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Medien US-Serien sind beliebt bei deutschen Fernsehzuschauern
Nachrichten Medien US-Serien sind beliebt bei deutschen Fernsehzuschauern
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20:10 15.08.2010
Schicke Darsteller, schnelle Dialoge, gute Quoten: „The Mentalist“ Patrick Jane (Simon Baker) löst Fälle per Gedankenkraft. Kollegin Teresa Lisbon (Robin Tunney) hilft ihm. Quelle: Warner Bros.

Oft sind sie ziemlich düster. Und der Kommissar ist auch nicht unbedingt sympathisch. Dennoch kommen schwedische Verfilmungen der Mankell-Bücher und andere skandinavische Krimis beim deutschen TV-Publikum gut an. Sie sind allerdings eine europäische Ausnahme. Denn: „Praktisch laufen – geht es um ausländische Einkäufe – im deutschen Programm nur amerikanische Produktionen sehr gut“, sagt der Geschäftsführer von ZDF Enterprises, Alexander Coridaß. „Die amerikanischen Serien, die hier ausgestrahlt werden, sind aber meist auch einfach gut, das muss man zugeben.“

Bei RTL machen englischsprachige Produktionen mehr als 90 Prozent der eingekauften fiktionalen Fremdprogramme aus, wie Dirk Schweitzer, zuständig für den Einkauf und Verkauf in dem Bereich, berichtet. „Amerikanische Serien haben schnelle Dialoge, Witz, große Budgets“, bringt er es auf den Punkt. „Dagegen haben es französische Gendarmen im deutschen Fernsehen schwer – die deutschen Zuschauer haben sich an die heutigen USA im Fernsehen gewöhnt, da tragen die Franzosen einfach die falsche Uniform.“

Auch italienische Filme und Serien prallen meist auf Abwehr. „Die Sender sind momentan eher zurückhaltend, aber vielleicht ändert sich das auch wieder. Ich fände es spannend, einmal zu sehen, wie deutsche Zuschauer – die ja auch früher schon italienische Erfolge wie ,Allein gegen die Mafia‘ und ,Commissario Montalbano‘ goutiert haben – heute reagieren würden“, sagt Coridaß. Er ist mit ZDF Enterprises unter anderem für den Einkauf von Produktionen für die ZDF-Mutter sowie für Enterprises-eigene internationale Koproduktionen zuständig.

Jährlich kauft Coridaß unter anderem vier bis acht Programme für das Kinderprogramm ein, wie etwa Zeichentrickserien. Hinzu kommen zwei bis vier Serien meist von britischen oder skandinavischen Partnern, zehn bis 20 Stunden Doku und ein paar TV-Filme, insbesondere aber beachtliche Mengen an Spielfilmen, am liebsten direkt von US-Studios. „Ich kenne keine richtigen Flops bei ZDF- Einkäufen.“

So hätten sich britische Krimiserien wie auch skandinavische gut durchgesetzt. Was solche Serien kosten? „Sie sind in jedem Fall deutlich günstiger als amerikanische – etwa die Hälfte“, sagt Coridaß. RTL hat dagegen mit drei großen amerikanischen Studios „Output-Deals“ – pro Jahr wird ein bestimmtes Volumen an Serien und Filmen abgenommen. „Da ist natürlich auch mal Ausschuss dabei“, sagt Schweitzer.

Aber: „Wenn man Programmvielfalt aus den USA mit Blockbustern und den besten Serien haben will, dann gibt es keine Alternative.“ Alljährlich fließe ein dreistelliger Millionenbetrag in diese Abkommen mit Universal, Warner Bros. und 20th Century Fox – damit die RTL-Zuschauer Serien wie „Dr. House“ sehen können. Ein „glückliches Händchen“ gerade im US-Comedy-Bereich bescheinigt Schweitzer auch dem Konkurrenten von ProSiebenSat.1, wo unter anderem die amerikanische Sitcom „Two and a Half Men“ läuft.

„Als wir die Serie starteten, lief sie mittelprächtig, jetzt ist sie das erfolgreichste Programm dieser Art“, sagt der Chef-Einkäufer für Lizenzprogramme der ProSiebenSat.1-Gruppe, Rüdiger Böss. Er spricht von einem „hart umkämpften Markt der US-amerikanischen Serien“. Große Erfolge habe die Sendergruppe auch mit „Criminal Minds“, „Desperate Housewives“ oder „The Mentalist“.

Und wie befindet er über „kaufen“ oder „nicht kaufen“? „Letztendlich ist es oft eine Bauchentscheidung. Mein Bauch ist wohl ziemlich massenkompatibel“, sagt Böss. Wie viel die Sendergruppe jährlich so ausgibt, will Böss nicht verraten. Er spricht von einem großen Posten im Programmbudget. Die Finger lassen sollte man, was das deutsche Publikum angeht, nach Böss’ Einschätzung von sogenannten Serial Dramas mit konsequent fortlaufender Handlung, die mit vielen Rückblicken garniert sind. „So ist es angesichts der mauen Quoten für die Serie ,Lost‘ bald billiger, die DVD zu verschicken. Wenn der Zuschauer so ein Programm einmal verpasst, ist er meist ,lost‘ und für uns leider verloren.“

dpa

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