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Netzwelt re:publica 2019: Warum wir im Netz mehr als nur Zusammenfassungen lesen sollten
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14:01 06.05.2019
„Too long, didn’t read“ oder „zu lang hab’s nicht gelesen“ ist eine gängige Internet-Abkürzung. Quelle: imago images
Berlin

„Zu lang, hab’s nicht gelesen“ ist das Motto der diesjährigen Digitalkonferenz re:publica. Doch laut Nanjira Sambuli von der World-Wide-Web-Foundation ist es auch ein Problem. Denn die als „tl;dr“ (von „too long, didn’t read“) bekannte Zusammenfassung komplizierter Themen könne auch Debatten verunmöglichen, warnt die Netzaktivistin.

Für Sambuli ist „tl;dr“ mehr als ein im Netz genutztes Kürzel. Die Praxis, Informationen im Internet kurz und knapp zusammenzufassen, um beispielsweise Lesern eine Langfassung des Textes zu ersparen, hält sie für ein Kernproblem in der digitalen Welt. Denn „wir fühlen uns dadurch besser informiert, wissen aber gleichzeitig, dass wir wenig wissen“, fasst es Sambuli bei der Eröffnung der Digitalkonferenz re;publica in Berlin zusammen.

„Wir sind informiert, aber misstrauisch“

Die Folgen aus Sambulis Sicht: Misstrauen breite sich aus, Populismus, Falschinformationen und Fakes hätten es leicht. „Das führt zu einer Krise der Demokratie“, sagt Sambuli. Global schwinde das Vertrauen in Regierungen, „wir sind informiert, aber misstrauisch“, so ihre Diagnose.

Markus Beckedahl (l), Gründer re:publica, und die Forscherin Nanjira Sambuli zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf der Internetkonferenz "re:publica". Quelle: Britta Pedersen/dpa

Als Technikskepsis will Sambuli das nicht verstanden wissen. Denn der Rückgriff auf die Kurzform ist aus ihrer Sicht ein Resultat einer digitalen Welt, in der Informationen im Überfluss vorhanden sind. Während ständig Themen auf Internetnutzer einprasseln, sei es für den Einzelnen naheliegend, vermeintlich unwichtige Details auszublenden. „Wir machen es uns zu leicht“, warnt Sambuli allerdings.

Bei den großen Plattformen wird tl;dr zum Problem

Spätestens auf den großen Plattformen der Digitalkonzerne werde das zum Problem: Wer lese schon die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Sozialen Netzwerke, die Milliarden Nutzer mit Daten über sich selbst füttern, fragt die Aktivistin. Sie beklagt, dass viele weder wüssten, was mit ihren Daten geschehe noch, wie Algorithmen das ihnen auf Facebook präsentierte Bild der Wirklichkeit beeinflussen.

Lesen Sie hier:
re:publica 2019: Der Bundespräsident stellt die Frage nach der Macht im Netz

Zu Buhmännern will sie die Digitalkonzerne allerdings nicht machen. Viel mehr sei der Informationsüberfluss und die deshalb verbreitete Kurzform eine Folge der rasanten, aber wenig diskutierten technologischen Entwicklung. „Schnell voranschreiten und Dinge kaputt machen“ sei schließlich bislang das Motto vieler Tech-Konzerne, so Sambuli.

Gesellschaftsvertrag für das Internet

Sie fordert deshalb eine Art Gesellschaftsvertrag für das Internet. Regierungen, Zivilgesellschaft und Digitalunternehmen müssten auf Augenhöhe miteinander überlegen, wie sich die Informationsflut sinnvoll eingrenzen lässt. „tl;dr“ hält sie für ein ungeeignetes Mittel. „Dank der Kurzform stecken wir ein einem Überlebenskampf, statt das Digitale zu genießen“, sagt Sambuli.

Von Christoph Höland/RND

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