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21:19 15.04.2019
In Gorleben herrscht Stillstand. Die Erkundungsarbeiten ruhen. Quelle: Philipp Schulze/dpa
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Hannover

Man könnte den Eindruck gewinnen, der Streit um die Atompolitik sei im Museum angekommen. Jüngst hat Hannover mit Ausstellung und Zeithistorikerworten die Erinnerung an „40 Jahre Gorleben-Treck“ zelebriert. Und nun geht ein Stück der Mauer, die um das Bergwerk Gorleben stand, an die ortsansässige Antiatomkraftinitiative. Als wär’s ein Stück Geschichte und als wären alle Probleme gelöst. Was für ein Irrtum.

Denn bei Lichte besehen ist es ein Skandal, dass in Deutschland mittlerweile ein Großteil der Atomkraftreaktoren abgeschaltet worden ist, während über die Frage, wohin der gefährliche Atommüll kommt, noch immer nicht entschieden ist. So ist völlig unklar, wie die deutsche Gesellschaft ein Problem löst, das sie selbst vor Jahrzehnten geschaffen hat. Unzählige Meiler gingen ans Netz, ohne dass der Entsorgungsnachweis je erbracht worden wäre. Dabei war er die Voraussetzung für den Betrieb der lukrativen Kraftwerke, die den (damaligen) Energieriesen gewaltige Gewinne in die Kassen fuhren. Gorleben hieß ihr Zauberwort. Man habe ja das geplante Endlager Gorleben, in das der hochgefährliche Schrott dereinst gebracht werden könnte. Noch ein Irrtum. In Gorleben befindet sich nur ein Bergwerk, das jetzt angeblich keiner mehr braucht, und ein sogenanntes Zwischenlager, Anfang der Achtzigerjahre errichtet, in dem 113 Atombehälter lagern. Platz ist für 420.

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Schon die Logistik könnte dafür sprechen, dass man die hochgefährliche Fracht in das nur zwei Kilometer entfernte Bergwerk transportiert. Doch das soll auf keinen Fall geschehen, versicherte auch gestern die Politik. Versprochen ist eine Endlagersuche ohne das Zauberwort Gorleben. Das stand in der Jugend heute alt gewordener Anti-Atomkraftrecken für Hüttendörfer und Widerstand.

Doch soll sich niemand hier zurücklehnen, dass mit der vorläufigen Streichung Gorlebens von der sogenannten weißen Karte möglicher Atomendlagerstandorte Niedersachsen ganz heraus ist. Im Gegenteil. Es gibt einfach zu viele Salzstöcke in der norddeutschen Tiefebene, die Niedersachsen zur bevorzugten Destination fast ewig strahlender Fracht machen könnten. Nicht von ungefähr mahnte gestern Niedersachsens Umweltstaatssekretär Frank Doods, dass ein Salzstock neben Ton und Granit nur eine Möglichkeit als Lagerkammer darstelle. Granit wäre den Niedersachsen lieber, da er sich vorzugsweise in Süddeutschland findet. Zu hoffen, dass ein neuer, nach „objektiven“ Gesichtspunkten gefundener Atomendlagerstandort von der umliegenden Bevölkerung akzeptiert werden würde, ist indes blanke Illusion. Groß ist die Unvernunft, wenn der Ohne-mich-Geist die Endlagerbühne betritt.

Von Michael B. Berger

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