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Kommentar: Die neuen Roller in Hannover machen E-Mobilität erlebbar 

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17:09 04.08.2019
In Hannover werden erstmals Elektroroller in großem Stil verliehen. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Hat die Zukunft der Mobilität in Hannover begonnen? Ein Berliner Unternehmen hat jetzt 200 Elektroroller auf die Straßen der Stadt gestellt und bietet sie zum Verleih an. Was in anderen Städten bereits zum Alltag gehört, hält nun auch in Hannover Einzug: auf Radwegen und Fahrbahnen dahinsausende Batterieroller. Lässt sich damit die Verkehrswende einleiten? Steigen Autofahrer nun konsequent auf Roller um? Oder ist das alles Unsinn?

178 .000 Pendler kommen nach Hannover

Mal langsam. Die neuen Elektroflitzer sind weit davon entfernt, den Verkehr in Großstädten umzukrempeln. Die höchste Belastung für Anwohner, Fußgänger und Radfahrer entsteht auf Hannovers Straßen noch immer morgens und am späten Nachmittag. Zu den Pendlerzeiten wälzen sich endlose Blechlawinen die Ausfallstraßen hinauf und hinunter. Bewohner von Marienstraße, Vahrenwalder Straße und Göttinger Straße können die Uhr danach stellen. Rund 178 .000 Beschäftigte pendeln nach Hannover, viele mit Zügen und Bussen, aber eben auch mit dem Auto.

Ein paar Hundert Elektroroller werden die Probleme mit verstopften Straßen, Lärm und erhöhten Schadstoffwerten nicht lösen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Ökobilanz der E-Scooter blamabel ist. Die Akkus enthalten Kobalt, Nickel und andere seltene Rohstoffe, deren Abbau häufig mit Belastungen für Mensch und Umwelt verbunden ist. Werden die Gefährte abends mit dieselgetriebenen Lieferwagen eingesammelt, um die Akkus über Nacht aufzuladen, ist es schnell vorbei mit der positiven CO2-Bilanz. Kann der E-Flitzer also als bloßes Modefahrzeug für Hipster abgetan werden?

E-Roller-Verleih hat fragwürdige Ökobilanz

Bereits der zweite Dürresommer in Folge zeigt überdeutlich: Der Klimawandel ist Realität. Straßenbäume werfen Anfang August ihre Blätter ab, in der Eilenriede drohen etliche Bäume abzusterben. Vor diesem Hintergrund und dem drohenden Verkehrskollaps gilt die Faustregel: Jeder Weg, der nicht mit einem Auto zurückgelegt wird, führt ein Stückchen näher ans Umwelt-Ziel. Ob stattdessen die Stadtbahn genommen wird, ein Leihrad oder ein Elektroroller, ist zunächst gleichgültig.

Klar ist auch, dass die großen Pendlerströme nur durch Massentransportmittel wie Busse und Bahnen kanalisiert werden können. Aber immer häufiger erleben Berufspendler in den Morgenstunden, dass S-Bahnen und Stadtbahnen überfüllt sind. Hier müssen die Verkehrsplaner in Stadt und Region dringend Abhilfe schaffen und Kapazitäten ausweiten. Völlig aus der Zeit gefallen wirkt es, wenn ein Neubau wie jener der Medizinischen Hochschule ernsthaft ohne Stadtbahnanschluss geplant wird.

Elektroroller mögen nicht die Verkehrsprobleme der Zukunft lösen, aber sie machen Spaß. Menschen bekommen ein Gefühl dafür, was ein Elektromotor kann, wie rasant er beschleunigt und wie er nur ein leises Schnurren von sich gibt. Damit wird E-Mobilität auch für diejenigen erlebbar, die sich kein kostspieliges Elektroauto leisten können. Zudem eignet sich der E-Roller durchaus, um kurze Strecken im Citybereich zurückzulegen. Die Mobilität der Zukunft basiert nicht auf einem einzigen Verkehrsmittel. Die Mischung macht’s, und im Kanon von Fahrrad, Stadtbahn und Auto wird der E-Roller seinen Platz finden. Zumindest im Sommer.

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