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Medien & TV arte zeigt ab Montag „Auf Reisen mit Tim und Struppi“
Nachrichten Medien & TV arte zeigt ab Montag „Auf Reisen mit Tim und Struppi“
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16:52 19.09.2010
Von Heike Manssen
Unterwegs zwischen den Welten: Auf der Spur einer Opiumschmugglerbande durchquert Tim die ägyptische Stadt Port Said.
Unterwegs zwischen den Welten: Auf der Spur einer Opiumschmugglerbande durchquert Tim die ägyptische Stadt Port Said. Quelle: arte
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Komische Frisur, komische Hosen, komischer Kerl: Der Reporter, der nie schreibend am Schreibtisch gesehen wurde, ist eine der weit gereisten Figuren des 20. Jahrhunderts. Er ist ein nie alternder, familiär ungebundener junger Mann, dem sein Schöpfer, der Belgier Hergé (1907–1983), den Namen Tintin gab und der deutschen Comicfans unter dem Reihentitel „Tim und Struppi“ geläufig ist. Tims Abenteuer haben sich bislang mehr als 230 Millionen Mal verkauft, sie wurden in über 80 Sprachen übersetzt. In Zusammenarbeit mit der Hergé-Stiftung Moulinsart, die den Nachlass des Zeichners verwaltet, hat der Sender arte nun eine fünfteilige Dokumentationsreihe unter dem Namen „Auf Reisen mit Tim und Struppi“ koproduziert.

In den fünf 43-minütigen Folgen wird die Geschichte eines Albums an den jeweiligen Originalschauplätzen nacherzählt. Zeichnungen aus den Heften werden in reale Filmszenen eingebettet, Archivbilder und Interviews eingestreut. Das ist ein aufwendiges und ein spannendes Unterfangen, dieser Spagat zwischen Comicwelt und Realität. Es dauert etwas, bis man sich eingesehen hat und die Sprünge von der einen in die andere Welt mühelos mitmacht. Doch gerade in der ersten Folge „Die Zigarren des Pharaos“ gelingt dies nicht immer. Zu dicht versucht Regisseur Marc Temmerman auf den Spuren von Tim durch Ägypten und Indien zu bleiben. Wer die Comics kennt, weiß, wie schwierig dies angesichts der teilweise undurchsichtigen Handlungsstränge sein kann. Und was in der ersten Folge an Dokumentationscharakter noch zu kurz kommt, wird in den anderen Filmen nachgeholt.

Im zweiten Teil „Der blaue Lotus“ rückt neben der erzählten Handlung der Zeichner Hergé, die Quellen seiner Inspiration und der geschichtlichen Kontext mehr in den Vordergrund. Und das ist wichtig, denn ohne all diese Informationen lassen sich auch die Comics mit ihren Figuren nicht hinreichend einordnen. Wären die Filmemacher allerdings mit Tim in den Kongo gereist, hätten sie sicher noch einiges mehr erklären müssen. Hergé werden in der Kongo-Geschichte der dreißiger Jahre unter anderem Rassismus und Gewaltverherrlichung vorgeworfen.

Die stärkste Folge der Dokumentationsreihe ist die letzte – „Tim in Tibet“, bei der Florence Tran Regie führte. In dieser Episode beschließt der reisende Reporter, sich auf die Suche nach seinem Freund Tschang zu machen, der nach einem Flugzeugabsturz in Nepal verschollen ist. Gemeinsam mit Foxterrier Struppi und Kapitän Haddock begibt sich Tim in die Gebirgswelt des Himalajas. Es ist wohl das persönlichste Album von Hergé. Der Zeichner, der tatsächlich seinen Freund in den chinesischen Revolutionswirren aus den Augen verloren hat, befindet sich in einer persönlichen Krise. Hergé fühlt sich ausgebrannt, seine Ehe ist kaputt, und er will sich von seiner allzu perfekten Figur Tim lösen. Entgegen ärztlichem Rat setzt er seine Arbeit dennoch fort. Seine Zerrissenheit, die Depressionen – all das verarbeitet der Zeichner in „Tim in Tibet“.

Erst 25 Jahre nach Erscheinen des Albums und 45 Jahre nach dem letzten Treffen der beiden, sieht Hergé seinen Freund Tschang wieder. Dieses Wiedersehen ist eine sehr bewegende, wenn auch kurze Szene in der Dokumentation.

Neues vom Reporter gibt es übrigens im nächsten Jahr. Der bekennende „Tim und Struppi“-Fan Steven Spielberg hat „Das Geheimnis der, Einhorn‘“ in 3-D-Technik verfilmt. Wer aber schon jetzt mit Tim auf Reisen gehen will – und zumindest Fans sollten das unbedingt tun – kann am Montag starten. Zunächst geht es nach Ägypten („Die Zigarren des Pharaos“), am Dienstag nach China („Der blaue Lotus“), Mittwoch dann nach Marokko („Die Krabbe mit den goldenen Scheren“), am Donnerstag nach Peru („Der Sonnentempel“) und zum Abschluss der Reise am Freitag nach Nepal („Tim in Tibet“).

„Auf Reisen mit Tim und Struppi“ | arte
Dokumentationsreihe
Montag bis Freitag, 19.30 Uhr