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Kommentar zu Fridays for Future: Klima macht keine Ferien

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20:29 05.07.2019
Tausende demonstrieren, und Tausende fliegen in den Urlaub. Klimaschutz wird noch nicht richtig gelebt in Deutschland. Quelle: Christophe Gateau/dpa
Hannover

Erinnern Sie sich an das Feriengefühl früherer Tage? Die Städte wurden leerer, die Strände voller – und irgendwie lief das Leben ein wenig leichter. Weil manche Sorge einfach mal warten konnte und das Wetter oft seinen Teil dazu beitrug, dem Glück ein wenig auf die Schliche zu kommen. Heute scheint viel davon verschwunden zu sein. Manche Sorge bleibt präsent, weil sie uns ständig digital begleitet. Die große Sommerpause wird kürzer und weniger tief. Und das Wetter wandelt sich vom Genussfaktor leise zum Indikator für eine kaum kalkulierbare Bedrohung namens Klimawandel. Es ist schwerer geworden, am Anfang des Sommers unbeschwert glücklich zu sein.

Was ist am Ende des Schuljahres erreicht?

Auch deswegen waren am Freitag wieder Tausende Schüler auf den Straßen und Plätzen der Republik. Sie wollten nicht einfach so in die Ferien aufbrechen, sondern noch einmal wie so oft zuvor ihr Zeichen für einen anderen Umgang in Politik und Wirtschaft mit den offenkundigen klimatischen Veränderungen auf dem Planeten setzen. Auch Eltern waren dabei. Vielleicht sind auch sie auf der Suche nach ihrer einstigen Sommerruhe. Das alles ist gut und weist in die richtige Richtung. Nur – was ändert sich jetzt? Was ist mit dem Ende des Schuljahres erreicht?

Offenbar nicht viel. Wer sich in diesen Tagen auf deutschen Flughäfen umsieht und umhört, erkennt schnell, dass es sämtliche Großdemos zusammen nicht im Ansatz vermocht haben, etwa den Zusammenhang von Flugreisen und den Anstieg von Kohlendioxid in der Atmosphäre irgendwie bewusst zu machen. Dazu könnte möglicherweise die Besteuerung der CO2-Erzeugung beitragen – aber mehr als ein paar unverbindliche Ideen der Umweltministerin hat die Nation hier bisher nicht zustande gebracht. Und die große Verkehrswende ist bisher auch nicht mehr als eine Behauptung. Also: Der große gesellschaftliche Aufbruch, zu dem manche die Schülerdemos stilisiert haben, findet bei uns nicht statt.

Den Ingenieuren ist noch immer etwas eingefallen

Das liegt zum einen daran, dass die Radikalität mancher Forderung zum Klima in keinem praktischen Verhältnis zu ihrer Umsetzbarkeit in einer komplexen, weitgehend ökonomisierten Gesellschaft steht. Wer den Lebensstandard hierzulande halten will, braucht keine „Panik“, wie Chef-Aktivistin Greta Thunberg meint, sondern kluge, praktische Politik zur Stabilisierung des Klimas. Mit harten Vorgaben, aber mit solchen, die Grundlagen der Wirtschaft nicht beschädigen. Deren Ingenieuren ist noch immer etwas eingefallen, wenn es sein musste – nur brauchen sie dafür neben Druck auch Zeit und Geld. Hinzu kommt ein zweiter Punkt: Der Blick auf die Flughäfen zeigt beispielhaft, dass es eben das eine ist, Veränderungen zu fordern, und etwas anderes, sie auch selbst zu leben. So bleibt der Nation auch in diesen Ferien eines nicht erspart: ihre Hausaufgaben zu machen.

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Von Hendrik Brandt

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