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14:37 20.03.2013
Götz George feiert laut "Bild"-Zeitung ein Schimanski-Comeback - mit 74 Jahren. Quelle: dpa
Duisburg

Der Mann redet Klartext - und das seit mehr als 30 Jahren. „Du Idiot, hör auf mit der Scheiße!“ war der erste Satz, den Götz George als Hauptkommissar Horst Schimanski in seinem Fernsehdebüt am 28. Juni 1981 sagte. Mit dem „Tatort: Duisburg-Ruhrort“ begann damals ein neues Kapitel deutscher Fernsehgeschichte. Voraussichtlich noch in diesem Jahr wird der inzwischen 74-Jährige als Schimanski in der gleichnamigen Reihe auf den Bildschirm zurückkehren. Drehstart für Schimanskis neuesten Fall mit dem Arbeitstitel „Loverboy“ ist nach Angaben des WDR am 22. Mai.

Die Erfolgsgeschichte Schimanskis startete 1981 mit viel Aufregung. Denn noch während der Ausstrahlung der Sendung erhielt der WDR Hunderte Anrufe empörter Duisburger, die sich über die Darstellung ihrer Stadt beschwerten. Der raue „Bulle“ mit dem großen Herzen für Verlierer polarisierte: „Der Ruhrpott kocht: Sind wir alle Mörder oder Trinker?“ fragte die „Bild am Sonntag“, während die „Neue Ruhr Zeitung“ forderte: „Werft den Prügel-Kommissar aus dem Programm!“ Später wurden akribisch Strichlisten geführt, wie oft Schimanski das schlimme „Sch...“-Wort verwendet.

Götz George feiert laut "Bild"-Zeitung ein Schimanski-Comeback - mit 74 Jahren. Die erste Folge mit George in dieser Rolle wurde am 28. Juni 1981 ausgestrahlt. Bis 1991 wurden 29 Schimanski-"Tatort"-Folgen gezeigt.

„Mich hat immer das Neutrale der Kommissar-Figuren genervt, die in ihrem Trenchcoat herumliefen. Die zwar immer traurig geguckt haben, aber dann doch nicht in den Fall involviert waren“, erzählte Regisseur Hajo Gies, einen der Erfinder der Figur, in einem Interview. Deshalb seien alle Schimanski-Krimis ausschließlich aus der Perspektive des Kommissars erzählt. Das private Verhältnis Schimanskis zum Fall sei dabei wichtiger als der Fall selber.

29 Schimanski-“Tatort“-Folgen wurden bis 1991 ausgestrahlt, zwei davon („Zahn um Zahn“ und „Zabou“) waren auch im Kino zu sehen. Als die Drehbücher flacher wurden, schwebte Schimanski Ende 1991 mit einem Drachengleiter davon - um knapp sechs Jahre später als eigenständige Reihe außerhalb des „Tatort“ zurück zu kehren. Der aktuell produzierte Film ist der 17. der „Schimanski“-Reihe.  

Fans denken heute noch mit Wehmut zurück, wie kongenial der Bauchmensch mit der unbeschreiblichen Tarnjacke mit seinen Gegenpol Christian Thanner - gespielt von dem 1994 gestorbenen Eberhard Feik - harmonierte.

Auch die Duisburger haben inzwischen ihren Frieden mit dem Rüpelkommissar gemacht. „Als vielleicht letzte Filmfigur durchlebte Schimanski/George vor Ort das Ende der ehemaligen Industriestadt, mit ihren Schloten, Kränen und heruntergekommenen Ecken“, heißt es auf der Homepage der Stadt, auf der die fiktive Figur als eine der bedeutenden Persönlichkeiten Duisburgs geführt wird. Allerdings wird auch die „breite Empörung über die Darstellung des verzerrten Stadt-Images“ nicht verschwiegen.

Insbesondere die 1999 gezeigte Folge „Rattennest“, eine Geschichte um Junkies und Prostitution, erzürnte die Stadtoberen so sehr, dass daraus fast eine Provinzposse wurde. „Wir sind doch nicht der Arsch der Nation“, polterte seinerzeit Bürgermeister Heinz Pletziger. Auch die SPD-Fraktion sprach von einem „schlimmen Film“. Andererseits schlug die Duisburger Juso-Hochschulgruppe 1992 vor, die damals noch namenlose Gesamthochschule der Stadt nach Horst Schimanski zu benennen.

Schimanski ist noch immer Kult und lockt die Menschen vor den Bildschirm. Den bislang letzten Schimanski-Film „Schuld und Sühne“ sahen im Januar 2011 rund 9,2 Millionen Zuschauer. Daran, dass der 74-jährige George die Rolle des handfesten Rüpelbullen noch immer locker meistern wird, hegt der WDR keine Zweifel. „Götz George ist sehr fit und sehr mobil“, sagte WDR-Sprecherin Barbara Feiereisen. „Wir freuen uns auf ihn.“

dapd

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