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20:30 01.02.2019
Wie geht es weiter mit der Nord/LB? Der Umfang des Jobabbaus ist noch unklar.
Wie geht es weiter mit der Nord/LB? Der Umfang des Jobabbaus ist noch unklar. Quelle: Sonja Wurtscheid/dpa
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Hannover

Makler hätten an der Immobilie wohl ihre Freude gehabt: Liebhaberobjekt, individuelle Bauweise, lichtdurchflutet, verkehrsgünstig gelegen – die hannoversche Zentrale der Norddeutschen Landesbank im Jargon der Branche anzupreisen, fällt nicht sonderlich schwer. Nun aber sieht es so aus, als ob die bisherigen Eigentümer dort bleiben dürfen. Deren Geldgeber wollen noch einmal ihre Taschen öffnen, um die Banker vor der Zwangsräumung zu bewahren.

Mitleid oder gar Sympathie sind dabei nicht im Spiel. Das Land Niedersachsen und die Sparkassen haben ihre Optionen nüchtern abgewogen und sich für das – aus jetziger Sicht – kleinste Übel entschieden: Sie stellen zusammen 2,7 Milliarden Euro zur Verfügung, damit die Nord/LB ihre Geschäfte neu ausrichten kann. Die Alternativen wären noch teurer geworden: Zwei Finanzinvestoren boten zwar frisches Kapital, gleichzeitig wollten sie aber von allen Altlasten befreit werden. Und eine Abwicklung der Nord/LB hätte das Landesbanken- und Sparkassensystem als solches infrage gestellt.

Dabei wäre das Ende der Nord/LB nicht unverdient gewesen. Anders als die West/LB und die HSH Nordbank mögen die Kollegen in Hannover Exzesse vermieden haben, ordentlich gewirtschaftet haben indes auch sie nicht. Wer Schiffskredite von mehr als 20 Milliarden Euro vergibt, muss eine erhebliche Schlagseite einkalkulieren, sobald der Seehandel anders läuft als erhofft. Vorstand und Aufsichtsrat haben diese Gefahr augenscheinlich ausgeblendet – sonst würde die Bank heute nicht SOS funken.

Der übertriebene Ehrgeiz bei maritimen Geschäften deutet auch darauf hin, dass die Nord/LB nicht in der Lage war, in ihrem ländlichen Umfeld genügend Raum für lukrative Betätigungen zu finden. Möglicherweise fehlt es sogar am Bedarf: Die Finanzierung des Mittelstandes, die von der Landesregierung als Lebenszweck ausgegeben wird, wäre kaum gefährdet, wenn es diese oder andere Landesbanken nicht mehr gäbe – die private oder genossenschaftliche Konkurrenz stünde für diese Aufgabe nur zu gerne bereit.

Nicht einmal die Sparkassen hätten die Nord/LB vermisst – ihnen würde eine Super-Landesbank in der Republik reichen, um größere Geschäfte einzufädeln und ihren Zahlungsverkehr abzuwickeln. Es mehren sich deshalb die Stimmen, die auf eine Konsolidierung im öffentlich-rechtlichen Lager drängen – doch schon die anvisierte Fusion der Landesbank aus Hannover mit der Helaba in Frankfurt ist im Ansatz gescheitert. So wird plötzlich die EU-Kommission zu einem Hoffnungsträger: Harte Auflagen für die Kapitalzufuhr bei der Nord/LB gelten als das beste Mittel, um die Widerstände gegen eine Großfusion zu brechen. Denn noch einen Notfall wird Brüssel nicht akzeptieren.

Von Jens Heitmann