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Medien & TV arte zeigt „Die Kennedys“
Nachrichten Medien & TV arte zeigt „Die Kennedys“
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06:15 28.07.2012
Nach dem gescheiterten Einsatz von amerikanischen Guerilla-Truppen in der Schweinebucht legt Jack (Greg Kinnear) öffentlich Rechenschaft ab. Quelle: dpa
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Hannover

Drogen, so viele Drogen. „Wenn die wüssten, wie zugedröhnt ich bin, hätten die mich schon längst aus dem Land gejagt“, sagt John F. Kennedy. Der mächtigste Mann der Welt ist ohnmächtig vor Schmerz. Der Rücken lässt ihn nicht stehen, nicht sitzen. Aber ein Präsident, der sein Land im Liegen regiert? Also muss er weitermachen. JFK, der Junkie.

Die mit vier Emmys ausgezeichnete Miniserie „Die Kennedys“, die arte ab heute ausstrahlt, erzählt das Leben der wohl berühmtesten amerikanischen Familie. Die Serie ist mit zahlreichen Stars wie Katie Holmes und Tom Wilkinson besetzt. Die acht Episoden, von denen arte heute die ersten drei zeigt, konzentrieren sich auf die Zeit vom Wahlkampf John F. Kennedys für das Weiße Haus im Jahr 1960 über das Attentat von Dallas 1963 bis zur Ermordung seines Bruders Robert 1968. Rückblenden beschreiben wichtige Ereignisse wie den Tod von Joe Jr., dem Lieblingssohn des Patriarchen Joe Kennedy.

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Arte zeigt ab dem 26. Juli die preisgekrönte Serie „Die Kennedys“ von Stephen Kronish.

JFK-Darsteller Greg Kinnear zeigt den 35. Präsidenten der USA mit all seinen Widersprüchen. Beim Weg JFKs vom smarten, hübschen, aber doch schüchternen Hans-guck-in-die-Luft zum Machtmenschen und untreuen Ehemann wird Kinnears Mimik immer feiner. Trotz der beeindruckenden Präsenz bleibt sein JFK kaum greifbar – und kommt dem Original damit wohl sehr nahe.

Dass man eine Woche warten muss, ehe die nächsten Episoden laufen, ist nur schwer auszuhalten – was angesichts des historischen Plots besonders beeindruckend ist. Schließlich dürften die meisten im Groben wissen, wie das mit den Kennedys ausgeht. Diese Spannung erinnert an das grandiose Timing der Echtzeitserie „24“. Kein Wunder, erfand „Die Kennedys“-Produzent Joel Surnow doch „24“ und schrieb viele Drehbücher der Serie. Auch Regisseur Jon Cassar und Autor Stephen Kronish waren bei Kiefer Sutherlands adrenalinreichen Wettlauf gegen Terroristen bereits dabei.

Glück und Leid, sie stehen eng beisammen im Leben der Kennedys. Rose Kennedy (Diana Hardcastle) ist ganz die stolze Clanchefin, die im Hintergrund das dirigiert, was ihrem Mann Joe nicht wichtig erscheint. Sie erwischt Joe, als der eine Assistentin küsst. Rose wünscht ihr eine gute Nacht. So wie Patriarch Joe von seinen Söhnen verlangt, für die Sache der Kennedys eigene Pläne zurückzustellen, verlangt Rose von ihren Schwiegertöchtern, zu schweigen und zu lächeln.

Diesen Preis der Macht zahlt auch Jacky Kennedy. In der US-Presse gab es zu Beginn der Dreharbeiten Zweifel, ob Katie Holmes der Ikone Jacky Kennedy gerecht werden könne. Sie kann. Vielleicht auch, weil sie das Leben neben Tom Cruise für diese Rolle vorbereitet hat. Holmes zeigt all das Leid und all den Stolz von Jacky, die den Kennedy-Clan manchmal nur mithilfe von Drogen ertrug.

Bei den „Kennedys“ fühlt sich der Zuschauer wie heimisch im Weißen Haus. Etwa, wenn John F. Kennedy nach einem Arbeitstag in die Privatgemächer des Amtssitzes zurückkommt und nicht weiß, was Pest, was Cholera ist: Ein Krieg mit der Sowjetunion ist keine gute Idee. Eine Mauer durch Berlin auch nicht. Ein Präsident muss sich immer zwischen zwei schlechten Möglichkeiten entscheiden, sagt JFK.

Bei den „Kennedys“ sind alle zentralen Figuren exzellent besetzt. Tom Wilkinsons Joe Kennedy Sr. ist ein getriebener Egomane, der seine unvollendete Karriere – er sah sich selbst im Präsidentenamt – von seinen Söhne fortsetzen lassen will. Nach innen einem Vulkan gleich, ständig davor, auszubrechen, zeigt seine öffentliche Fassade nur selten Regung, etwa, wenn Kennedy sich von einer Mafiagröße demütigen lässt. Als Frank Sinatra (Chris Diamantopoulos) Angst um seine Karriere hat und Kennedy bittet, ein Wort für ihn einzulegen, bleibt der kühl: „Da wird dein Kumpel Dean Martin wohl ein paar Platten mehr verkaufen.“

Der eigentliche Star der Serie ist aber Barry Pepper, der den Emmy als Robert F. „Bobby“ Kennedy zu Recht gewann. Pepper zeigt den 1968 ermordeten Sohn des Patriarchen Joe als lustigen, aber äußerst zähen Kämpfer für seine christlich-liberalen Wertvorstellungen. Seine Darstellung ist das Glanzlicht dieser herausragenden Serie.

Neben dem Blick hinter die weißen Mauern der Macht und dem sensiblen Porträt einer Familie zeichnet „Die Kennedys“ ein feines Bild der sechziger Jahre in den USA. Die Reihe erlaubt – auch durch den Einschub von Originalbildern – den Blick auf eine zerrissene Gesellschaft voller Tabus, Rassismus und Korruption. Gleichzeitig zeigt die Serie Aufbruch und einen Liberalismus, der es langsam vom bloßen Wort zur Realität schafft.

In den USA kam die 30 Millionen Dollar teure kanadisch-amerikanische Produktion mit Verzögerung ins Fernsehen. Der History Channel sprang ab, der kaum bekannte Sender ReelzChannel übernahm. Medien spekulierten, die Kennedys haben eine Ausstrahlung verhindern wollen. Der Familie soll besonders die detaillierte Darstellung des Drogenmissbrauchs, auch durch die First Lady, missfallen haben. Es war eben nicht leicht, Frau Kennedy zu sein. „Die Männer, die wir geheiratet haben, haben große Fähigkeiten“, sagt Rose Kennedy in der Serie einmal, „aber auch große Fehler.“

Gerd Schild

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