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Meinung Kommentar zu Jugendlichen und Corona: Wann kommt der Spaß zurück?
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Jugendliche und Corona: HAZ-Kommentar zu Schule, Freizeit und Partys von Hendrik Brandt

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21:00 23.10.2020
n der Corona-Diskussion kommen sie in aller Regel nur als Schülerinnen und Schüler oder Studenten vor. Quelle: Danny Gohlke/dpa
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Für manche Fernsehzuschauer war eine junge Frau namens Ida die Hassfigur der Woche: In den ZDF-Nachrichten hatte sie bei einer Straßenumfrage gesagt, dass ihr in diesen Corona-Zeiten die Partys fehlten. Und hinzugefügt, sie sei auf diese Form des Kontakts „angewiesen“ und verzichte nur mit Mühe. Da war etwas los. Beschimpfungen auf jedem Niveau und Verteidigungsreden aller Art tobten durchs Netz. Haben Jugendliche wirklich keine anderen Sorgen mehr? Oder sind alle, die Ida nicht sofort verstehen, von vorgestern?

Wer lernt schon nur in der Schule?

In dem Lärm um ein paar offensichtlich eher unbedacht formulierte Sätze ist das eigentliche Thema untergegangen. Sicher, viele ältere Menschen haben derzeit beim bangen Blick auf die Corona-Daten eine Menge auszustehen, zumal, wenn sie in Heimen fernab von Familien und Freunden leben müssen. Davon ist mit Recht oft die Rede. Doch wer spricht eigentlich von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen? Sie leiden kaum unter der Krankheit, dafür aber deutlich unter den Folgen ihrer Bekämpfung. In der Diskussion kommen sie in aller Regel nur als Schülerinnen und Schüler oder Studenten vor. Und im Bildungsbereich gibt es ja auch genug zu beachten und zu kritisieren. Aber Menschen zwischen 15 und 25 lernen ja nicht nur in der Schule, dem Betrieb oder der Universität; sie erfahren das Leben auch in vielen anderen Bereichen – vom Sport über Reisen bis zu Gemeinschaftsaktionen und eben auch Partys. Sie probieren aus, testen sich und andere, machen dabei bestimmt eine Menge falsch – und entwickeln so ihre Persönlichkeit weiter. Normalerweise. Das alles aber fällt nun mehr oder weniger flach.

Gibt es bald eine „Generation Corona“?

Dabei ist klar: Wenn Jugendliche ein Jahr lang nicht groß „feiern“ können, werden sie keinen nachhaltigen Schaden nehmen. Und es ist auch nicht verkehrt, wenn sich die Vorstellung davon, was da so normaler Standard sein soll, wieder ein wenig reduziert. Aber ist es nicht beunruhigend, wenn Grundschullehrerinnen berichten, dass der neue Jahrgang seltsam distanziert sei? Wenn Gymnasiasten fürchten müssen, sich oft allein vor dem Rechner durch das vielfältige Durcheinander an ihren Schulen zum Abitur kämpfen zu müssen? Ohne jeden altersgerechten Ausgleich jenseits des Netz-Kontakts? Und sei es eben auf einer Party?

Nein, noch ist keine beschädigte „Generation Corona“ herangewachsen. Und die Regel-Disziplin gerade unter Jugendlichen ist beachtlich. Doch das im Wortsinn Asoziale unseres aktuellen Miteinanders fordert bei den Jüngeren einen Preis ein. Grundlegend wird sich das jetzt kaum ändern lassen – aber vielleicht ist Platz für etwas mehr Nachsicht, wenn die Idas dieser Zeit einmal mehr von ihren Partys träumen.

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Von Hendrik Brandt