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Medien & TV ZDF zeigt deutsche Kriegsgeschichte in Farbe
Nachrichten Medien & TV ZDF zeigt deutsche Kriegsgeschichte in Farbe
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15:16 18.09.2012
Kaiser Wilhelm II. (vorne rechts) verleiht bei einem Frontbesuch Orden an deutsche Soldaten – Standbild aus einem deutschen Propagandafilm. Quelle: ZDF/Transit-Film München
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Hamburg

In drei Staffeln widmet sich Knopp der deutschen Geschichte von 1914 bis 1945, die er als „Dreißigjährigen Krieg des 20. Jahrhunderts“ präsentiert. Neben den bekannten Stilmitteln des Histotainments sollen kolorierte Filmaufnahmen die Geschichte der beiden Weltkriege lebendig werden lassen.

Geschichtsaufklärung für die breite Masse - diesem Anspruch bleibt Guido Knopp in seiner letzten Reihe „Weltenbrand“ treu. Die Mittel, die das Publikum in den Bann der Geschichte ziehen sollen, sind bewährt: eine Mischung aus historischen Bildern und nachgespielten Szenen, Zitaten von Zeitzeugen, Expertenwissen, Animationen und plakativen Kommentaren zu dramatischer Musik.

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„Es ist der Sommer, in dem Europa Selbstmord begeht“, heißt es in der ersten Folge mit dem Titel „Sündenfall“, die den Weg in den Ersten Weltkrieg beschreibt. Der Kommentar verleiht der Filmsequenz aus dem Jahr 1914, in der sich Badegäste im Wannsee vergnügen, den Eindruck fataler Naivität. Experten erläutern dem Publikum, wie historische Personen zu dem werden konnten, was sie später waren: „Der Erste Weltkrieg scheint auch den letzten Rest menschlicher Wärme in ihm zerstört zu haben“, sagt Biograf Ian Kershaw über Adolf Hitler. Und der Kommentator, stets dem Geschehen einen Schritt voraus, scheint mit Blick auf die rund 90 Jahre alten Bilder Fußball spielender Jungen zu spät zu warnen: „Wie viele dieser kleinen Kicker werden später fallen - im Zweiten Weltkrieg?“

Das Grün des Fußballplatzes, den roten Ballon in der Menge der Zuschauer verdanken Knopp und seine Mitarbeiter der ruhigen Hand eines Spezialisten, der die historischen Szenen koloriert hat. Auch dieses Novum im deutschen Geschichtsfernsehen soll dazu dienen, den historischen Stoff lebendiger und für das Publikum interessanter zu machen. „Diese Bearbeitung des historischen Materials ist keine Manipulation, sondern eine technische Verbesserung“, erläutert Guido Knopp in einem schriftlichen Vorwort zum Film und greift damit seinen Kritikern vor. Es gehe darum, die Bilder „aus der Verfälschung der Wirklichkeit, die ja schwarz-weiß bedeutet, in die Wirklichkeit zurück zu holen“, erläutert der ZDF-Historiker beim Pressegespräch in Hamburg.  

Vorwurf der „Geschichtspornografie“  

Das Publikum soll sich einfühlen in die Geschichte, es soll miterleben, was damals war - der Anspruch, den der Experte Knopp erhebt, ist ebenso umstritten wie die Methoden, die er dazu verwendet. „Geschichtspornografie“ wirft ihm der amerikanische Historiker Wulf Kantsteiner vor, andere lasten ihm an, er beute die Geschichte aus wie eine Kolonie oder stelle die Deutschen als ahnungslose Opfer der historischen Umstände dar.

Guido Knopp aber bleibt dabei: Er und sein Team arbeiteten stets „nach bestem Wissen und Gewissen“ und gäben ihr bestes, um sich der historischen Wirklichkeit anzunähern. Mehr könne Geschichtsfernsehen nicht leisten, sagt Knopp: „Dass Filme Wirklichkeit hundertprozentig spiegeln, ist kaum möglich.“ Der Zweck, möglichst viele Menschen mit der Geschichte ihres Landes vertraut zu machen, heilige die Mittel, derer sich die kreativen Geschichtsschreiber bedienten - davon ist der Geschichtsexperte des ZDF nach wie vor überzeugt.

Nun räumt Guido Knopp den Chefsessel in der Redaktion Zeitgeschichte des Senders. Seit 1984 hat er den Posten inne, am 31. Januar endet nach mehr als dreißigjähriger Anstellung beim ZDF sein Vertrag. Zur Ruhe setzen will sich Knopp dennoch nicht. Über die Angebote, die bereits vorlägen, wolle er noch keine Angaben machen, sagte er im Gespräch mit dapd. Jedoch habe seine künftige Tätigkeit „auf jeden Fall mit Geschichte und sehr wahrscheinlich auch mit Fernsehen zu tun“.

Das ZDF zeigt Guido Knopps achtteilige DokumentarreiheWeltenbrand“ ab dem 18. September dienstags jeweils um 20.15 Uhr.

dapd/frs

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