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Fernsehen Dschungelcamp: Töpperwien muss dank Ego-Anfall in die Prüfung
Nachrichten Medien Fernsehen Dschungelcamp: Töpperwien muss dank Ego-Anfall in die Prüfung
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00:26 14.01.2019
Chris Töpperwien Quelle: Stefan Menne/RTL
Hannover

Die multimediale Gegenwart ist, mal abgesehen vom Zwang, permanent präsent zu sein, vor allem von einem geprägt: ununterbrochener, äußerst lautstarker, vorwiegend rücksichtsloser Gehässigkeit. Wer Rückgrat zeigt, gar humanistische Haltung und Charakter, kriegt im Schutz der digitalen Anonymität postwendend die brutale Wucht des Internet zu spüren. Nur eine Wesensregung ist noch anfälliger für Shitstürme als Meinungsstärke: Verletzlichkeit.

Pech für Gisele Oppermann.

Vom Boulevard der Schadenfreude genüsslich als „Heulsuse“ ins Dschungelcamp geschickt, wurde Heidi Klums anorektisches Zuchtmodel ihrem Label bereits bei der ersten Prüfung so passgenau gerecht, dass sie gleich noch in die zweite gewählt wurde und die dritte und … weil sich das Publikum seit Giseles Topmodel-Kollegin Sarah Knappik vor acht Jahren Staffel für Staffel stets ein besonders erbärmliches Opfer aussucht, um es Folge für Folge ins Madenbad zu schicken, scheint der Weg für Gisele Oppermann in der 13. Ausgabe „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ also vorgezeichnet. Da dürften selbst ihre Luxusgegenstände helfen. Aber gut – gegen die Boshaftigkeit der multimedialen Gegenwart helfen ohnehin weder Talismann noch Kuscheltier.

Weiter geht es im Dschungelcamp. Auch am dritten Tag ging es wieder hoch her in Australien.

Bis zur gestrigen Dschungelprüfung jedoch musste der schöne Domenico de Cicco erstmal sein Stillkissen abgeben und was für den wohlfrisierten Ex-Bachelorette-Kandidaten gewiss noch viel schlimmer ist: das geliebte Haargel. Als Teamchef nämlich macht ihn RTL dafür verantwortlich, dass sein Team verabscheuungswürdige Verbrechen verübt hat. Tagsüber geschlafen etwa wie Sibylle Rauch oder Zigaretten geteilt wie Gisele. Furchtbar! Letztere soll nach Domenicos verblüffend gradliniger Standpauke („Kritik, aber sachlich“) dann in ein Schiffswrack voller Schwimmgetier tauchen, was sie allerdings mit so bemitleidenswerter Empfindlichkeit verweigerte, dass es am Abend nur Reis und Bohnen gab. Gar nicht gut für die Stimmung im Camp, gar nicht gut…

Auswanderer im Dauerstreit

Aber irgendwie ja auch schon mal ein spannender Praxistest für die Zeit nach dem Klimawandel. Wenn sich selbst ausgemachte Konsumgören wie die meisten der heurigen Dschungelbewohner wegen fortgesetzter Nulldiät nicht kanibalisieren, könnte es auch nach dem Zusammenbruch der globalen Nahrungsmittelproduktion noch irgendwie weitergehen mit der Menschheit. Bis dahin aber herrscht dank eines gespenstisch konfliktfördernden Castings aus dem Saft eigener Castingformate ein innerkultureller Clash unzivilisierter Alphatiere, der sich halt nur nicht gewaschen hat.

Dass es zwischen den bachelorerfahrenen Ex-Lovern Evelyn (RTL) und Domenico (auch RTL) bald mal so richtig knallt, ist nach der gestrigen Zickerei ja nur eine Frage von Zeit und Regie. Aber die berufseitlen Facebook-Feinde Bastian und Chris gerieten schon gestern im Streit um künstlich verknappte Feldbetten so aneinander, dass die beiden Auswanderer (Vox) fast physisch aneinander geriet. Und das war noch gar nichts gegen den Episodenauftakt, als Bastians Motivationsfrühsport „Mircacle Morning“ die Gruppe erst hälftig geteilt und dann in den sarkastischen Infight gelockt hat.

Seither wissen wir dank Evelyns sensationeller Erklärung des sozialdarwinistischen Tagesstartcoachings, dass „healthy“ nicht gesund, sondern „wunderbar“ heißt und wie „hilty“ ausgesprochen wird. Vor allem aber ist nach den gestrigen zwei Stunden klar, dass der schweigsame Schlagerveteran Peter Orloff wohl einfach irgendwann lautlos aus dem Camp verweht wird, während der stille Debattenverweigerer Felix von seiner immensen GZSZ-Fanbase ins Finale getragen wird. Und alle anderen? Kamen bis auf die weinende Ex-Schauspielerin Doreen im Dschungeltelefongeständnis familiärer Probleme praktisch nur dann kurz vor, falls RTL ihre Namen mit der zugehörigen Telefonnummer zum Anrufen verlas. Aber so erfuhr man immerhin, dass Sandra und Sibylle, Leila und Tommi offenbar doch noch im Camp sind.

Ob das künftig auch für Gisele gilt, steht dagegen noch in jenen Sternen, die sie heute vermutlich wieder nicht sammelt, wenn das empfindsame Wesen abermals in die Dschungelprüfung muss. Der gehässige Teil des RTL-Publikums – also die meisten – hat entschieden. Zum Heulen! Wenngleich nicht nur für Gisele. Denn der egoistische „ich-teil-mein-Bett-mit-niemanden“-Streithammel Chris wird sie begleiten.

Von RND/Jan Freitag

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