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Kommentar: Das Alarmsignal von Hannover

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23:12 25.07.2019
General Joachim Wundrak war Kommodore des LTG 62 auf dem Fliegerhorst Wunstorf. Quelle: dpa
Hannover

Nein, er ist kein Soldat. Jedenfalls nicht mehr. Aber selbstverständlich soll Joachim Wundrak nur deshalb für die AfD ins Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters von Hannover gehen, weil er mal einer war. Und was für einer. Die Nominierung des Mannes, der bis vor wenigen Monaten zu den ranghöchsten, international vernetzten Offizieren der Bundeswehr zählte, ist für die Rechtsausleger im Parteienspektrum ein Coup und mehr als eine lokale Nachricht. Sie belegt die taktische Reifung mancher AfD-Strippenzieher im Westen, zeigt die rasant wachsende Unzufriedenheit vieler Menschen im Sicherheitsapparat mit der aktuellen Politik – und wirft nicht zuletzt ein Schlaglicht auf das Verhältnis der Gesellschaft zu ihren Soldaten. Nichts davon ist besonders ansehnlich.

Die gerade ehemalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat den deutschen Soldaten 2017 mit Blick auf Rechtstendenzen ein „Haltungsproblem“ bescheinigt. Das war pauschal, politisch wenig klug – aber es war im Kern offenbar nicht schlecht beobachtet. Ja, manche Soldaten richten die Augen öfter nach rechts, suchen dort Halt und Bestätigung in klaren Erklärungsmustern. Dass die im Zweifel aus dem historischen Mülleimer kommen, ist ihnen entweder nicht mehr bewusst oder, was schlimmer ist, herzlich egal. Aber es geht nicht nur um die Soldaten. Auch bei der Polizei, Feuerwehrleuten, Sanitätern und anderen, die sich oft schlecht bezahlt um die Sicherheit kümmern, wachsen Frust und Unmut über die vielfache Folgenlosigkeit und gleichzeitige Geringschätzung ihrer Arbeit. Luftwaffen-Veteran Wundrak ist in seiner nun politisch gewendeten Kränkung kein Ausreißer. Er steht nur vorn.

Diese Gesellschaft ist dabei, einen Teil derer, die für ihre Sicherheit sorgen, für den offenen, demokratischen Prozess zu verlieren. Dass die oft wenig vorzeigbare AfD hier nützliche Frontleute rekrutiert, ist kein Wunder. Auch wenn sich mancher noch wundern mag, was für eine Partei das gerade wird. Wer diesen Trend stoppen will, muss jetzt handeln. Da ist es nicht mit einer Rede der neuen Verteidigungsministerin und dem Bekenntnis zu öffentlichen Gelöbnissen getan. Die Sicherheitskräfte, zuerst die Soldaten, müssen wieder erleben, dass ihre Aufgaben sinnvoll und sie selbst Teil dieser Gesellschaft sind. Wer in Mali, auf dem Mittelmeer oder in Kabul den Kopf hinhält, darf nicht länger das Gefühl haben, sich dafür rechtfertigen zu müssen. Und Polizisten und Justizbeamte sollten wieder öfter erfahren, dass sie nicht nur im Hamsterrad, sondern auch mit Erfolg arbeiten können.

Joachim Wundrak wird mit einiger Sicherheit nicht Oberbürgermeister in Hannover. Seine Kandidatur aber sollten alle als das nehmen, was sie ist: ein Alarmsignal.

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Von Hendrik Brandt

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