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Meinung Die große Klima-Betroffenheit
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01:15 06.05.2019
Sorge ums Weltklima: Eine Teilnehmerin der Demonstration „Fridays for Future" im Invalidenpark in Berlin. Quelle: Sven Braun/dpa
Hannover

„Notstand“. Das Wort wird jetzt öfter fallen, wenn es um die Entwicklung des Klimas auf der Erde geht. Darunter scheint es nicht mehr zu gehen. Schon rufen Städte an der US-Westküste ihren eigenen „Klimanotstand“ aus, das britische Parlament empfiehlt unverbindlich so etwas Ähnliches – und die Politiker in Konstanz beschließen unter dem Applaus des örtlichen Schülerprotests, ihren Ort als erste deutsche Stadt zum klimatechnischen Notstandsgebiet zu erklären. Die Badener werden damit hierzulande wohl nicht allein bleiben. Wohin soll das führen?

Bisweilen scheint es, als werde der Umgang mit der Veränderung der klimatischen Verhältnisse auf der Erde immer irrationaler, je mehr wir darüber wissen. Schon schwappen Wellen des Gefühls nicht zuletzt durch politische Gremien, Forderungen nach „Flugscham“ werden laut. Als ginge es nicht um Naturwissenschaft, sondern um höhere Einsichten. Manches erinnert schon an Auswüchse der Friedensbewegung der Achtzigerjahre, bei der sich alle stets „betroffen“ gaben und am Ende jede symbolische Handlung „für den Frieden“ gut sein sollte. Zu guten Teilen gelöst hat sich das Rüstungsproblem dann durch harte Arbeit, nicht zuletzt in der Spitzenpolitik.

Das könnte ein Hinweis für die aktuelle Debatte sein. Dass sich das Klima verändert, ist klar. Soweit absehbar, wird das Leben auf der Erde dadurch nicht einfacher. Und: Menschen haben auf diese Veränderung einen bedeutenden Einfluss – das ist nach allem, was wir derzeit wissen, geklärt. Also wäre zu handeln. Da das jedoch richtig einschneidend wäre, suchen viele Menschen nach einer Art Ersatzaktivität im Symbolischen – sei es auf Demonstrationen oder eben mit der „Notstands“-Keule. Das ist verständlich, kostet nichts – aber es ändert halt auch wenig.

Wissenschaftler machen das Kohlendioxid aus Verbrennungsprozessen und auch das frei werdende Methan auf der Erde zu guten Teilen für die Erwärmung der Atmosphäre verantwortlich. Die Emissionen ließen sich reduzieren – im notwendigen Tempo jedoch nur mit kraftvollen Einschnitten in das Leben der heutigen Generation. Weltweit übrigens. Wer da bei uns schon einmal anfangen will, braucht keinen gefühligen „Notstands“-Plan mit ein wenig Klimakosmetik für das Heimatdorf, sondern mindestens nationale, besser europäische Regelungen: weniger herkömmliche Heizungen, weniger herkömmlicher Verkehr, weniger Fleischkonsum. Und das schnell. Harte Politik also. Die aber ist weit weniger populär als Resolutionen und Demonstrationen. Von einer CO2-Steuer etwa halten die Deutschen mehrheitlich schon mal gar nichts. Und so wird derzeit die Show immer prätentiöser, während nichts Wirkliches passiert. Ob das gut geht?

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Von Hendrik Brandt

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