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Nachrichten Medien Schauspieler Dietmar Schönherr gestorben
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19:33 18.07.2014
Die Filmszene aus dem Science-Fiction-Klassiker "Raumpatrouille Orion" zeigt Major Cliff Allister McLane (Dietmar Schoenherr). Quelle: dpa (Archiv)
Berlin

„Mir scheint die Hose nicht das Bemerkenswerteste.“ Trocken kommentierte Dietmar Schönherr im November 1970 den Auftritt einer Kandidatin in seiner ZDF-Show „Wünsch dir was“. Die junge Dame trug abgesehen von der Hose und eine höchst transparente Bluse. Ein TV-Skandal um eine fast blanke Brust zur Hauptsendezeit war geboren - eine Provokation ganz nach dem Geschmack des Showmasters. Schönherr liebte die Vielseitigkeit und das Unangepasste. Er war Theaterschauspieler, Moderator, Friedensaktivist, Entwicklungshelfer, Mahner und moralisches Gewissen in einem. Im Alter von 88 Jahren ist er auf Ibiza gestorben, ein Jahr nach dem Tod seiner zweiten Frau Vivi Bach.

Dietmar Schönherr ist im Alter von 88 Jahren gestorben.

Schönherr, der sich durch sein politisches Engagement später den Ruf eines „Weltverbesserers“ verdiente, war in den frühen Jahren seiner Laufbahn eine Art Weltenretter. Am Rande der Unendlichkeit schützte er als Commander Allister McLane mit dem Raumschiff Orion („Raumpatrouille“) die Erde vor Außerirdischen. Die sieben Folgen der Science-fiction-Serie von 1966 waren nicht nur ein Straßenfeger, sondern sind bis heute Kult. Wohl einmalig in der Filmgeschichte wurde aus Geldmangel ein Raumschiff per Bügeleisen gesteuert.

Der Commander im All war Sohn eines Generals, der heimlich Antikriegsgedichte schrieb. Schönherr wurde in Innsbruck geboren, wuchs in Tirol auf bis die Familie nach dem „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland 1938 nach Potsdam ging. Bei Probeaufnahmen fiel der Abiturient Schönherr dem Filmregisseur Alfred Weidemann auf - der Beginn einer großen Karriere, in deren Verlauf er rund 70 Filme drehte und in zahlreichen TV-Serien wie „Tatort“ und „Ein Fall für zwei“ zu sehen war.

Seine spontane Art als Moderator von Talkshows („Je später der Abend“ vom WDR) sowie Quiz-und Spielsendungen kam bei vielen gut an. Unvergessen bleiben „Wünsch dir was“ und andere Shows auch wegen Schönherrs dänischer Frau Vivi Bach, die mit charmantem Akzent keck und selbstbewusst die Sendungen mitmoderierte.

Doch das TV- und Theaterleben - Schönherr stand in Salzburg, Bonn, Berlin und Zürich auf der Bühne und war Mitbegründer der Tiroler Volksschauspiele in Telfs - war nur die eine Seite des Mimen. Angesichts der Debatte um die Nato-Nachrüstung Anfang der 1980er-Jahre schloss sich Schönherr der Friedensbewegung an, nannte den US-Präsidenten Ronald Reagan öffentlich einen „Verbrecher“, blockierte mit anderen Prominenten 1983 den US-Raketenstützpunkt in Mutlangen. Später wurde bei einer Reise mit der Armut in Mittelamerika konfrontiert - und entschloss sich zu helfen.

Nicaragua, als ärmstes Land Mittelamerikas wurde zu seiner zweiten Heimat. Seit 1985 unterstützte er dort Solidaritätsprojekte wie die Stiftung „Casa de los Tres Mundos“ (Haus der drei Welten), die er gemeinsam mit dem Dichter, Priester und einstigem Kulturminister Ernesto Cardenal gründete. Die Provinzstadt Granada am Nicaraguasee hat ihm sogar den Ehrenbürgertitel „hijo predilecto“ verliehen. Der Kampf gegen Ungerechtigkeit und Armut beschäftigte ihn bis zuletzt.

Zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises für sein Lebenswerk bezeichnete ihn Elke Heidenreich als Mann, „der sich gar nicht verbiegen kann, dessen Stimme so weich und angenehm ist wie sein Herz und dessen Charakter so gerade und unerschrocken ist, dass wir uns davor nur verneigen können.“ Seine letzten Lebensjahre auf Ibiza bescherten dem Mann mit dem schlohweißen Haar viele schöne Momente, wie er einmal in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ sagte: „Die meiste Zeit verbringe ich auf meiner Terrasse und schaue stundenlang aufs Meer. Das ist wunderbar.“

dpa

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