden. Das ZDF stehe dieses Jahr „vor besonderen journalistischen Herausforderungen, da kann ich es nicht hinnehmen, dass der Chefredakteur beschädigt wird“, sagte Schächter mit Blick auf das Wahljahr.

„Ich habe die verdammte Pflicht und den Auftrag von 98 Prozent, die mich gewählt haben, Schaden vom Sender abzuwenden“, sagte der Intendant. Dieser drohe, weil angesichts der „verhärteten Fronten“ eine Einigungsmöglichkeit bis 27. März nicht gegeben sei. Deshalb solle zunächst die Expertise eines „hochrangigen Juristen“ eine „kompetenzrechtliche Darstellung der Rücksichtnahme der Organe aufeinander“ klären. Dabei gehe es etwa um die Kriterien zur Bestellung eines Chefredakteurs und für die Herstellung der vom ZDF-Staatsvertrag vorgeschriebenen Einigung. Demzufolge macht der Intendant bei der Bestellung des Chefredakteurs dem Verwaltungsrat einen Vorschlag, dann müssen beide Einvernehmen herstellen.

Der 77-köpfige Fernsehrat stellte sich am Freitag eindeutig hinter Schächter. Polenz sagte, das ZDF sei „auf dem Weg vom Unterhaltungsdampfer zum Infosender weit vorangekommen“. In der zweistündigen, „außerordentlich sachlichen und konstruktiven“ Aussprache habe es zudem eine große Übereinstimmung gegeben, dass die öffentliche Debatte über Brender dem Sender geschadet habe. Um diesen Schaden zu begrenzen, brauche es nun „Respekt vor den Zuständigkeiten“ der verschiedenen Organe des ZDF.

ddp

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