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Medien & TV Die drei Loser vom Amt
Nachrichten Medien & TV Die drei Loser vom Amt
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07:57 28.03.2014
Symbolbild Quelle: dpa

Die deutschen Fernseh-Wochenenden werden immer mörderischer: Am Sonntagabend ist in der ARD traditionell „Tatort“-Zeit, und am Sonnabend strahlt das ZDF meist seine selbst produzierten, leider oft recht durchschnittlichen Krimis aus. Jetzt jedoch ist dem Mainzer Sender mit seiner neuen Sendereihe „München Mord“ (ein zweiter Teil ist bereits abgedreht, ein dritter in Planung) offenbar ein echter Glücksgriff gelungen. Die zum Auftakt erzählte Geschichte ist jedenfalls spannend, das Personal originell, und vor allem stimmt die Mischung aus herrlicher Situationskomik und tief menschlicher Tragik. Wenn die Reihe diese Qualität beibehält, dann erwächst dem ARD-Sonntagskrimi durchaus Konkurrenz.

Im Mittelpunkt stehen drei wunderbare kriminalistische Prachtkerle: ein Ermittlerteam aus tollen Außenseitern, die von ihrem Chef – eigentlich verständlicherweise – aufs Abstellgleis geschoben wurden. Allen voran Ludwig Schaller (Alexander Held), der einstige Leiter der Münchener Mordkommission, dem seine unkonventionellen, nein, seine aberwitzig irren Ermittlungsmethoden karrieremäßig zum Verhängnis wurden. Und der dann im Film so schöne Sätze sagen darf wie: „Wir lösen den Fall jetzt induktiv.“ Was immer das bedeutet, es hilft!

Jedenfalls wurde Schaller seines Postens enthoben und fristet nun sein Gnadenbrot, indem er alte hoffnungslose Fälle bearbeiten und dann einstellen soll. Unterstützt wird er dabei von zwei weiteren Außenseitern, mit denen im Kommissariat keiner mehr arbeiten möchte: von Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier), der es mit seinen wilden amourösen Abenteuern bis in die Boulevardpresse geschafft hat, und von Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen), die davon träumt, eine große Sängerin zu werden. Leider fehlt das Talent.

Die drei Loser vom Amt hocken nun bei ihrem ersten Treffen in einem hässlichen Büro, haben sich nichts zu sagen und greifen sich dann arg lustlos einen Fall heraus, den sie eigentlich nur abschließen sollen: In einer bayerischen Gemeinde ist vor Monaten ein Mann spurlos verschwunden, und da die Ermittlungen nichts ergeben haben, geht die örtliche Polizei davon aus, dass er seine Frau heimlich verlassen und sich nach Italien abgesetzt hat. Bei ihrem Routinebesuch in der besagten Gemeinde stoßen Flierl und Neuhauser jedoch schnell auf Ungereimtheiten und auf eine Ehefrau, die fest davon überzeugt ist, dass ihr Mann ermordet worden ist.

Kurzerhand rollen sie den Fall neu auf. Als Schaller schließlich mit seiner „induktiven“ Ermittlungsarbeit beginnt und dabei Mittel einsetzt, mit denen angeblich auch das FBI arbeitet, kommt die ganze hässliche Wahrheit ans Licht. Inszeniert hat den Film Krimi-Routinier Urs Egger nach einem Drehbuch von Alexander Adolph und Eva Wehrum. Diesem Team gelingt das Kunststück, ihre kauzigen Kommissare amüsant agieren zu lassen, ohne dabei auf abgenutzte Klischees zurückzugreifen. Wenn die weiteren Folgen dieser Reihe auf so angenehm unterhaltsame Weise in Szene gesetzt werden, könnte hier tatsächlich die von Autor Adolph angedachte „neue Art von Kriminalfilm“ entstehen: Filme „mit Humor und bayerischem Einschlag, jedoch ohne das bayerisch Volkstümelnde – und in der Überzeugung, dass dem Tod an sich nichts Lustiges anhaftet“. Man darf gespannt sein.

Von Ernst Corinth

München Mord“ | ZDF
Krimi mit Alexander Held
Sonnabend, 20.15 Uhr

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