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Kommentar zu Hanau und dem rechten Terror: Es ist an der Zeit

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19:43 21.02.2020
Großen Zulauf fand am Freitagabend die Demonstration gegen Rassismus in Hannover. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Was haben Besucher einer Synagoge in Halle an der Saale mit Gästen einer Shisha-Bar in Hanau zu tun? Man wäre noch vor ein paar Tagen um eine Antwort verlegen gewesen. Wenig verband meist aus Osteuropa zugewanderte deutsche Juden in Sachsen-Anhalt mit der türkisch-kurdisch grundierten deutschen Gemeinschaft im Hessischen. Das ist jetzt mit einem Schlag anders – beide Gruppen in Halle und Hanau sind Opfer des Rechtsterrorismus geworden. Trauer, Angst und Wut einen sie, ganz gleich, wie sie leben oder woran sie glauben.

Und die anderen? Bildet die Mehrheit im Land angesichts des Terrors nun einen schützenden Kreis um die Minderheiten? Für den Moment sieht es so aus – die spontanen Demonstrationen sind eindrucksvoll. An diesem Wochenende. Was bleibt davon am Montag?

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„Der Wille des Volkes“

In den letzten Tagen ist die Frage aufgekommen, ob die Morde von Hanau nun einen Wendepunkt im öffentlichen Umgang mit dem rechten Terror markieren – etwa so, wie es 1977 die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer und der Lufthansa-Maschine „Landshut“ war. Spätestens nach diesen mörderischen Taten der RAF war seinerzeit jedem klar: Hier geht es nicht um irgendwelche höheren Ziele, sondern nur um niedere Gewalt. Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte recht, als er sagte: „Gegen den Terrorismus steht der Wille des ganzen Volkes.“

Mit Blick auf abscheuliche Morde lässt sich das sicher auch jetzt unterschreiben. Aber gilt diese Abscheu auch für alle Motive, die die oft kranken Täter treiben? Stimmt es nicht doch, dass sich bei manchem das Denkbare zum Sagbaren und das Sagbare zum Machbaren verschoben hat? Die Frage nach dem Wendepunkt könnte ein Indiz dafür sein, dass genau hier etwas nicht mehr stimmt. Wer jetzt erst aufwacht, hat von den NSU-Morden offenbar nichts gehört, diverse Anschläge seitdem nicht zur Kenntnis genommen – und übersehen, dass es zwischen den Angriffen der RAF und dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke keinen wirklichen Unterschied mehr gibt.

Mund auf gegen rechte Sprüche

Und da liegt’s. Den Kampf gegen mörderische Neonazis und ihre willigen Helfer können die Sicherheitsbehörden nicht allein gewinnen. Zumal sie bei allen Erfolgen interne Probleme haben. Die beste Waffe gegen Terroristen bleibt, ihnen die Hoffnung auf Erfolg zu nehmen. Das können nur: wir alle. Nicht nur bei Demos oder den gerade hippen Analysen von Sprachfeinheiten. Sondern vor allem da, wo es wirklich zählt: Im Streit um rechtsradikale Töne in der Familie, bei Freunden und Kollegen. Im Widerspruch zu Diskriminierung, der Probleme nicht abstreitet, sondern angeht. Und im echten Kontakt zu jenen, die allzu leicht zu Opfern werden können. Es ist an der Zeit.

Von Hendrik Brandt

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