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Medien & TV ZDF zeigt „Liebesjahre“ mit Nina Kunzendorf und Iris Berben
Nachrichten Medien & TV ZDF zeigt „Liebesjahre“ mit Nina Kunzendorf und Iris Berben
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19:37 04.12.2011
Vor dem Sturm: Noch haben Lina (Nina Kunzendorf) und Uli (Peter Simonischek) gut Lächeln. Quelle: ZDF
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Mainz

Das Fernsehen kann, falls es sich mal traut, wirklich relevant sein. Wenn das Drehbuch von Belang ist und seine Umsetzung, wenn das Ensemble beides sogar versteht und entsprechend umsetzt, wenn sich die Effekte hinter der Handlung einordnen und nicht umgekehrt. Wenn kurzum Respekt voreinander herrscht, alle einander ernst nehmen, wenn es in wenigen Worten: ums große Ganze geht. „Kammerspiel“ ist dafür meist nicht der schlechteste Begriff.

Matti Geschonnecks („Silberhochzeit“, „Wer liebt, hat Recht“) beschwingter Beziehungsfilm „Liebesjahre“ ist so ein gelungenes „Kammerspiel“. Dieses liegt nicht zuletzt an vier Hauptdarstellern der Extraklasse: Peter Simonischek, Axel Milberg, Nina Kunzendorf und Iris Berben. Diese exzellenten Schauspieler – und nur sie – füllen die Vierecksgeschichte von Autor Magnus Vattrodt mit einer Art Lebens- und Spiellust, die andere Teams nicht mal mit der tollsten Effekthascherei erzielen. Nach zehnjähriger Trennung trifft sich das heillos zerstrittene Expaar Vera (Berben) und Uli (Simonischek) in ihrem prächtigen Landhaus, um den Haushalt endlich aufzulösen, der als eine Art steinerner Kitt am Nordseestrand noch immer die endgültige Abnabelung voneinander behindert. Seine langen Fluchten, versteckten Ecken, luftigen Zimmer machen das Kammer- zum Großraumspiel und die Villa zum fünften Hauptdarsteller, den zu allem Unglück für etwa 24 Stunden noch die neuen Partner der alten Eheleute bevölkern: die deutlich jüngere Johanna (Kunzendorf) und der jung gebliebene Schauspieler Darius (Axel Milberg) sorgen in wenigen Stunden – mal gewollt, mal unterbewusst – dafür, alte Verletzungen aufbrechen und neue entstehen zu lassen.

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Und wie ihre Darsteller das tun, wie sie Wortgefechte ausfechten, von ironischer Distanz zu emotionaler Nähe vor, zurück, in jede Richtung springen, um sich dabei ineinander zu verhaken wie Silben im Schachtelsatz – da zeigt sich, dass Dialogfernsehen auch dann gelingen kann, wenn nicht alles daran schlüssig ist. Denn natürlich ist die Konstellation vier einander überwiegend völlig unbekannter Personen, die unentwegt Schlagfertigkeiten auf höchstem Niveau austauschen, ziemlich konstruiert. Natürlich ist es selbst unter Fremden mindestens ungewöhnlich, ständig alle Gefühle auf den Tisch zu packen. Und natürlich können auch die gebildetsten Menschen nicht ständig klug daherreden, wie es diese hier unablässig tun.

Aber – was soll’s! Hier wird wenigstens geredet. Hier gibt es Austausch und Empathie, statt immer bloß coole Sprüche und Explosionen. Außerdem wird die bisweilen doch allzu versierte Altlastenanalyse von Vera und Uli ja regelmäßig erfrischend vom leichtfüßigen Filou Darius entschlackt, der die brüchige Johanna schon mal fragt, ob sie nicht „rumknutschen“ wolle und dafür den wohl bezauberndsten Korb der Fernsehgeschichte erntet.

Da macht das Zuschauen fast die gesamten 90 Minuten lang Spaß. Schade nur, dass auf diesem Sendeplatz und bei diesem Sender wie immer wohl nur nur die öffentlich-rechtliche Zielgruppe 50+ einschalten wird. Den Jüngeren entgeht eine Menge.

Liebesjahre“ | ZDF
Film mit Nina Kunzendorf und Iris Berben
Montag, 20.15 Uhr

Jan Freitag

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