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Ein HAZ-Kommentar zum Thema Kohlekraftwerk Stöcken: Das Feilschen geht weiter

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20:50 23.05.2019
Muss für viel Geld umgerüstet werden: Das Gemeinschaftskraftwerk in Hannover-Stöcken. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Hannover

Um den Kohleausstieg in Deutschland ist lange erbittert gefeilscht worden. Den einen ging es zu schnell, sie fürchteten um den Wirtschaftsstandort, wenn der billige Kohlestrom nicht mehr zur Verfügung steht und die Alternativen Solar-, Wind- und Biomasse noch nicht gleichwertigen Ersatz bieten. Den anderen ging es nicht schnell genug, weil vor allem alte Meiler die Luft verpesten und der Klimawandel längst Folgen zeigt. Am Ende präsentierte die Kohlekommission Anfang des Jahres einen mühsam ausgehandelten Kompromiss mit einem Ausstieg bis 2038, der wegen Entschädigungen und Ausgleichszahlungen viele Milliarden Euro kosten wird.

Jetzt kommt von anderer Seite Bewegung in die Sache und könnte sie beschleunigen. Wenn industrielle Großkunden wie der Volkswagen-Konzern ökologisch orientierte Strategiewenden einleiten, dann passt es schon rein vom Marketing her nicht mehr dazu, schmutzigen Kohlestrom für die Produktion von sauberen Elektroautos zu kaufen. Dadurch werden die entsprechenden Meiler unwirtschaftlich. Wenn sie dann schneller vom Netz gehen als bisher vorgesehen, wird das einige freuen.

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Andere nicht, zum Beispiel die Stadtwerke Enercity, die mit ihrem Kraftwerk in Stöcken auch Wärme erzeugen. Die wird gebraucht. Um diese Anlagen in Betrieb zu halten, müssen sie umgerüstet werden, was viele Millionen Euro kostet. Die Frage ist nun, wer das bezahlt. Die Stadtwerke schlagen vor, dass Meiler mit Kraft-Wärme-Kopplung finanziell entlastet werden – durch Befreiung von Subventionsumlagen für die erneuerbaren Energien oder durch Einspeisevergütungen für Fernwärme. Das Gefeilsche um den Kohleausstieg wird anhalten. Es geht dann bloß nicht mehr um das Ob und Wann, sondern schlichtweg darum, wer die Zeche zahlt.

Von Bernd Haase

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