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01:15 26.12.2018
Blick aus dem All auf die Erde – Astronaut Alexander Gerst machte dieses Foto.
Blick aus dem All auf die Erde – Astronaut Alexander Gerst machte dieses Foto. Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com
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Hannover.

Vor 50 Jahren, an Heiligabend 1968, erlaubte der US-amerikanische Astronaut William Anders der Welt eine ganz neue Perspektive: Von der Apollo 8 aus schoss er, den Mond umrundend, das erste Farbfoto der Erde aus dem All. Zum ersten Mal war das große Ganze auf einem Bild zu sehen. Ohne das Klein-Klein, das einem hier unten oft den Blick auf das Wesentliche verstellt.

Das Jubiläum passt gut in die Zeit. Denn Bilder wie die von Anders oder auch des deutschen Astronauten Alexander Gerst lenken den Blick auf die beiden entscheidenden Fragen, die die Bewohner dieser Erde derzeit zu klären haben: Schaffen sie es, ein friedliches und gedeihliches Zusammenleben aller seiner Bewohner zu organisieren? Und haben sie die Gefahr erkannt, in die sie den Planeten durch den rücksichtslosen Umgang mit seinen Ressourcen gebracht haben?

In Sachen gedeihliches Zusammenleben hat der Planet zuletzt viele Rückschläge erlebt. In immer mehr Ländern gaukeln Nationalisten den Menschen vor, alles werde besser, wenn man die Welt strikt nach den gedachten roten Linien sortiert, mit denen Politiker und Geografen sie im Laufe der Jahrhunderte überzogen haben. Sie wollen die Errungenschaften vergangener Jahrzehnte einstampfen, als die Länder der Erde über diese Linien hinweg zaghaft Bündnisse zu schmieden begannen – vor allem, um den Frieden zu sichern. 2016 gaben die Menschen in Großbritannien und den USA dem ganz demokratisch ihren Segen, als sie für den Brexit und für den „America-First“-Kurs von Donald Trump votierten. Andere Demokratien zogen nach, Italien etwa und Brasilien. Ist der Trend also nicht mehr aufzuhalten?

Was den Schutz der Erde betrifft, so sieht es kaum besser aus. Weiterhin verpesten Klimagifte die Atmosphäre, und Plastikinseln groß wie ganze Länder treiben durch die Weltmeere. Weltumspannende Klimakonferenzen wie die letzte in Kattowitz sind eher Hochämter der Diplomatie als des Klimaschutzes. Ist die Welt also nicht mehr zu retten?

Doch, ist sie. Schließlich demonstrieren Großbritannien und die USA derzeit, dass es mehr schadet als nützt, sich vom Rest der Welt abzukoppeln – und mehr und mehr Bürger dort sehen das auch so. Und schließlich ist zum Beispiel China, obwohl nach wie vor einer der größten Umweltsünder der Welt, auch das Land, das so viel in Windenergie und Photovoltaik investiert wie kein anderes – weil man dort merkt, welche Probleme der Klimawandel im eigenen Land verursacht. Es gibt Hoffnung in diesen Weihnachtstagen 2018.

Staunen und Hoffnung sind die Gefühle, die Astronauten schildern, wenn sie von oben auf die Erde blicken. Und Staunen und Hoffnung sind auch die Botschaft von Weihnachten. Es kann nicht schaden, diese Botschaft laut in die Welt hinauszuposaunen.

Von Felix Harbart