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Meinung Brexit-Deal gescheitert: Das hat Großbritannien nicht verdient
Nachrichten Meinung Brexit-Deal gescheitert: Das hat Großbritannien nicht verdient
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00:18 18.01.2019
Seltene Demütigung: Premierministerin Theresa May. Quelle: House of Commons/PA via AP
Hannover

Das war deutlich: Das britische Parlament hat die Idee eines leidlich geordneten Rückzugs aus der Europäischen Union am Dienstagabend fast schon wütend verworfen. Premierministerin Theresa May, die ihren Kurs eines berechenbaren Austritts ihres Landes in den letzten Monaten mit scheinbar eisernen Nerven verfolgte, ist dramatisch gescheitert. Man muss lange zurückdenken, um sich an eine solche Demütigung eines britischen Regierungschefs durch die Abgeordneten zu erinnern. May müsste sofort gehen, wenn die ungeschriebenen Regeln der Demokratie noch irgendetwas bedeuteten. Doch was gilt schon noch im Großbritannien dieser Tage?

Die politische Klasse in London schickt sich seit einiger Zeit an, die Nation mehr und mehr der Lächerlichkeit preiszugeben. May hatte ja recht, als sie unmittelbar nach der Abstimmung darauf verwies, dass das Parlament nun gesagt habe, was es nicht wolle – ohne zu wissen, was es stattdessen plant. Die britischen Politiker taumeln in ihrer Mehrheit durch die Gegenwart und verspielen die Zukunft ihres Landes. Und dessen Ruf gleich mit.

Stürzt Jeremy Corbyn die Premierministerin?

Was nun? Für die nächsten Tage gibt es weder in London noch in Brüssel eine Blaupause. Kann der seinerseits unsägliche Oppositionsführer Jeremy Corbyn die Premierministerin stürzen? Oder stützen ihre Konservativen sie ein weiteres Mal? Gibt es Neuwahlen? Würden sie etwas ändern? Sicher ist derzeit nur: Die übrigen EU-Länder wollen nicht noch einmal verhandeln, eine neue Volksabstimmung ist fern – und am 29. März soll der Spuk vorbei sein. Dann ist Brexit-Day; die Briten wie die übrigen Europäer müssten damit leben.

Wie immer das Brexit-Theater am Ende ausgeht – es ist eine Lehrstück. Es zeigt, was geschieht, wenn man komplexe Fragen auf einfach Ja/Nein-Entscheidungen reduziert. Wenn man die Dinge im kühnen Veränderungsrausch nicht zu Ende denkt. Und damit ein ganzes Land ins Abseits manövriert. Sicher, es gibt beachtenswerte Argumente für die Ablehnung der EU, so wie sie sich heute präsentiert. Wer die aber in politisches Handeln umsetzen will, muss früher aufstehen und besser nachdenken, als die Brexiteers es jemals konnten und wollten. Sie haben die Globalisierung verschlafen, die weit über das Wirtschaftliche hinausweist. Haben nie mitbekommen, wie sehr ihre Insel längst mit dem Festland verwoben ist – und wie sehr sie davon profitiert. Und sie haben sich Politiker erwählt, die entweder nicht willens oder nicht in der Lage waren, damit klug umzugehen. Sondern stattdessen nur clever ihre persönliche Chance gesehen haben.

Das alles hat Großbritannien nicht verdient. Dieses immer leicht verschrobene, aber bisher auch herrlich pragmatische Land braucht einen Neustart. Wenn es sein muss, eben allein.

Von Hendrik Brandt

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