Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV ZDF zeigt „Stauffenberg - Die wahre Geschichte“
Nachrichten Medien & TV ZDF zeigt „Stauffenberg - Die wahre Geschichte“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:15 12.01.2009
Szene aus "Stauffenberg - Die wahre Geschichte" mit Peter Becker in der Hauptrolle Quelle: Oliver Halmburger/ZDF
Anzeige

Ein Film, der hierzulande schon bei den Dreharbeiten für reichlich Schlagzeilen und Diskussionen gesorgt hat. Kurz vor Kinostart zeigt das ZDF am Dienstag (13. Januar) um 20.30 Uhr den ersten Teil des Doku-Dramas „Stauffenberg - Die wahre Geschichte“ mit dem Untertitel „Der Attentäter“. Eine Woche später, am 20. Januar, folgt der zweite Teil „Das Attentat“ ab 20.15 Uhr.

Das actionbetonte Hollywood-Heldenepos konzentriert sich auf die Planung und Ausführung des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 in dessen Hauptquartier Wolfsschanze in Ostpreußen und den damit verbundenen Staatsstreich. Die ZDF-Autoren Oliver Hamburger und Christian Frey rücken dagegen die persönliche Entwicklung des Menschen Claus Schenk Graf von Stauffenberg, „dessen Profil von Wegbegleitern und Familienangehörigen gezeichnet wird“, in den Mittelpunkt.

Das zweimal 45 Minuten lange Doku-Drama aus der Werkstatt des ZDF-Chefhistorikers Guido Knopp hängt die Latte allerdings recht hoch, wie der etwas anmaßende Titel signalisiert. Davon abgesehen erweist sich die Produktion als ernsthafte, solide recherchierte und detailgenaue Biografie des schwäbischen Berufsoffiziers, der mit seiner deutsch-nationalen Gesinnung während des Zweiten Weltkrieges zunehmend auf Distanz zum NS-Regime ging.

Die mörderische Judenverfolgung, die brutale Besatzungspolitik und schwere Fehler der militärischen Führung ließen in Stauffenberg, das arbeitet der Film prägnant heraus, die Überzeugung reifen, dass Deutschland nur zu retten sei, wenn Hitler getötet werde. Nach mehreren gescheiterten Anläufen platzierte Stauffenberg, unterstützt von einem kleinen Kreis von Verschwörern, eine Bombe im Führerhauptquartier, bei deren Explosion Hitler jedoch nur leicht verletzt wurde. Die Revolte scheiterte, Stauffenberg und drei Widerständler wurden Stunden später erschossen.

Hamburger und Frey haben nach aufwendiger Suche eine Vielzahl von Zeitzeugen aufgespürt, die Auskunft über Stauffenbergs Person und Leben geben. Seine Kinder, Freunde der Familie, Weggefährten, Fahrer, Ordonnanzoffiziere helfen mit ihren Erinnerungen bei Antworten auf die entscheidende Frage: Wie wurde er zum Attentäter?

Zu Wort kommt auch Ewald von Kleist, der letzte noch lebende Mitverschwörer und Augenzeuge des Attentats. Alle bezeugen die aufrichtige Gesinnung und den Opfermut Stauffenbergs, der bereit war, für das Wohl des deutschen Volkes und die Zukunft Deutschlands sein Leben hinzugeben und das seiner Frau und vier Kinder zu riskieren.

Den stärksten Eindruck hinterlässt die jüngste Stauffenberg-Tochter Konstanze von Schulthess-Rechberg, die erst nach seinem Tod geboren wurde. Sie macht mit ihren klugen Anmerkungen auch die politische Dimension des Anschlags deutlich, wenn sie sagt: „Ich habe in meiner ganzen Jugend nie aufwachen und meinen Eltern vorwerfen müssen: Warum habt ihr nichts getan? Sie haben gezeigt, dass es in Deutschland auch Menschen mit Gewissen gab.“

Die Schlüsselmomente im Werdegang Stauffenbergs stellen die Regisseure Oliver Hamburger und Marek Brodzki mit Schauspielern nach. Der Stauffenberg-Darsteller Peter Becker agiert jedoch durchweg zu steif und widerspricht so dem Off-Kommentar, der Stauffenberg als lebensfrohen und gern lachenden Mann charakterisiert.

Zu oft verschwendet der Zweiteiler außerdem wertvolle Sendezeit für kitschige Idyllen mit spielenden Kindern auf grünen Wiesen oder sentimentalen Abschiedsszenen. Dafür enthält der Film vor, was die berüchtigte „Sippenhaft“ bedeutete und was die Nazis den Angehörigen des Attentäters antaten. Insgesamt drängen sich die plakativen Spielszenen zu stark in den Vordergrund und verwässern so ein ansonsten überzeugendes Porträt, das eine Reihe neuer Erkenntnisse bringt und verständlich herausarbeitet, warum Stauffenberg als Held gelten darf. In der Tat gibt seine Tat noch heute „Grund für stillen Stolz“, wie Knopp zurecht betont, „wir atmen etwas freier, weil es ihn gegeben hat.“

ddp

12.01.2009
13.01.2009
12.01.2009