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19:49 24.10.2018
Martin Winterkorn, bis September 2015 Vorstandsvorsitzender von VW, hätte früher handeln müssen, sagt das Gericht.
Martin Winterkorn, bis September 2015 Vorstandsvorsitzender von VW, hätte früher handeln müssen, sagt das Gericht. Quelle: dpa
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Hannover

Es ist kaum noch zu überschauen, wie viele Gerichte sich mit den Folgen und Begleiterscheinungen des Dieselskandals bei VW befassen. Das Kapitalanlageverfahren vor dem Landgericht Stuttgart ist sicher nicht der bedeutsamste Schauplatz dieser Auseinandersetzungen. Zudem ist der Weg des Verfahrens durch die weiteren Instanzen garantiert. Das ändert aber nichts daran, dass erstmals ein deutscher Richter in einem Urteil klare Feststellungen getroffen hat: Martin Winterkorn, zur fraglichen Zeit Chef von Volkswagen AG und Porsche SE, habe seine Pflichten mindestens grob fahrlässig verletzt, und die Öffentlichkeit sei zu spät über den Skandal und seine Dimension informiert worden.

Das kann man nicht einfach als persönliche Meinung eines Einzelrichters abtun. Sein 130-seitiges Urteil liefert detaillierte Begründungen, und sie decken sich oft mit den Erwägungen seines Braunschweiger Kollegen im großen VW-Sammelverfahren. Auch wenn das Stuttgarter Urteil letztlich keinen Bestand haben mag, spiegeln seine Argumente die Diskussion und die Verhandlungen vor anderen Gerichten. Ein Trost für Volkswagen und seinen Mehrheitsaktionär Porsche SE: Der Zeitraum möglicher Rechtsverstöße wird auf gut ein Jahr eingegrenzt.

So mögen die finanziellen Folgen solcher Urteile überschaubar bleiben. Das ist durchaus gut so, denn nicht nur dem Normalbürger fällt es schwer, den Entschädigungsbedarf milliardenschwerer Investmentfonds nachzuvollziehen. Die Wahrheit über die Ursprünge des Dieselskandals will aber auch der Normalbürger wissen.

Von Stefan Winter