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20:32 26.01.2014
Von Ernst Corinth
Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft: Inspektor Jury (Fritz Karl, links) und Melrose Plant (Götz Schubert). Quelle: ZDF
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Der Hexer hat zumindest Mitschuld: Seit den beliebten Edgar-Wallace-Krimis (1959 bis 1972) versucht sich das deutsche Fernsehen immer wieder mal an vermeintlich typisch britischen Stoffen, die dann jedoch komischerweise vorwiegend mit deutschsprachigen Schauspielern inszeniert werden. Was bisweilen nicht nur bei anglophilen Zuschauern zu einem heftigen Kulturschock führt.

Das jüngste Beispiel liefert nun das ZDF mit „Inspektor Jury - Der Tote im Pub“ - wobei Vorlage „Inspektor Jury schläft außer Haus“ ebenfalls nicht von einem Engländer stammt, sondern von der 1931 geborenen amerikanischen Autorin Martha Grimes. Seit 1981 hat die Literaturprofessorin insgesamt 22 Inspektor-Jury-Romane verfasst, die im Original alle nach real existierenden Pubs (hier: „The Man With a Load of Mischief“) benannt sind.

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Den britischen Ermittler Richard Jury spielt - wenngleich die Produktion doch ein wenig an die vor Kitsch triefenden Pilcher-Verfilmungen des ZDF erinnert - ganz überzeugend der Österreicher Fritz Karl. Er zeigt einen Inspektor Jury, der ähnlich introvertiert, wortkarg und muffelig ist, wie er auch in den Büchern beschrieben wird. Jury gilt als bester Mann Scotland Yards. In seinem ersten Fall, der auch Teil eins der Romanvorlage ist, wird er in die südenglische Provinz geschickt. Ins idyllische Bilderbuchdörfchen Long Piddleton, wo er nicht nur mit erstaunlich trinkfesten Einwohnern, sondern natürlich mit einer seltsamen Mordserie konfrontiert wird: Besucher sind scheinbar grundlos dahingemeuchelt und ihre Leichen vom Mörder theatralisch präsentiert worden.

Verdächtig ist fast jeder in Long Piddleton: der Wirt des Gasthofes, der nicht so recht in die provinzielle Umgebung zu passen scheint, der Antiquitätenhändler, der früher mit Drogen gehandelt hat, die hübsche Vivian (Julia Brendler), die an ihrem kurz bevorstehenden Geburtstag ein Millionenvermögen erbt und der reiche, spleenige Adelige Melrose Plant (Götz Schubert), der es schafft, das anspruchsvolle Kreuzworträtsel der „Times“ in weniger als 15 Minuten zu lösen. Und auch seine aus den USA stammende Tante (Katharina Thalbach) ist nicht ohne.

Bei seinen Ermittlungen kommt unser Inspektor, der sich wie die meisten großen Detektive der Vergangenheit vor allem auf seinen Instinkt verlässt, dennoch nicht so recht weiter. Eine große Hilfe ist auch sein Assistent nicht: Sergeant Wiggins (Arndt Schwering-Sohnrey) ist furchtbar verschnupft und oft damit beschäftigt, auf seinem Laptop bei Doktor Google nach Krankheitsbildern zu fahnden.

Wer es ein wenig altmodisch mag, also auf schrille Töne und schnelles Tempo gern mal verzichtet, wird sich von diesem „Inspektor Jury“ gut unterhalten fühlen. Und dass typisch britische Charaktere von deutschsprachigen (und durchweg gut aufspielenden) Mimen verkörpert werden, stört nur anfangs ein wenig. Inszeniert hat die ziemlich antiquiert wirkende Geschichte Regisseur Edzard Onneken zum Glück mit leichter Ironie. Bisweilen greift er sogar zu parodistischen Mitteln, wenn etwa im örtlichen Pub immer dieselbe ältere Frau betrunken vom Barhocker fällt.

Über den leicht melancholischen Titelhelden erfährt man in diesem ersten Fall, dem womöglich weitere ZDF-Verfilmungen folgen werden, nicht allzu viel. Allerdings ahnt man schon, dass der Inspektor und der kauzige Millionär Melrose mal dicke Freunde werden. Den Anstoß dazu liefert ein heftiges Trinkgelage. Cheers!

Von Ernst Corinth

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