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Nachrichten Medien Luisa Wöllisch hat das Down-Syndrom – und wird in „Die Goldfische“ zum Kinostar
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22:32 19.03.2019
Schlüpft gern in verschiedene Rollen: Schauspielerin Luisa Wöllisch steht nicht nur vor der Kamera, sondern auch auf der Theaterbühne. Quelle: Sina Schuldt/dpa, Sony
München

Sie liebt Pink, sie liebt Glitzer und sie liebt Glamour: Die Figur Franzi im Film „Die Goldfische“ mag es auffällig – und sie hat das Downsyndrom. Gespielt wird sie von einer, die die Behinderung nicht spielen muss: Die 22-jährige Luisa Wöllisch wurde mit der Diagnose Trisomie 21 geboren. Dass sie das von einer Karriere als Schauspielerin nicht abgehalten hat, zeigt der aktuelle Erfolg: Die junge Frau mit den langen hellbraunen Haaren und dem herzlichen Lachen ist ab Donnerstag in ihrer ersten Kino-Hauptrolle auf der Leinwand zu sehen.

„Ich bin schon früher immer gern mit meiner Mutter zu Musicals gegangen“, erzählt Wöllisch. Die Vorliebe fürs Schauspielerin hat sich durch ihr Leben gezogen: Mittlerweile arbeitet sie – wenn sie nicht gerade vor der Kamera steht – an der Freien Bühne München, wo sie 2014 eine Ausbildung begann und seitdem Teil des Ensembles ist, das aus behinderten und nicht behinderten Mitarbeitern besteht. „Es macht mir einfach Spaß, in verschiedene Rollen zu schlüpfen“, sagt sie.

„Die Goldfische“-Regisseur von Luisa Wöllisch begeistert

Als sie dann die Zusage für die Rolle in „Die Goldfische“ bekam, war sie überwältigt. „Das war der Wahnsinn, ich kann es immer noch nicht in Worte fassen“, sagt Wöllisch. Sie habe beim Casting eine improvisierte Szene mit dem Regisseur Alireza Golafshan gespielt. „Der war begeistert“, freut sie sich. Gegenüber dem „Stern“ sagt der Regisseur, dass die Rolle nicht einfach zu besetzen gewesen sei. „Luisa ist wirklich eine hervorragende Schauspielerin, die zufällig das Downsyndrom hat“, äußert er sich zu seiner Entscheidung.

In „Die Goldfische“ spielt Luisa Wöllisch (2.v.r.) unter anderem an der Seite von Jella Haase (rechts). Quelle: Foto: Sony

In dem Film geht es um einen Manager, der eine Gruppe Behinderter benutzt, um sein Schwarzgeld aus der Schweiz zu holen. Ihre Rolle der Franzi gefiel Wöllisch größtenteils gut. „Nur dass sie im Drehbuch manchmal auf so kleinkindliche Art spricht, finde ich ein bisschen schwierig“, meint sie. Schließlich rede nicht jeder mit Trisomie 21 wie ein Kind. „Menschen mit Downsyndrom müssen gleichberechtigt sein“, findet die junge Frau, die selbstbewusst mit ihrer Behinderung umgeht.

Luisa Wöllisch als einzige am Set tatsächlich behindert

Natürlich hätten die anderen Rollen auch mit behinderten Schauspielern besetzt werden können, so Wöllisch, doch sie hat auch Verständnis dafür, dass das nicht der Fall war. „Es ist einfach schwieriger, Leute mit Behinderung zu nehmen, und manche sind eben auch eingeschränkter als ich, können zum Beispiel nicht sprechen.“

Dass sie also als Einzige am Set tatsächlich die Behinderung hatte, störte sie nicht: „Ich fühle mich nicht so eingeschränkt, aber natürlich hatte ich vorher Ängste“, erzählt Wöllisch, die schon im Film „Grießnockerlaffaire“ eine Komparsenrolle spielte. Als sie dann die anderen Darsteller kennengelernt habe, habe sie sich sofort wohlgefühlt. Und das, obwohl sie an der Seite von Größen wie Jella Haase („Fack ju Göhte“) und Tom Schilling spielte. „Die hatten gar keine Starallüren“, erzählt sie. Selbst wie ein Star gefühlt habe sie sich dann bei der Premiere des Films vergangene Woche in München: „Das war ein toller Moment, über den roten Teppich zu gehen“, sagt sie, „ein bisschen wie Heidi Klum oder Helene Fischer.“

Luisa Wöllisch wird am Theater zur Dozenten-Assistenz ausgebildet

Sowieso ist die junge Frau sehr glücklich mit ihrem Leben, wie es gerade ist. An der Freien Bühne München schauspielert sie zurzeit nicht nur, sondern wird auch noch zur Dozenten-Assistenz weitergebildet. „Das ist total schön, da kann ich den Dozenten dabei helfen, Übungen anzuleiten“, erzählt sie. Sie möchte bald auch gern nach München umziehen. „Einfach weil ich dann mehr unternehmen kann, auch mit meinen Freunden“, erklärt Wöllisch, die zurzeit noch in Tutzing bei ihrer Mutter lebt. „Und weil ich dann selbstständiger bin.“

Von Hannah Scheiwe/RND

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